Fit für Rennbahn & Coursing, Kapitel 4
25/09/2019

Fit für Rennbahn & Coursing (4)

Last Updated on 05/04/2020 by Monika

Kapitel 4

04. Training für die Rennbahn oder Coursing

Wie halte ich meinen Hund fit und beweglich?

Die Grundlage für jegliche Bewegung ist die Kontraktion des Muskelgewebes. Der Muskel bewirkt, dass sich die Knochen bewegen. Damit die Muskeln sich zusammenziehen können, müssen sie Reize von den Nerven erhalten und sie müssen mit Energie versorgt werden.

Die Energie wird den Muskeln in Form von Sauerstoff und anderen Nährstoffen über den Blutkreislauf zugeführt. Das Herz-Kreislauf-System kann den Muskeln keinen Sauerstoff zuführen, ohne dass die Lungen ausreichend funktionieren. So sind das Herz-Kreislauf-, Atmung-, Muskel-, Skelett- und Nervensystem alle mit der Ausführung athletischer Fähigkeiten verbunden. Wenn eine der Verbindungen geschwächt ist, leidet die Leistung. 

Der Zweck eines Trainings besteht darin, die Funktion in jedem dieser Körpersysteme zu maximieren.

Bewegung und körperliche Konditionierung (Training) sind für einen Leistungshund von größter Bedeutung. Es ist nicht genug, und es ist auch nicht fair, einen Hund nur auf die spezifischen Ziele der Leistungsaktivitäten hin zu trainieren, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, körperlich fit zu werden.

Ein regelmäßiges Training erhöht die Schnellkraft, Kraft und Koordination eines Hundes.

Dies hilft dem Hund, besser zu arbeiten und verringert die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen. Sollte es doch einmal zu einem Sturz kommen, wird ein Hund, mit Kraft und Fitness, den Sturz zumindest teilweise kontrollieren oder seine Landung abschwächen können und damit die Wahrscheinlichkeit einer schweren Verletzung verringern.


Wie fit ist Dein Hund?

Bewerte die aktuelle Fitness Deines Hundes objektiv. Der Hund ist dann fit, wenn er kein überschüssiges Fett hat und über die richtige Muskelgröße und – stärke verfügt.

In Deutschland haben viele Windhunde wenig Muskulatur und sind leider oftmals übergewichtig. Jedes Gramm Übergewicht ist eine Belastung für die Gelenke und das Herz-Kreislauf-System. Unabhängig davon, ob ein Hund auf der Rennbahn / Coursing geht oder sich „nur“ in der Freizeit bewegt.

Die Muskelgröße ist teilweise genetisch bedingt (Endomorphe Hunde neigen dazu, eine größere Muskelgröße aufzuweisen als Ektomorphe) und teilweise spiegeln sie die Menge an Training wieder, die der Hund über einen längeren Zeitraum hatte. Muskelgröße verändert sich auch mit dem Alter. Welpen und ältere Hunde haben kleinere Muskeln als Hunde in ihren besten Jahren.

Der Muskeltonus ist ein Hinweis darauf, wie viel Training Euer Hund in den letzten Wochen hatte. Hierbei ist zu beachten, dass gerade im Muskelaufbau-Training oder überhaupt durch Training der Muskeltonus steigt. Bedeutet, je mehr Muskelmasse der Hund hat, desto mehr Kalorien verbrennt er zwangsläufig auch im Ruhezustand. (Hint: Fütterung)

Fitness-Einschätzung

In den nachfolgenden Abschnitten findest Du unterschiedliche Aktivitäts-Muster, die Dir dabei helfen, die Fitness Deines Hundes besser zu beurteilen bzw. einzuordnen. Dies sind keine Anleitungen, sondern dienen lediglich als Anhaltspunkt.

Fitness beim Windhund
Beurteilung der Fitness Deines Windhundes

Die Fitness Deines Windhundes ist mangelhaft, wenn

  • er keine Möglichkeit für täglichen Freilauf hat
  • es keinen Platz gibt, wo er sprinten kann. Und damit ist gemeint, sich richtig strecken und lang machen, während er Geschwindigkeit aufnimmt
  • nur kurze Gassistrecken (20-30 Min.) zum Lösen an der Leine gegangen werden
  • Du Deinen Windhund als Couch-Potato bezeichnest
  • Der Muskeltonus schwach ist und die Muskulatur im Rücken und der Hinterhand fehlt.

