24/09/2019

Fit für Rennbahn & Coursing (2)

Last Updated on 05/04/2020 by Monika

Kapitel 2

02. Gesundheit & Vitalwerte

Krallen

Die Krallen sind extrem wichtig. Zu lange Krallen sind oftmals die Ursache für Verletzung. Die Krallen, inklusive der Daumenkralle müssen so kurz wie möglich gehalten werden. Wenn der Hund auf einem harten Untergrund steht, dürfen die Krallen nicht den Boden berühren und es sollte kein lautes Klackern zu hören sein, wenn der Hund über den Boden läuft. Die Krallen sollten 3 bis 4 Tage vor einem Laufen auf der Bahn nicht geschnitten werden, um Infektionen oder Schmerzhaftigkeit zu vermeiden. 

Eine regelmässige Pflege der Krallen sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dann besteht auch keine Gefahr, dass die Krallen zu lang werden.


Zähne

Jeder Hund, der sich in welcher Sportart auch immer betätigt, sollte ein gesundes, dem Alter entsprechendes Zahnbild haben. Wenn der Hund auf die Rennbahn gehen soll, dann ist der Besuch beim Tierarzt, möglichst mit Spezialisierung auf Zahnheilkunde, eine gute Idee. Die Kontrolle und die Entfernung von harten Belägen sollte zur Routine werden. So lange unsere Hunde nicht sprechen können, tragen wir die Verantwortung für ihr Wohlergehen, unabhängig von irgendwelchen sportlichen Aktivitäten. 

Mit Zahnstein und/ oder einer Entzündung des Zahnfleischs kann man keinen Sport betreiben. 


Bandagieren

Bandagen helfen dabei, dass der Hund sich beim Coursing nicht an den Daumenkrallen im Gras oder der Schnur verletzen kann. Es gibt einige Leute, die sogar den großen Ballen oder den Fersenballen bandagieren, damit sich der Hund auf hartem Boden nicht verletzt.

Ein weiterer wichtiger Grund für das Bandagieren ist Minimierung der Krafteinwirkung auf den Körper. Anatomisch gesehen mildert bereits die Funktion von Handwurzel (Karpalgelenk) und Pfote den Aufprall. Dazu aber später mehr.

Zum Bandagieren benutzt man VetWrap, das bekommt man im Internet, in einem Laden für Pferdeausstattung oder es eignen sich auch selbstklebende Binden (Verbandsmaterial) in ca. 4 cm Breite.

Bei der Firma Benecura könnt Ihr z.B. verschiedene Bandagen auch für den Schutz der Daumenkrallen erwerben. Sie sind einfach in der Handhabung, allerdings sitzen diese weniger gut als die selbstgewickelten.

Wichtig ist, dass man das Bandagieren vorher zuhause übt, damit sich der Hund daran gewöhnt, damit zu laufen. Und auch Ihr ein Gefühl dafür bekommt, wie fest Ihr die Bandagen machen müsst, so dass sie beim Rennen nicht abfliegen oder zu straff sitzen und dadurch die Durchblutung stören.

Die Bandagen sollten nur zum Rennen angebracht werden und danach sofort wieder abgenommen werden. Die Bandage ist flexibel und sollte so eng sein, dass der kleine Finger noch dazwischen passt, um einen Blutstau zu verhindern. Polsterwatte hat unter einer Bandage nichts verloren.

Die Bandage darf das Gelenk, die Mittelhand und die Zehen inklusive der Daumenkralle in ihren Funktionen nicht einschränken und auf keinen Fall faltig gewickelt werden oder ab- oder einschnüren.

Unter den Bandagen kann sich Hitze stauen. Sand und kleine Steine dringen unter den Schutz und können Druckschwielen und Entzündungen hervorrufen. Umso wichtiger ist es, die Bandagen nach dem Rennen sofort abzunehmen. Dies stellt auch sicher, dass die Pfoten wieder eine maximal Durchblutung bekommen.

Sofern der Fersenballen und/oder die Daumenkralle mit eingewickelt wird, ist zu beachten, dass diese nur richtig trocknen können, wenn die Bandage abgenommen wird. Der Hund schwitzt durch die Ballen und bei vielen Hunden sind nach einem Rennen sogar die Bandangen an den Daumenkrallen feucht.

