Warum eine Elektrolyt-Imbalance kein Elektrokytmangel ist – und deshalb zusätzliche Elektrolyte nicht automatisch helfen.

Gut gemeint ist nicht automatisch richtig dosiert.

Elektrolytprodukte klingen zunächst vernünftig: Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium und einige Spurenelemente sollen den Körper nach Bewegung, bei Wärme oder während sportlicher Belastung unterstützen.

Die Schlussfolgerung liegt nahe: Der Windhund hat sich angestrengt, also braucht er anschließend Elektrolyte.

Der WINDHund ist kein schwitzender Mensch

Hunde regulieren ihre Körpertemperatur überwiegend durch Hecheln und die damit verbundene Verdunstung über die Atemwege. Dabei verlieren sie vor allem Flüssigkeit. Belastung verändert außerdem vorübergehend den Säure-Basen-Haushalt, die Körpertemperatur sowie verschiedene Blut- und Stoffwechselwerte.
Daraus lässt sich jedoch kein allgemeiner Elektrolytmangel ableiten.

Ein Windhund, der nach dem Rennen stark hechelt, benötigt deshalb nicht automatisch einen Cocktail aus Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Zink, Mangan und Kupfer.

Er braucht zunächst das, was zur jeweiligen Situation passt:
Ruhe, Wasser, Abkühlung, Regeneration – oder bei auffälligen Symptomen tierärztliche Hilfe.

Elektrolyt-Imbalance bedeutet nicht Elektrolytmangel

Eine Elektrolyt-Imbalance beschreibt eine Störung des Gleichgewichts.

Dabei kann ein Elektrolyt:

  • zu niedrig sein,
  • zu hoch sein,
  • oder zwischen Muskelzelle, Gewebe und Blut verschoben vorliegen.

Einfach weitere Elektrolyte zuzuführen, gleicht diese Störung nicht automatisch aus.
Im ungünstigsten Fall wird aus einer bestehenden Verschiebung eine noch größere.

Gerade bei einer belastungsbedingten Schädigung von Muskelzellen können Zellbestandteile in den Blutkreislauf gelangen.
Schwere Formen der Rhabdomyolyse können unter anderem mit einer gefährlich erhöhten Kaliumkonzentration verbunden sein.
Ein zusätzlich verabreichtes Elektrolytgemisch wäre dann keine Hilfe nach dem Gießkannenprinzip.

In meinem Flip Book #3 zur Greyhoundsperre formuliere ich deshalb ausdrücklich:

Eine Elektrolyt-Imbalance ist kein Elektrolytmangel, sondern eine Störung, die auf Unregelmäßigkeiten der Elektrolytkonzentration hinweist.

Wenn schon Hilfsmittel, dann richtig?

Ja. Aber „richtig“ bedeutet nicht, ein möglichst umfangreiches Elektrolytprodukt zu wählen.

Es bedeutet, zuerst zu wissen, welche Störung überhaupt vorliegt.

Bei einem begründeten Verdacht auf eine belastungsbedingte Muskelschädigung gehören unter anderem Blutwerte, Elektrolytkonzentrationen, Muskelwerte, Nierenwerte und gegebenenfalls eine Blutgasanalyse in tierärztliche Hände.
Erst danach kann entschieden werden, welche Flüssigkeit oder welcher Elektrolyt tatsächlich benötigt wird.

FAQ

Kann eine Greyhoundsperre jeden Hund treffen?

Das als Greyhoundsperre bezeichnete belastungsbedingte Syndrom kann grundsätzlich jeden Hund treffen – unabhängig von Rasse oder Nutzung.

Windhunde und sportlich geführte Hunde stehen lediglich häufiger im Fokus, weil intensive Belastung ein möglicher Auslöser ist.

Das Risiko ist nicht bei jedem Hund gleich hoch. Grundsätzlich kann jedoch jeder Hund betroffen sein, wenn Belastung, individuelle Leistungsfähigkeit, Trainingszustand, Stress, gesundheitliche Voraussetzungen und Umweltbedingungen ungünstig zusammentreffen.

Die Greyhoundsperre ist ein ernst zu nehmendes Syndrom,
die das Leben Deines Windhundes nachhaltig verändert.

Ist eine Elektrolyt-Imbalance ein Elektrolytmangel?

Nein.

Ein Mangel ist nur eine mögliche Form der Imbalance. Ebenso kann eine zu hohe Konzentration oder eine krankhafte Verschiebung zwischen Zelle und Blut vorliegen.

Deshalb lässt sich eine Elektrolyt-Imbalance nicht vorsorglich dadurch beheben, dass man weitere Elektrolyte zuführt.

Die Greyhoundsperre stellt immer einen Notfall dar, da die Sterblichkeitsrate ohne Behandlung sehr hoch ist.

Ist ein Hitzschlag an heißen Tagen wahrscheinlicher?

Ja.

Hohe Außentemperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit erschweren die Wärmeabgabe.
Gleichzeitig produziert Muskelarbeit zusätzliche Körperwärme.

Ein Belastungshitzschlag ist jedoch nicht ausschließlich ein Problem heißer Sommertage.
Körperliche Anstrengung ist bei Windhunden ein häufiger Auslöser hitzebedingter Erkrankungen.

Bei entsprechend intensiver Belastung, unzureichender Regeneration oder ungünstigen individuellen Voraussetzungen kann eine gefährliche Überhitzung auch bei gemäßigteren Temperaturen oder sogar im Winter entstehen.

In the Summertime …

Elektrolyte sind für den Windhund kein harmloses Standardprogramm

Eine gute Grundversorgung mit Wasser und bedarfsdeckendem Futter ist etwas anderes als die zusätzliche Gabe eines Elektrolytkonzentrats.
Und eine Elektrolyt-Imbalance ist kein Beweis dafür, dass dem Körper Elektrolyte fehlen.

Nicht jedes Ungleichgewicht braucht mehr.
Manchmal braucht es vor allem Klarheit darüber, was gerade aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Im Flip Book #3 „Greyhoundsperre“ gehe ich ausführlicher auf belastungsbedingte Azidose, ähnliche Krankheitsbilder, mögliche Auslöser, unterschiedliche Verlaufsformen, Notfallmaßnahmen und Vorbeugung ein.

Gerade im Sommer ist es wichtig, dass Du den Windhund gut im Blick hast und ihn vor allem nicht überforderst.

Für einen gesunden Windhund nach normaler Belastung bleiben Wasser, rechtzeitiges Wässern, Pause und Temperaturmanagement die erste Wahl.

Mein Fazit für Windhunde:

Vor Rennbahn, Coursing oder Training lieber rechtzeitig wässern, Belastung und Temperatur vernünftig planen und Pausen ermöglichen. Elektrolyte gehören nicht vorsorglich in den Windhund. Sie machen Hitze nicht ungefährlich und aus 30 °C keinen verantwortbaren Trainingszeitpunkt.

Keine menschlichen Sportgetränke verwenden.
Zucker, falsche Mineralstoffkonzentrationen oder sogar Xylit können schnell zum Problem werden.

Windhunde verstehen. Dein Windhund, Deine Verantwortung.

Der Text ist nicht kopierbar.