Die Fitness Deines Windhundes ist gut, wenn

  • er täglichen Freilauf hat
  • es einen Platz gibt wo er sprinten kann, sich richtig strecken und lang machen kann während er Geschwindigkeit aufnimmt
  • er mindestens 2 mal in der Woche die Möglichkeit hat mit anderen Windhunden zu rennen
  • die Gassistrecke eher einem Spaziergang gleicht und täglich zwischen 6 und 8 km in einem flotten Schritt zurück gelegt werden.

Die Fitness Deines Windhundes ist sehr gut, wenn

  • er täglichen Freilauf hat
  • es einen Platz gibt wo er sprinten kann, sich richtig strecken und lang machen kann während er Geschwindigkeit aufnimmt
  • er täglich die Möglichkeit hat mit anderen Windhunden zu rennen
  • der tägliche Spaziergang zwischen 6 und 10 km in einem flotten Schritt gegangen wird
  • er im Arbeitstrab am Fahrrad bis zu 20 Minuten mindestens 2 x pro Woche zurück legt

Die Fitness Deines Windhundes ist excellent, wenn

  • er täglichen Freilauf hat
  • es einen Platz gibt wo er sprinten kann, sich richtig strecken und lang machen kann während er Geschwindigkeit aufnimmt
  • er täglich die Möglichkeit hat mit anderen Windhunden zu rennen
  • der tägliche Spaziergang zwischen 8 und 10 km in einem flotten Schritt gegangen wird
  • er im Arbeitstrab am Fahrrad bis zu 30 Minuten mindestens 3 x pro Woche zurück legt
  • Krafttraining mit Sprüngen und Bergauftraining –  auch am Fahrrad, sofern Ihr über ein E-Bike verfügt, zum Trainingsplan gehört
  • er zusätzlich Bergaufsprints (in Maßen) machen kann – niemals sollte der Hund nach einem Bergauf-Sprint anschließend auch bergab sprinten, sondern im Schritt bergab geführt werden. Die Belastung bergab zu Sprinten ist je nach Steigungswinkel für die Gelenke zu groß. Die Distanz sollte 100m im Bergauftraining nicht überschreiten. Zu berücksichtigen ist der Steigungswinkel der Strecke.


Die Gesundheit Deines Hundes steht auch im Training an erster Stelle

Bei jeder Aktivität, die Ihr mit Eurem Windhund angeht, sei es ein Training auf der Rennbahn, ein Wettkampf oder einfach „nur“ ein Spaziergang, sollte Ihr auf die Signale achten, die Euch Euer Hund gibt. Ist er fröhlich, aufgeweckt und voll da, dann steht einer Aktivität nichts im Wege. Verhält sich Euer Hund anders als sonst, ist zurückhaltend, dann sollte Ihr ihn nicht überfordern und schon gar nicht bei einem Wettkampf oder einem Testtraining starten lassen.

Wichtig sind die täglich langen Spaziergänge. Oftmals höre ich von Windhundbesitzern, dass das „Unfug“ sei, denn man hat ja schließlich einen Sprinter, einen Rennhund. Leider ist das nicht richtig, denn wir haben keinen Rennhund, der vergleichbar wäre mit den Greyhounds, die im Profi-Rennsport regelrecht „verheizt“ werden. Durch den enormen Leistungsdruck, der im Renngeschäft herrscht, kommt es zwangsläufig dazu, dass ein Hundeleben nur noch aus Sprint-Training und Wettkampfteilnahme besteht.

Es gibt auch im Profi-Sport einige Trainer, die beweisen, dass es auch anders geht und die die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit ihrer Rennhunde sehr ernst nehmen und entsprechend mit ihren Hunden umgehen. „Schwarze Schafe“ gibt es leider überall, nicht nur im Profi-Windhund-Rennsport, aber über die kann man natürlich weitaus spektakulärer und empörender Berichten. Das ist leider bei allen Themen so, die Tiere involvieren.

Früher wurden auch die Profi-Rennhunde täglich zwischen 10 und 15 km spazieren geführt, in kleinen feinen Rennbetrieben ist das auch heute noch der Fall. Denn der Spaziergang bringt auch etliche Vorteile mit sich. (Hint: Muskulatur – Low-Twitch und Fast-Twitch


Training auf „Auf Sicht“ nicht auf Gehör

Viele Windhunde sind auf das Geräusch der Maschine konditioniert oder auf der Rennbahn oftmals sogar auf die Maschine selbst, und arbeiten nicht wirklich auf Sicht oder mit dem Fokus auf die Beute.

