Einordnung:
Dieser Artikel ordnet häufige Deutungen rund um Zähnezeigen und sogenanntes „Nitting“ bei Windhunden ein – jenseits von Verniedlichung, aber auch fern von Alarmismus.
Wenn Du Windhunde nicht optimieren, sondern verstehen willst, bist Du hier richtig.
Warum ich gute Absicht schätze – und trotzdem genauer hinschaue
Ich beobachte es immer wieder:
Ein Windhund hebt leicht die Lippen, die Schneidezähne werden sichtbar.
Manchmal folgt ein sanftes Knibbeln an der Hand des Menschen.
Und sehr schnell ist ein Satz im Raum:
„Der lächelt.“
„Das ist Nitting.“
„Der freut sich einfach.“
„Der liebt mich.“
Ich bleibe dann meist ruhig.
Nicht, weil ich nichts denke –
sondern weil ich gelernt habe, dass schnelle Erklärungen selten das Problem lösen,
sondern meistens nur das Denken beenden.
Zähne zeigen ist für mich zuerst Information
Nicht Gefühl. Und schon gar kein Emoji.
Wenn ein Windhund die Zähne zeigt, passiert erst einmal etwas Sichtbares.
Ich bewerte das nicht moralisch.
Das ist kein Aggressionsurteil.
Aber eben auch kein Liebesbrief mit Zahnbeteiligung.
Zähne sind im sozialen Kontext ein deutliches Signal.
Und andere Windhunde sehen genau das:
Zähne.
Spannung im Gesicht.
Aufmerksamkeit nach vorn.
Sie sehen keine Erklärung.
Sie hören keine Beschwichtigung.
Sie lesen kein Sternchen mit dem Hinweis
„Ist lieb gemeint, bitte nicht falsch verstehen.“
Die Wirkung entsteht im Gegenüber.
Nicht im guten Willen.
Nitting – was ich darunter verstehe
(und was nicht)
Für mich ist Nitting kein Emotionslabel.
Ich beobachte es als Pflegeverhalten oder Fellpflege.
– feines Knibbeln am eigenen Fell
– etwas entfernen, was stört, etwas juckt
– manchmal auch soziale Fellpflege bei vertrauten Partnern
Das sehe ich bei Windhunden.
Ich sehe es bei anderen Hunden.
Und bei Pferden – dort mit weniger Feinschliff, aber mehr Körpereinsatz.

Deshalb sage ich klar:
Nitting ist für mich keine Windhund-Spezialität.
Es ist artspezifisches Verhalten, individuell ausgeprägt.
Problematisch wird es erst,
wenn Pflegeverhalten, Fellpflege, Zähnezeigen, Nähe und Freude
in einen Topf geworfen werden,
auf dem dann „Liebe“ steht.
Das ist ungefähr so präzise
wie „alle Leinen sind gleich“.
Warum es so wenige Bilder von „Nitting“ gibt
Meine Windhunde machen es auch –
aber es ist schwer bis unmöglich zu fotografieren.
Feine Fellpflege bei Hunden, besonders bei Windhunden,
ist meist kurz, situativ und unspektakulär.
Sie passiert nebenbei.
Und oft genau dann, wenn niemand eine Kamera in der Hand hat.

Was sich dagegen gut fotografieren lässt, ist Pflege:
Bürsten, Waschen, Schneiden, Hände, Werkzeuge.
Pflege ist sichtbar.
Verhalten ist es oft nicht.
Dass man zum Thema „Nitting“ häufiger Bilder von Pferden findet
als von Hunden oder Windhunden, ist deshalb kein Zufall.
Pferde zeigen Sozialpflege deutlicher, länger und klarer.
Bei Hunden bleibt sie häufig flüchtig.
Und noch etwas kommt hinzu:
Der Mensch fühlt sich hier schnell als Sozialpartner,
wenn ein Windhund bei ihm Fellpflege betreibt.
Warum?
Weil Fellpflege bei uns Menschen fast immer Beziehung bedeutet:
Nähe, Zuwendung, Intimität, „gemeint sein“.
Wir kennen Pflege selten als funktionale Handlung,
sondern fast immer als soziale Geste.
Und genau dieses Deutungsmuster legen wir unbewusst auf den Windhund.
Das ist menschlich –
führt aber leicht dazu, Verhalten zu personalisieren
und ihm eine Bedeutung zuzuschreiben,
die weniger mit Pflege
als mit Nähe, Zugehörigkeit oder „gemeint sein“ zu tun hat.
Genau deshalb ist Einordnung so wichtig.
Nicht jedes Verhalten richtet sich an uns.
Und nicht jede Berührung ist Beziehung.
Warum Etiketten mir zu kurz greifen
Nicht, weil sie böse gemeint sind.
Sondern weil sie Beobachtung ersetzen.
Wenn ich einmal entschieden habe:
„Das ist Liebe“,
muss ich nichts mehr prüfen.
Nicht mehr schauen.
Nicht mehr fühlen.
Aber Windhunde sind keine einfachen Erzähler.
Sie sprechen leise.
Sehr fein.
Und manchmal in ganzen Absätzen,
während wir noch beim ersten Wort stehen.
Mein Fazit – ruhig, klar, mit einem Augenzwinkern
Ich nenne Dinge beim Namen:
– Zähne zeigen ist Information
– Nitting ist Pflege oder Fellpflege
– Wirkung zählt mehr als Absicht
– Einordnung schlägt Erklärung
Und ja:
Ich kenne Windhunde, bei denen Nähe mit sichtbaren Zähnen funktioniert.
Aber das ist kein allgemeingültiges Muster.
Und kein Satz, den ich ungeprüft durchwinke.
Oder in meiner Haltung gesagt:
Ob es richtig oder falsch ist,
die Antwort gibt Dir immer Dein Windhund.
Und manchmal –
die anderen auch.
Ganz ohne Kommentar.
Im Sighthound-Club geht es genau um diese Art des Hinschauens – ohne Etiketten, ohne Abkürzungen.
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