A = Krallen

B = Fingerballen

C = Handballen

D = Daumenkralle

E = Handwurzelballen / Fersenballen / Stopper

Ob Bandagen grundsätzlich bei Deinem Hund notwendig sind, solltest Du genau abwägen.

Auf Grasbahnen ohne Sandauslauf besteht natürlich beim Bremsen eine erhöhte Verletzungsgefahr für die Daumenkralle. Falls Dein Hund bandagiert werden soll, dann lass Dir von jemand mit Erfahrung zeigen, wie es genau geht.

Mit kurz gehaltenen Krallen und Daumenkrallen lassen sich grundsätzlich Verletzungen minimieren oder sogar gänzlich vermeiden.

Bandagieren der Daumenkralle

Bandagiert wird von aussen nach innen. Die selbstklebende Bandage wird dabei mit leichtem Zug zwei bis dreimal um das Gelenk gewickelt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Daumenkralle nicht einfach mit eingewickelt und damit direkt am Bein fixierst wird.

Der Hund muss und wird den Daumen während des Rennens bewegen und darf deswegen nicht durch eine falsch angelegte Bandage eingeschränkt werden.

Ob die Bandage richtig oder falsch sitzt, merkst Du spätestens am Ende des Rennens, nämlich dann, wenn sich zum Beispiel die Daumenkralle durch die Bandage gebohrt hat oder es zu Kapsel- und/oder Zehenverletzungen gekommen ist.

Damit das nicht passiert, solltest Du die Bandage dort wo sie auf die Daumenkralle trifft leicht einschneiden. Dadurch wird die Daumenkralle bei den ersten Umwicklungen ausgespart und erst bei der letzten Umwicklung locker mit eingewickelt. Die Daumenkralle soll sich unter der letzten Bandagenlage noch bewegen können. Dadurch wird ihre Funktion in Kurven und beim Bremsen nicht eingeschränkt.

Durch die letzte Bandagenlage soll lediglich verhindert werden, dass die Daumenkralle absteht.

Video mit einer Anleitung folgt

Bandagen als Stoßdämpfer-Verstärker

Neben dem Schutz der Daumenkralle verändern Bandagen auch die Kräfteeinwirkung auf den gesamten Unterarm beim Bodenkontakt.

Der Handwurzelknochen (Karpalgelenk) besteht aus vielen kleinen quaderförmigen Knochen, die das Verbindungsstück zwischen den beiden Knochen des Unterarms und dem Mittelhandknochen mit den Zehen und Krallen sind. Dieses gesamte System des Unterarms ist der Stoßdämpfer des Körpers.

Der Zweck einer Bandage um das Karpalgelenk besteht darin, die Auswirkungen des Aufpralls auf den Unterarm zu dämpfen. Leider kann es durch eine falsche Platzierung der Bandage zu Verletzungen der Mittelhand- und Zehenstrukturen kommen.

Ist die Bandage zu fest und zusätzlich noch zu weit nach unten gewickelt, behindert sie die natürlichen Bewegungen des Mittelhandknochens und der Zehen.

Bandagen anlegen Hundesport

Wenn die Bandage zu fest ist und/oder zu weit nach unten gewickelt wird, werden die Bewegungen des Mittelfußes und der Zehen eingeschränkt.

FALSCH (a.) Eine zu feste und / oder zu weit in die Mittelhand ragende Bandage verhindert (b.) dass sich Karpalgelenk und Mittelhand bei Belastung ausdehnen können, was dazu führt, dass die Zehen und die Mittelhandknochen auf abnormale Weise die Hauptlast (c.) der Aufprallkräfte auffangen.

Eine falsch gewickelte Bandage hat zur Folge, dass die Zehen- und Mittelhandknochenstrukturen mehr Aufprallkräfte aufnehmen müssen, als sie verarbeiten können. Wenn wir den natürlichen „Stoßdämpfer“ mit der Bandage falsch manipulieren, verändert die Art und Weise wie die Kräfte (Kraft = Masse x Beschleunigung) im Körper ankommen. Mögliche Verletzungen sind: Kapsel- und Zehenverletzungen, Zehen- und Mittelhandfrakturen.