Beim Coursing sieht man sofort, welche Hunde nicht auf die Beute fokussiert sind und sich bisher eher auf ihr Gehör verlassen haben. Da wird zum Beispiel der „Hase“ links weg gezogen und der Hund startet nach rechts, weil dort der Motor der Zuganlage steht.

Auf der Rennstrecke werden die Hunde durch die Architektur der Strecke „geführt“, aber auch hier kann man sehen, welche Hunde einfach nur mit rennen, weil die anderen laufen oder tatsächlich fokussiert auf die „Beute“ sind. Und tatsächlich jagen/hetzen.

Auf dem Coursing-Feld benötigen die Hunde maximale Aufmerksamkeit und Konzentration: auf die Strecke, die Beute und den zweiten Hund, den Mitläufer. Dein Hund sollte all seine Fähigkeiten nutzen, um die Beute zu verfolgen, auch wenn sie kurzzeitig mal außer Sichtweite ist. Dies und andere Faktoren werden bei einem Coursing beurteilt.

Ausführliche Details, wie welche Windhund-Rasse jagt, kannst Du in den internationalen FCI Richtlinien für Coursing-Richter nachlesen.

Der Auslöser bzw. der Reiz muss das „fliehende Beutetier“ sein, denn nur dann stimmt die Motivation bei unseren Windhunden, nämlich konzentriert und fokussiert zu arbeiten. Gibt es keinen Bewegungsreiz, dann kann der Hund die nächste Sequenz, das Hetzen nicht ausführen. Kommt dieser Reiz, befinden wir uns wieder in der „Natürlichkeit“ der Jagdsequenz unserer Windhunde, deren Bewegungs- und Ablaufmuster fest miteinander verbunden sind. 

  • Orten – Fixieren = Startbox ausharren / am Start ausharren und auf Auslösereiz starten
  • Hetzen = das Rennen/Coursing an sich, Verfolgung der Beute
  • Kill = Packen – Schütteln – Töten = wenn die Hunde die Beute erreicht haben

Mit Ruhe und Gelassenheit auf die Rennbahn und zum Coursing

Kontrolle vs. Fokussierung – ein viel diskutiertes Thema unter den Windhundhaltern. Fokussierung bedeutet nicht, dass die Hunde Amok laufen dürfen. Der Halter braucht Kontrolle über seinen Hund. Ich z.B. möchte nicht, dass mich mein Barsoi herumreißt, nur wenn er das Geräusch der Maschine hört oder etwas Interessantes sieht. Ich möchte auch nicht, dass sich mein Hund bereits vor dem eigentlichen Lauf durch unangemessenes und unkontrolliertes Verhalten völlig verausgabt.

Wenn Dein Hund sich bereits aufregt, während Du zuhause den Maulkorb und die Renndecken einpackst, wird es Zeit aufzuwachen. Wenn Dein Hund bei der Ankunft auf der Rennstrecke oder am Coursing-Feld bereits vor lauter Aufregung hechelt, musst Du an Deinem Handling dringend etwas verändern. (Hint: Stress Kapitel 5)

Wenn Du mit Deinem Hund auf der Rennbahn angekommen bist und er an der Leine zieht, hechelt, regelrecht verrückt spielt, bellt, schreit, steigt und hypererregt ist, dann musst Du umdenken. Denn das ist unangemessenes Verhalten und hat nichts mit „Hasenschärfe“ zu tun.

Die Hunde lieben die Rennbahn und/oder das Coursing, denn sie wissen was sie erwartet und sie dürfen natürlich auch eine angemessene Erregung zeigen. Aber sobald Stress entsteht, weil der Hund z.B. nie Selbstregulierung gelernt hat, solltet Ihr stoppen und wieder ein bis zwei oder auch mehr Schritte „zurück gehen“ und Euren Hund trainieren, und sein Verhalten auf der Rennbahn „neu“ konditionieren. Nur so kann der Hund auf Dauer gesund bleiben und auch Leistung zeigen.

Ein Hund der sich nicht im Griff hat ist anfällig für Verletzungen, da der Körper bereits verausgabt ist bevor er auch nur einen Meter gerannt ist.

Rennbahn und Coursing ersetzt die Jagd und das bedeutet, gejagt wird ausschließlich zu Euren Bedingungen.


