Der Mensch soll beim Hund die "Führung" übernehmen.
Posted in Sighthound-Coach
23/09/2019

Führungskompetenz

Last Updated on 08/02/2020 by Monika

Der Mensch soll beim Hund die „Führung“ übernehmen. Wie viel Führungskompetenz steckt in uns Menschen?

Wer Führung übernimmt oder übernehmen will, muss Entscheidungen treffen können, Konflikte lösen oder einfach nur den Weg vorgeben.

Dazu gehört ein Eingreifen in konfliktreichen Situationen und Führung zu übernehmen bedeutet nicht statisch zu sein. Es erfordert auch die Fähigkeit auf Individuen einzugehen und die unterschiedlichen Bedürfnisse, Stärken, Schwächen und Belastungsgrenzen zu erkennen und beinhaltet eine stressreduzierende Einwirkung.

In einer Studie der Biologin Jennifer Smith, Mills College in Kalifornien wurde abschließend fest gestellt, dass die menschliche Führung Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum breiteren Säugetiermuster aufweist und nicht nur interessante, sondern auch empirische Fragen aufwirft.

Doch wie erlangt man Führungskompetenz?

Beobachtet man „natürliche“ Alphatiere, menschliche und auch Vierbeinige, haben alle eins gemeinsam, eine souveräne Ruhe mit der sie Konflikt- oder Stresssituationen lösen. Man spricht deswegen auch von einer angeborenen Führungskompetenz.

Führen kann man nicht zu 100% erlernen, denn „erlerntes Führen“ kommt gerade dann an seine Grenzen wenn die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen, die die erworbenen Kompetenzen übersteigen.

Bei Hunden habe ich öfters beobachtet, dass ein Hund, der vor der geistigen Reife zum Erwachsenwerden sozial auffällig war, plötzlich zu einem souveränen „Alphatier“ wurde. Voraussetzung hierfür ist die Möglichkeit an seiner Lebenssituation zu wachsen, umgekehrt kann es aber auch zu asozialem Verhalten kommen, nämlich dann, wenn die Lebenserfahrung nicht ausgewogen genug ist.
Unsere Windhunde sind im allgemeinen „Spätzünder“ und werden erst mit 3, manche sogar erst mit 4 Jahren erwachsen, dies liefert einen weiteren Grund bei der Ausbildung und Erziehung mehr Zeit zu investieren. Und den Hunden damit die Möglichkeit zu geben mit den unterschiedlichen Lebenssituationen zu wachsen.


Wer führt ist zuverlässig, authentisch, klar, gibt Orientierung …

Begriffe, die fast in jedem Hundehalterkopf zu finden sind und je nach dem mehr oder weniger sortiert herum schwirren. Ich habe mir Gedanken gemacht, was es bedeutet zuverlässig zu sein.

Wer führt ist zuverlässig, authentisch, klar, gibt Orientierung. Führungskompetenz des Hundehalters.
Wer führt ist zuverlässig, authentisch, klar, gibt Orientierung

Von der Kunst zuverlässig zu sein.

Nur wer zuverlässig ist, ist verbindlich, ausdauernd und standhaft, auch unter widrigen Umständen. Verbindlichkeit bezeichnet die Konsequenz mit der der Mensch zu seinem „Versprechen“ steht. Zuverlässig verbindlich zu sein sind die Voraussetzung für einen fairen und korrekten Umgang miteinander.

Die Kunst der Klarheit

Klar zu sein, bedeutet sich unmissverständlich auszudrücken, bedeutet: gehaltlose Aussagen zu vermeiden und das Anliegen ohne Umschweife in Kürze und Einfachheit auf den Punkt zu bringen. Klarheit ist um so klarer, mit um so größerer psychischer Energie sie auftritt, d.h. die innere Haltung betont die Handlung / Aussage und macht sie dadurch bewusster und deutlich.

Von der Kunst authentisch zu sein

Wer authentisch ist kennt seine Stärken und Schwächen, ist ehrlich mit sich selbst, handelt konsequent nach seinen Werten und Überzeugungen, ist aufrichtig in sozialen Beziehungen und zeigt seine negativen und auch positiven Seiten. Wer authentisch ist wirkt echt, ehrlich, stimmig, ungekünstelt, offen und ist vor allem entspannt. Je mehr der Mensch im Einklang mit sich selbst ist, d.h. er steht zu seinen Stärken und seinen Schwächen, desto authentischer ist er und das wird auch von der Umwelt bzw. unseren Hunden wahr genommen. Unsere Hunde sind gute Beobachter und werden jeden gekünstelten Umgang sofort erkennen.