Korrekte Bandagen für Karpalgelenk und Mittelhand beim Hund unterstützen mit stoßdämpfender Wirkung.

Die Bandage wird leicht aber nicht zu locker um das Karpalgelenk gewickelt. Auf die Aussparung der Daumenkralle ist auch hierbei zu achten. Bei optimaler Festigkeit verstärkt die Bandage die stoßdämpfende Wirkung.

RICHTIG: Eine leichte Wicklung (a.) ermöglicht eine Ausdehnung des Karpalgelenks. Die Bandage unterstützt die Mittelhandknochenstrukturen (b.) und hilft so der Pfote die Aufprallkräfte zu mildern und (c.) aufzunehmen.

Richtig angelegt können Bandagen unsere Hunde bei Bedarf bei den sportlichen Aktivitäten stützen und damit auch unterstützen verletzungsfrei ins Ziel zu kommen.

Video mit einer Anleitung folgt


Stress

Anzeichen von Stress bei der Vorbereitung auf der Rennbahn oder auch auf dem Gelände selbst, sollten vom Besitzer erkannt werden und er sollte unbedingt etwas dagegen unternehmen. „Der ist halt so“ ist keine Ausrede. „Die anderen machen das auch so“ ist ebenfalls keine Entschuldigung.

Ein Beispiel zum Nachdenken: Ein stark an der Leine ziehender Hund verschwendet seht viel Kraft, die ihm im 2. Lauf oder dem Finallauf vielleicht fehlt.

Auf jeden Fall solltet Ihr die ersten ernsthaften Anzeichen wie Durchfall, Verweigerung von Wasser und Futter, zittern und/oder klappern mit den Zähnen etc. wahrnehmen, ernst nehmen und entsprechend reagieren. Hierbei kann ein Training helfen, dass dem Hund hilft sich auf der psychischen Ebene zu stabilisieren mit dem Ziel, besser mit Stress umzugehen.

Das Training im Hundesport hat sich in den letzten Jahren sehr stark weiter entwickelt. Studien und Forschungen sind aufgrund moderner Technik ausgefeilter geworden. Großartiges Material und Erkenntnisse auf der physiologischen Ebene haben hier Martin S. Fischer und Dr. Karin E. Lilje mit dem Buch und DVD „Hunde in Bewegung“ geliefert.1 In diesem Buch wird die Fortbewegung von Hunden nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern gleichzeitig leicht verständlich erklärt. Mit völlig neuen Erkenntnissen über die Bewegungsabläufe von Hunden

Sicherlich wird die Rennbahn und das Coursing immer Stress für unsere Windhunde sein, es gilt jedoch zwischen positiven und negativem Stress zu unterscheiden.


Physische Stress-Zustände nach dem Rennen (Post-Race-Distress-Syndrome)

Die Anzeichen schwerer Belastung die innerhalb weniger Minuten nach einem schnellen Rennen oder Langdistanz auftreten können, äussern sich darin, dass der Hund nicht in der Lage ist, seine Gliedmaßen zu bewegen oder zu koordinieren, Muskelzittern und Muskelschwäche aufweist. Vorausgehend ist ein verkrampfter Gang in der Hinterhand. Eine erhöhte Herz- und Atemfrequenzen nach der Belastung ist zu beobachten und der Hund erholt sich nicht wie gewohnt erholt.

Die Anzeichen von Schwäche oder gar ein Kollaps werden als Post-Race-Distress-Syndrom bezeichnet. Auch hier gibt es eine Reihe von Formen und unterschiedlichen Ausprägungen, die schwerwiegende Folgen haben können. Folgende Symptome sind zu beobachten:

  • Schwächeanfälle, unmittlebar nach der Belastung. Der Hund muss gestützt oder getragen werden
  • Dehydrierung
  • Muskelschwund und Gewichtsverlust bis zu 36 Stunden nach der Belastung

Auf jeden Fall solltet Ihr auch eine Greyhoundsperre in Betracht ziehen. Und die schwerwiegenden Symptome nicht auf die leichte Schulter nehmen, auch wenn sich Euer Hund relativ schnell nach der Belastung erholen kann.