Die berühmte „Hasenschärfe“

Für ein effizientes Training sind aufgeregte und/oder unkonzentrierte Hunde, die nur im Aussen sind und Stress zeigen nicht geeignet, da diese Hunde bisher nicht gelernt haben, sich auf ihre „Arbeit“ als solches zu konzentrieren und zuzuhören. Sie können aber jederzeit neu lernen, sich angemessen zu benehmen, aber vor allem können sie lernen Euch zuzuhören. Die Anforderungen an Euch sind dabei einfach: Konsequent sein und beharrlich bleiben.

Unter „Hasenschärfe“ ist zu verstehen, dass der Windhund seine „Beute“ im Auge behält und sich während des Rennens nur darauf konzentriert. Er wird alles geben, um die „Beute“ zu erreichen, mit dem Ziel sich auf die „Beute“ zu „stürzen“. In keinem Fall sollte sich der Windhund durch Einflüsse von außen von seiner Aufgabe ablenken lassen, z.B. dass er sich um anderen Windhunde „kümmert“ die mit ihm die „Beute“ verfolgen und er eventuell zu Raufen beginnt, sei es aus „Frust“, weil er überholt wird oder weil der Konkurrent gleichgeschlechtlich ist. 

Individuelle Unterschiede in jedem Windhund, sowie Umweltfaktoren und Ereignisse in der Entwicklung der Hunde haben einen Einfluss auf die Leistung.

Eine Ausbildung, d.h. eine Verstärkung und Verfeinerung des gewünschten Verhaltens (Hetzen – Packen – Schütteln) sollte erst dann beginnen, wenn dieses Verhalten auch auf natürliche Weise eingesetzt hat.

Das bedeutet, wir müssen so lange mit der Ausbildung zur Rennbahn / Coursing warten, bis die angemessenen „genetischen“ Bewegungsmuster verlässlich und stabil im Verhaltensrepertoire des Windhundes vertreten sind. Erst dann können wir verstärken und verfeinern.

Bei der Hundeausbildung kann man feststellen, dass es selbst bei bester Zucht einige Jahre dauern wird, bis der Windhund zu einem kompetenten Jäger wird. Wenn wir uns an den Wölfen orientieren, wissen wir, dass diese erst ab einem Alter von zwei bis drei Jahren zu effektiven Jägern werden.

Diese erwünschte Stabilität werdet Ihr erkennen, wenn Ihr Euren Hund in allen Entwicklungsphasen genau beobachtet. Bis das soweit ist, solltet Ihr den Fokus auf altersgerechte Bewegung, Geschicklichkeit, Reaktionsvermögen und Selbstbeherrschung legen. Die Stimulation für Untergründe, Oberflächen, horizontale Linien und dreidimensionale Strukturen. Grundlagenausdauer zusammen mit einem Ausdauer- Intervalltraining. (Hint: Kapitel 5)

Eine Abwechslung in Bezug auf die „Beute“ ist wichtig, damit hier keine Konditionierung auf einen bestimmten Gegenstand stattfindet. Dies ist besonders wichtig, wenn man mit jungen Hunden trainiert.

Geben wir den Hunden mehr Zeit, auch bei der Ausbildung für den Windhund-Rennsport


Die Raumlage-Orientierung ist die Basis des Orientierungsvermögens

Das Orientierungsvermögen beinhaltet das enge Zusammenspiel der Sinnesorgane, vor allem Auge, Ohr, Muskel und Gleichgewichtssinn und ermöglicht es einem Lebewesen mit zielgerichteten Reflexen zu reagieren. 

In der Regel ist die eigene Raumlage einem Lebewesen kaum bewusst, sondern wird erst bei unüblichen oder gar widersprüchlichen Sinnesmeldungen ein Thema.

Sinnesmeldungen werden z.B. durch unbekannte Untergründe, veränderte Temperatur- oder Lichtverhältnisse ausgelöst. Deswegen ist es gerade im Training von Bedeutung, dass unseren Hunden möglichst wenig unübliche Begebenheiten begegnen. Gerade im Hinblick auf den Windhund-Rennsport.

Damit bei unseren Hunden unterschiedliche Untergründe, abweichende Bodenverhältnisse, andere Geräusche oder Gerüche nicht zu widersprüchlichen Sinnesmeldungen führen, sollte die Raumlage-Orientierung bereits mit den Welpen trainiert werden. Ganz nebenbei schult man auch das Gleichgewicht, die Balance in den unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Welpen, vom Junghund bis hin zum erwachsenen Hund.