Die Kunst Orientierung zu geben

Orientierung bedeutet die kognitive Fähigkeit eines Lebewesens sich in Zeit, Raum und bezüglich des eigenen Wesen zu orientieren, d.h. eigenständig zurecht zu kommen.

Orientierung passiert mental, räumlich, sexuell oder aber auch sozial. Die Fähigkeit der Orientierung besitzt jedes Lebewesen, vorausgesetzt der Verlust dieser Fähigkeit ist krankheitsbedingt nicht gestört.

Die Orientierung am Menschen muss demnach erlernt werden, d.h. der Hund muss lernen sich am Menschen zu orientieren, dies gelingt durch die soziale Orientierungsfähigkeit. Setzt allerdings voraus, dass der Hund sich bewusst darüber ist, in welcher Rolle er sich befindet und dass der Mensch für den Hund „Wichtig“ ist, d.h. sich durch Kompetenz auszeichnet.

Die Kunst den Fokus zu bestimmen

Fokussieren bedeutet Zeit und Aufmerksamkeit auf Weniges zu richten. Im Umgang mit dem Hund neigt der Mensch dazu, zu viele „Dinge“ auf einmal zu wollen, bedeutet die Konzentration auf das wichtige, eigentliche „Problem“ verschwimmt und das Erreichen eines Ziels wird durch zu viele Nebensächlichkeiten oder Anforderungen / Ablenkungen verhindert.


Die Leichtigkeit im Umgang mit dem Windhund / Podenco

Leichtigkeit erreicht man durch Erfahrung, Fertigkeit, Routine, Kenntnissen und Kompetenzen im Umgang mit seinem Windhund. Durch Wissen und Bündelung von Zuverlässigkeit, Authentizität, Klarheit, Orientierung und Fokussierung erlangt man die erwünschte Leichtigkeit und schafft es mühelos und spielerisch seinen Windhund problemlos durch den Alltag zu führen.

Anforderungen an eine Führungspersönlichkeit

Im Coaching ist es wichtig die Themen zu definieren die im Verlauf des Trainings konkretisiert werden sollen. Dazu ist es hilfreich, wenn man sich den Anforderungen (Kompetenzen und Sozialkompetenzen) die an uns, den Mensch als Führungspersönlichkeit, gestellt werden bewusst wird. Das Bewusstsein für diese Rolle ermöglicht die eigenen Ziele, Stärken und Schwächen zu konkretisieren und zu verbessern. Je bewusster sich der Mensch über die an ihn gestellten Anforderungen ist, desto effizienter und erfolgreicher ist das Coaching.

Checkliste:

  • ist sich klar über den Sinn und Zweck seiner Führung
  • führt durch Vorbild und Beispiel
  • setzt Regeln und Grenzen und evaluiert deren Einhaltung
  • handelt situationsadäquat und angemessen
  • evaluiert und trifft bei Bedarf adäquate Korrekturmaßnahmen
  • trifft Entscheidungen
  • findet auch in komplexen Situationen den Mut eine Entscheidung zu treffen
  • kann Prioritäten setzen
  • zeigt einen adäquaten Umgang mit Emotionen, auch in Stresssituationen
  • kann unterscheiden zwischen Wichtigem und Unwichtigem
  • gibt Feedback auf Verhalten
  • verstärkt positive Veränderungen durch Feedback
  • kann nachfragen und hinterfragen
  • bleibt in der Kommunikation
  • ist ausgeglichen und zufrieden mit sich selbst
  • ist verlässlich und verbindlich
  • erläutert für den Hund verständlich, prägnant, präzise und überzeugend
  • erfasst Ursachen und differenziert
  • definiert und organisiert die Umsetzung
  • erkennt Situationen mit Konfliktpotential
  • kann Konfliktsituationen analysieren und einstufen
  • zieht Lehren aus Konflikten
  • handelt überlegt und vorausschauend
  • geht mit „Ungehorsam“ souverän um
  • erkennt bloßes Austesten von Grenzen
  • kann stressreduzierend einwirken