Orientierungsfähigkeit

Die Orientierungsfähigkeit bezeichnet die Fähigkeit, die Position des Körpers im Raum zu bestimmen. Und zwar durch eine zieladäquate Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers in Raum und Zeit bezogen auf ein definiertes Aktionsfeld oder ein sich bewegenden Objekt (Beutetier oder Mitläufer). Damit ist sie von grundlegender Bedeutung für die Motorik insgesamt und ist eng mit der visuellen Wahrnehmung und den kognitiven Leistungen verknüpft.

Wie gut oder schlecht die Orientierungsfähigkeit ist, wird bestimmt durch Schnelligkeit, Richtigkeit, Genauigkeit des Orientierens in Zusammenhang mit der Ausführung einer Bewegung, z.B. die zielgerichtete Verfolgung des „Hasens“ beim Coursing.  

Reaktionsfähigkeit

Die Reaktionsfähigkeit ist eine zielgerichtete Handlung auf einen externen Reiz. Reaktionsgeschwindigkeit gehört auch zum Orientierungsvermögen. Eine gute Übung im Training dafür ist z.B. der Start aus verschiedenen Ausgangspositionen.

Die Reaktionsgeschwindigkeit hat nichts mit der Schnellkraft zu tun.

Wenn zwei Hunde gegeneinander antreten und sie reagieren gleich schnell, gewinnt auf den ersten Metern der Hund mit der größeren Schnellkraft. Schnellkraft zielt darauf ab, eine Bewegung in möglichst kurzer Zeit auszuführen.

Reaktionsgeschwindigkeit ist die Voraussetzung für einen schnellen Start.

Reaktionsvermögen im Windhund-Rennsport ist entscheidend beim Start

Ein gutes Reaktionsvermögen sind die besten Voraussetzungen für einen schnellen Start.

Nach dem Start ist die Schnellkraft gefragt

Sobald die Windhunde aus der Box raus sind ist die Schnellkraft auf der Geraden mit entscheidend für den weiteren Verlauf des Rennens.

Das Training der Reaktionsfähigkeit beginnt man bereits im Welpenalter – natürlich spielerisch durch ein interessantes Angebot an altersgerechten Erkundungen und Spielereien.


Was bedeutet Training? 

Training verschafft Eurem Hund das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in seinen Körper. Es gibt ihm ein besseres Körper- und Selbstbewusstsein, fördert die Geschicklichkeit und natürlich auch die Geschwindigkeit – den sogenannten „Kick Down“. Ein Training ist angepasst auf den jeweiligen Hund, arbeitet an den Schwächen und verbessert die Stärken. Ein Training unterscheidet sich von Hund zu Hund, je nach Charakter, Alter und Erfahrung.

Training bedeutet, den Körper (körperliche Konditionierung) und den Geist (psychologische oder mentale Konditionierung) zu trainieren. Im Training müssen wir beide Bereiche berücksichtigen. 

Der Plan ist einfach: Mach Deinen Hund fit und trainiere auf einem hohen Niveau. Achte darauf, dass Dein Hund freudig und motiviert arbeitet, und großen Spaß daran hat, auf der Rennbahn und/oder beim Coursing zu starten.


Physische Konditionierung umfasst drei Körpersysteme

  • Bewegungsapparat. Muskeln, Knochen, Sehnen und Bänder; diese sind am schwierigsten zu trainieren und erfordern den größten Zeitaufwand.
  • Herz-Kreislauf. Herz und Blutgefäße.
  • Pulmonal. Lungen und Atemwege.

Die kardiovaskulären und pulmonalen Systeme sind ständig in Verwendung und daher sehr einfach zu trainieren. Allerdings könnt Ihr die drei Körpersysteme unter Verwendung der gleichen Techniken auch gleichzeitig trainieren. Die Anpassung der Herz-Kreislauf-Leistung und des Sauerstoffvolumens, die für die höheren Anforderungen des Rennens notwendig sind, müsst Ihr im Basis-Training für Rennbahn & Coursing vornehmen. HINT: Kapitel 12 Trainingplan

Ein Training im Alltag hat Euer Hund bereits dann, wenn Ihr mit ihm spazieren geht, der Hund frei laufen und mit anderen Hunden sprinten, stoppen und rennen kann. Oder Euer Hund Euch beim Joggen oder am Fahrrad begleitet und dabei im Arbeits-Trab unterwegs ist.

Der langsame Trab (Jogg) bringt dem Hund nicht sehr viel. Das ist die Bewegung, in der der Hund energiesparend und vor allem ohne Anstrengung unterwegs ist.


Training beinhaltet:

  • Verhaltenscheck
  • Gesundheitscheck
  • Statuscheck physisch: Mobilität – Koordination – Reaktion
  • Statuscheck psychisch: Stress und Stressmanagement

Die mentale Konditionierung

Um Leistung zu erbringen, reicht es nicht, einfach nur körperlich fit zu sein. Gerade in der Wettkampfsituation kommt es darauf an, Leistung auch abrufen zu können. Das hat aber nicht allein nur für den Wettkampf Gültigkeit. 

Das Training macht umso mehr Spaß, wenn die Leistung stimmt. Um diese zu optimieren, ist neben der körperlichen Fitness die geistige Fitness sehr wichtig. Aus der Kombination körperlicher und geistiger Fitness resultiert letzten Endes erst der Gesamtzustand, von dem die Motivation und die spezifische Leistungsfähigkeit abhängen. Nachfolgend ein Beispiel:

Unzählige Wiederholungen, Videoanalysen, individuelle Korrekturen folgen, bis die Performance des Hundes so gezeigt wird, wie man sich es wünscht. Die Bewegungen und Abläufe sind in das motorische Gedächtnis eingebrannt. Doch wird es auch möglich sein, die Leistung genau zum gefragten Zeitpunkt, nämlich bei einem Rennen abzurufen? Der Hund wird vorbereitet – warm gelaufen – zum Sattelplatz gebracht usw. Er registriert, wie ein anderer Hund tobt, bell und schreit – ein kurzer Moment der Unkonzentriertheit – und der Wettkampf ist gelaufen. 

Problematisch ist das nicht nur im Wettkampf. Im Training führt der Verlust des Fokus zu einem Verlust der Effizienz – im schlimmsten Fall zu einer Verletzung, die den Hund in seinem Trainingsstatus weit zurück werfen kann. 

Darum ist ein Training in Ruhe sehr wichtig, damit Abläufe gelernt werden können, sich in das motorische Gedächtnis einprägen, ohne dass Stress von aussen dazu kommt.

Der Stress bei einem Training unter Wettkampfbedingung ist enorm hoch. Wenn Dein Hund bereits bei einem ruhigen und individuell gestalteten Training Stress hat und diesen auch zeigt, dann wird dieser unter Wettkampfbedingungen oder im Wettkampf selbst noch höher. Die weit verbreitete Meinung, dass viel Stress dazu führt, dass der Hund sich daran gewöhnt ist leider falsch, da ein Hund unter Stress weder lernen noch verstehen kann.


Ziel des Trainings definieren

Über das Ziel des Trainings definiert sich die Häufigkeit. Oftmals ist die Häufigkeit des Trainings problematisch durch den damit verbundenen Zeitaufwand. Allerdings hat ein nicht trainierter Hund nichts auf einem Test-Training oder Wettkampf verloren. 

Wenn Ihr aber Ambitionen habt, Euren Hund in den Wettkampf zu führen, dann solltet Ihr mindestens 1 mal oder sogar 2-3 x die Woche zusätzlich zur Bewegung im Alltag trainieren.

Training ist alles, was Ihr bewusst dafür tut, Euren Hund fit zu machen. Dazu gehören nicht nur Trainingspläne, sondern Routinen im Alltag. Zum Beispiel Routinen für ein Warm Up und den Cool Down vor und nach dem Freilauf, die dann zur Routine im Training oder dem Wettkampf werden. 

Ausserdem gehört auch Wissen um die Körperfunktionen, Anatomie, Gesundheit, Regeneration und Ernährung dazu, sowie grundsätzlich ein bewusster und ganzheitlicher Umgang mit dem Hund. 

Das Training schult Dich in Routinen und verschafft Dir Sicherheit im Umgang mit Deinem Windhund.

Du wirst zum Coach, zum Trainer Deines Hundes.

Ein weiterer wichtiger Effekt ist der mentale Aspekt: Denn Du beschäftigst Dich aktiv, ernsthaft und fürsorglich mit Deinem Hund, das stärkt die Beziehung und schafft eine überaus gute Vertrauensbasis.