Checkliste Mehrhundehaltung

  • flexible Führung, situativ und angepasst auf die einzelnen Hunde
  • kennt die Bedürfnisse der unterschiedlichen Hunde
  • keine seine Hundegruppe: Stärken, Schwächen und Belastungsgrenzen
  • versteht die unterschiedlichen Verhaltensweisen
  • erkennt reaktives Verhalten innerhalb der Hundegruppe

Diese Checklisten dienen als Anregung und sind nicht abschließend zu verstehen.

So wie wir Menschen sind auch Hunde in ihrer Entwicklung, ihrer Persönlichkeit und Verhalten immer in Bewegung.

Sighthound-Coach – Monika Mosch

Orientierung am Menschen. Hilfe für einen blinden Whippet durch Führung.

Aufgabenstellung: 6 Jahre alter Whippet mit plötzlicher Erblindung im Alter von 5 Jahren. Der Whippet wurde seit der Erblindung nur noch ohne Leine „geführt“. Was zu vielen Verletzungen, Missverständnissen mit den anderen Hunden der Halterin, fremden Hunden, der Umwelt an sich und dadurch zu einem permanenten Stress für den Hund im Alltag führte.

Sensibilisierung der Sinne

In der ersten Trainingsstunde konnten wir dem Hund erklären, wie er sich am Menschen und an der Leine orientieren kann und dadurch auch vor Gefahren, Verletzungen und Schmerzen geschützt wird und ist.

Ein Hund im Stress, achtet wenig bis gar nicht auf seine Umwelt. Ein Hund, der ein Sinnesorgan, in diesem Fall das Augenlicht verliert, wird sich verstärkt auf Nase und Ohren verlassen. Diese gilt es neu zu schulen und zu sensibilisieren, so dass auch der Abstand zu einem Hindernis über den Geruch eingeschätzt werden kann. Die Fokussierung des Gehörs sollte auf den feinen, leisen Geräuschen liegen, die der Besitzer macht (Atem, Schritten etc.) und nicht in der Vielfalt der Umweltgeräusche im Aussen.

Ein Hund, der plötzlich erblindet, muss alles „Neu“ lernen, und dies schafft er nicht allein, sondern benötigt dazu die Hilfe und Unterstützung seines Besitzers.

Video

Dieses Video ist in der ersten Trainingsstunde entstanden. Es diente der Halterin als eine Art Anleitung, wie sie in den nächsten Tagen mit ihrem Hund arbeiten muss, bis dieser die gewünschte Umwelt-Sicherheit durch Orientierung am Menschen erreicht. Ziel war es dem Hund die Orientierungslosigkeit und damit auch den Stress zu nehmen.

Stress reduzieren.

Bereits nach 1 Woche habe ich die beiden wieder getroffen. Wenn man nicht weiß, dass der Whippet blind ist, dann merkt man das als Aussenstehender gar nicht mehr. Ich war begeistert und die Halterin gerührt und froh, dass ihr Hund trotz Blindheit nun ein entspanntes Leben führen kann und zwar durch Führung und Orientierung am Menschen.


Über mich

Ich bin Monika Mosch, Hundetrainerin und Inhaberin der Hundeschule „Sighthound-Coach“ und spezialisiert auf Windhunde und die mediterranen Rassen (Podencos). Mein Angebot gibt es bereits seit dem Jahr 2000 und ich biete Dir jede Menge „Know how“ und vor allem Erfahrung im Umgang und Training mit Windhunden. Das Halter-Coaching steht bei mir an erster Stelle.

Bei der Ausübung meiner Tätigkeit bin ich äusserst mobil und aufgrund meiner Spezialisierung in ganz Europa unterwegs. Regelmässig bin ich in Berlin, München, Stuttgart und dem Ruhrpott und natürlich auch in Hamburg.

Über Termine und Preise für ein Coaching kannst Du Dich auf meiner Webseite informieren.

Mein Heimathafen ist Hamburg und die Erlaubnis nach § 11 I S. 1 Nr. 8 f TierSchG, wurde mir durch das Bezirksamt Eimsbüttel erteilt.


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