Der Warm up und der Cool Down

Im nächsten Abschnitt geht es um das Aufwärmen und Ablaufen Eures Hunde-Sportlers, das dauert jeweils mindestens 30 Minuten.

Aufwärmen ermüdet den Hund nicht und das Ablaufen begünstigt die Synthese von Glykogen und fördert den Abbau von Laktat.

Das Aufwärmen bereitet die Muskulatur und die Gelenke auf die sportliche Belastung vor. Da während der schonenden Bewegung beim Aufwärmen bereits die Gelenkschmiere produziert werden kann und zwar ohne irgendwelche Geschwindigkeits- und Gewichtsbelastung. Die Gelenkschmiere dient unter der Sprint-Belastung als wichtiger Puffer und Schutz der Gelenkknorpel.

Bewegung beim Aufwärmen verbraucht kein ATP.

Beispiel einer Warm up-Routine

Am besten beginnst Du mit einer schnellen und festen Massage, um die  Mikrozirkulation (Nährstoffaustausch bzw. Zelltransport über die kleinsten Blutgefäße) anzuregen. Dadurch wird der Lymphabfluss gefördert, Faszienverklebungen gelöst und eine Beweglichkeitsverbesserung von Muskeln und Gelenken geschaffen.

Abbildung der Massagepunkte beim Windhund zur Vorbereitung im Wettkamp oder Training.
Eine tolle Massage für Deinen Hund, eins ist sicher, er wird es genießen.

Du startest am oberen Hals und arbeitest Dich bis zum Rutenende durch. Dann die Vorderbeine, Brust und Bauch und zum Schluss die Vorder- und Rückseite der Hinterbeine herunter.

Am Ende dann jede Pfote aufnehmen und sanft die Zehen spreizen, strecken und dehnen, um Deinen Hund dadurch auf jede seiner Zehen „aufmerksam“ zu machen.

  • Den Hund strecken – Dehnungsübungen
  • Die Beweglichkeit von Kopf, Hals, Ellbogen, Karpalgelenken, Hüfte und Knien durch Dehn- und Beugeübungen prüfen
  • Strecken der Beine vorwärts und rückwärts, je Bein 2-3 x
  • Spannung und Reflex der Hinterläufe
  • Wirbelsäule von einer Seite zur anderen Seite biegen
  • Ein paar enge Drehungen nach recht und links
  • Dann läufst Du mit ihm auf einer Strecke von 50 Metern für ca. 15-20 Minuten auf und ab, um ihn zu lockern, die Muskulatur zu durchbluten und den Kreislauf in Schwung zu bringen. Wechselseitig: Schritt und Trab
  • Die Konzentration des Hundes sollte bei Dir sein
  • An heissen Tagen, kann man den Hund vor dem Aufwärmen abkühlen, in dem man Haut und Fell nass macht
  • Ihr habt das Aufwärmen richtig gemacht, wenn Ihr ins Schwitzen gekommen seid.

Ein optimal aufgewärmter Organismus kann für ca. 10 Minuten ohne weitere Bewegung ausharren bzw. warten, ohne gleich gänzlich abzukühlen.

Ist das Wetter naß und/oder kalt, dann solltest Du Deinen Hund bis er an den Start geht mit einer entsprechenden Decke/Mantel vor Kälte, Nässe oder Wind schützen.

Beachte allerdings, je länger Du Deinen Windhund im „Trubel“ warten lässt bis er dran kommt, desto mehr Energie verbraucht er vielleicht allein nur durch die Aufregung.

Deswegen ist es wichtig, dass Du neben dem Ruhepuls zuhause auch den Puls Deines Hundes kennst, wenn Du an einem Training teil nimmst. Ausserdem natürlich den Puls, wenn er bei einem Testtraining oder Wettkampf startet. Dies ist der Ausgangswert, Puls vor der Belastung, der für die Beurteilung der Regenerationszeit notwendig ist.

Je höher bereits die Kreislaufleistung, desto reduzierter kann die Warm up-Routine, die auf die Belastung des Kreislaufsystems (z.B. schneller Trab) geht, sein. Ruhiges Gehen, wärmt die Muskulatur und Gelenke ebenfalls auf, dauert natürlich entsprechend länger.

Wenn Du unsicher bist, bleib bei Deiner Warm up-Routine und lass Dich nicht durch andere Halter verunsichern.


Die Cool Down-Routine

Nach dem Training oder Wettkampf sollte es eine spezielle Routine für den „Cool Down“ geben. Dies ist auch in anderen Sportarten der Fall: z.B. werden Pferdebeine mit Wasser abgespritzt und das Pferd so lange geführt, bis es nicht mehr schwitzt. Menschliche Bahnläufer „gehen aus“. 

Entwickle für Deinen Hund eine Routine und halte diese auch bei einem Training ein. Je öfter Du es wiederholst, desto mehr wird es zur Routine.

Die Gesundheit Deines Windhundes muss bei allem was Du tust im Vordergrund stehen.

Gut zu wissen:

Da die körperliche Aktivität bei einem Training oder Rennen ganz plötzlich vorbei ist, kann sich Blut in den Extremitäten sammeln. Gefäße haben sich geöffnet, um eine maximale Zirkulation in den Muskeln zu ermöglichen. Diese muss über Bewegung ausgeglichen werden, damit der Organismus wieder zur Ruhe kommt.

Für die Gesundheit unserer Hunde ist diese „Abkühlphase“ extrem wichtig. Und zwar für die Muskelregeneration und den Abbau von Laktat, da sie dazu beiträgt, die durch Anstrengung erzeugten Metaboliten abzubauen oder auszuspülen, wodurch eine verzögert auftretende Greyhoundsperre verhindert werden kann.

Die Abkühlphase ist deshalb nach jeder sportlichen Aktivität Deines Hundes oberstes Gebot.

Die Cool Down-Routine hat nebenbei noch eine signifikante psychologische Wirkung – es ist äußerst deprimierend für den Hund, in dem einem Moment zu arbeiten und dann im nächsten „allein und isoliert“ zu sein.

Beispiel einer Cool Down-Routine

Den Hund ca. 10-30 Minuten in ruhiger Bewegung „auslaufen“ und dabei den Puls kontrollieren. Dieser sollte entsprechend der Kondition Eures Hundes stetig abfallen. (Hint: Siehe Kapitel 5 Trainingselemente)

  • Direkt nach dem Rennen/Lauf: 1-2 Minuten gehen
  • den Puls kontrollieren / zählen
  • 5 Minuten gehen (Hecheln beobachten) und Puls messen
  • Wasser anbieten
  • den Hund abkühlen (Beine abspritzen)
  • Pfoten, Augen, Ohren und Schleimhäute kontrollieren
  • in Bewegung bleiben
  • nach weiteren 5 Minuten Puls messen und in Bewegung bleiben
  • nach weiteren 5 Minuten wieder Puls nehmen – gehen, usw.

Sobald der Hund nicht mehr hechelt, kann die auch Atemfrequenz gemessen werden. Dem Hund wiederholt Wasser anzubieten, sollte selbstverständlich sein. Viele Hunde trinken oftmals direkt nach der Belastung nicht. Dies ist erstmal kein Grund zur Sorge. Jedoch sollte Dein Hund in einem angemessenen Zeitfenster nach der Belastung Wasser aufnehmen. Im späteren Verlauf der Fitness kann das Gehen auch durch Traben ersetzt werden – bedeutet, der Hund regeneriert in einer schnelleren Bewegung, um dann im Verlauf des Cool Downs in einen normalen Schritt zu kommen.

Das häufige Puls nehmen kann erst dann entfallen, wenn Du Dir der Grundkondition und Regenerationszeit Deines Hundes sicher bist, darf aber bei Deinem Sporthund niemals ganz entfallen. Denn der Puls liefert Dir Informationen über den Zustand Deines Hundes in der Regeneration.

Der Hund sollte so lange in Bewegung bleiben, bis er sich regeneriert hat. Dies ist zumindest so lange, wie er nicht mehr hechelt und der Puls deutlich gefallen ist.

Das Hecheln aufgrund von Anstrengung unterscheidet sich grundlegend vom Hecheln aufgrund von wetterbedingter Wärme. 

  • Und bitte nicht vergessen:
    • Pfoten abwaschen und Ballen checken
    • Augen kontrollieren und ggf. reinigen (Sandbahn und Schlammwetter)
    • Krallen, Nagelbett, Daumenkralle und die Zwischenräume der Zehen auf Verletzungen kontrollieren
    • Sand gründlich auswaschen

Stellt sich die gewohnte Regeneration bei Deinem Hund nicht ein – bitte unbedingt einen Tierarzt aufsuchen.

Die Kontrolle für Dich ist der Puls, die Temperatur und die Atemfrequenz.


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