Die Gründe hierfür sind noch nicht final erforscht und man geht davon aus, dass es durch Dehydration, Anämie oder ein gestörtes Elektrolyt-Verhältnis zu einem Post-Race-Ditress-Syndrome kommt.

Ich halte Euch auf jeden Fall weiter auf dem Laufenden.


Unterzuckerung

Auch Hunde können unterzuckern, die Symptome sind oft nur schwer von einer Greyhoundsperre zu unterscheiden, jedoch ist Unterzuckerung ein ernst zu nehmender Zustand, der tödlich ausgehen kann.

Bei gesunden Hunden liegt der Blutzucker zwischen 60 und 120 mg/dL.

Ursachen: unzureichender Trainingszustand, relativ hohe Temperaturen, ungenügende Flüssigkeitsaufnahme. Aufregung, Anstrengung und Belastung, vermehrtes Hecheln. Dadurch entsteht ein Defizit im Wasserhaushalt und es werden aufgrund starker Atmung, Stress und Belastung sehr viele Kalorien verbrannt.

Symptome: taumeliger, leicht taktischen Gang. Erschöpfung mit epilepsieähnlichen Krämpfen, weisser Speichel auch mit Schaumbildung, schwacher Puls, Bewusstseinsstörungen, Hund kann nicht mehr stehen oder auch nicht mehr selbständig aufstehen, zittern, abfallende Körpertemperatur.

Ein Blutzuckerschnelltest verschafft schnell Klarheit. Die Geräte dafür kosten nicht viel und sollten so wie ein 1. Hilfe-Koffer, Verbandsmaterial, Einwegspritzen, Energieriegel, Thermometer etc. auf den Rennplätzen zur Grundausstattung gehören.


Hitze und Läufigkeit

Der Hormonspiegel bei Hündinnen ist kurz vor der Hitze besonders hoch, dadurch steigt die Leistungskurve zu diesem Zeitpunkt besonders stark an, allerdings fällt sie nach der Hitze auch extrem ab. Wie es Deiner Hündin vor, während und nach der Hitze geht, kann durch Training und Ernährung beeinflusst werden.

Für Hündinnen, die sozusagen „Kopfschwanger“ sind, kann man bereits bei den ersten Anzeichen der Hitze mit homöopathischen Mitteln einer „Kopfschwangerschaft“ vorbeugen. Eine Scheinschwangerschaft muss nicht zwangsläufig mit einem Milcheinschuss, geschwollenen Zitzen oder Nestbau einhergehen, so dass Ihr durchaus auch die psychischen Signale berücksichtigen solltet.

In der Nachhitze dürfen zwar Hündinnen wieder am Sport teilnehmen, aber sie sind in dieser Phase oft nicht Leistungsbereit oder aufgrund der Umstände einfach „zickig“. Im Rennsport kann dies unter Umständen zu einer Disqualifikation führen.

In einer Studie die sich mit der Leistungsfähigkeit von Greyhound Hündinnen im Dioestrus (der Nachhitze) befasste, kamen die Wissenschaftler aufgrund der ausgewerteten Daten zu der Empfehlung, dass eine Pause von 70 Tage ausreichend ist und die meisten Hündinnen „abdeckt“, die in der Nachhitze einen Leistungsabfall haben. D.h. nach 70 Tagen Pause ist die volle Leistung wieder zurück.

Sterilisation und die Auswirkungen auf die Leistung im Rennsport. Auch hierzu gab es eine Auswertung in einer Studie, bei der ein Leistungsverlust aufgrund von Sterilisation nicht bestätigt wurde. Bitte beachten, es geht um Sterilisation nicht um Kastration.

Wenn Du Deine Hündin gut beobachtest, Futter und Trainingseinheiten sinnvoll gestaltest und der Zyklus nicht nur leidiges Beiwerk für Dich ist, dann solltest Du Deine Hündin ganz gut durch alle Phasen der Läufigkeit bekommen.

Wenn der Leistungsverlust nach der Nachhitze gravierend ist oder die Nachhitze 80-100 Tage weit überschreitet, empfehle ich das Handling und die Fütterung zu überprüfen. Ein großes Blutbild kann Dir sicherlich mit Hilfe Deines Tierarztes helfen, die Ursache zu finden.


Die Lymphknoten

Der Hund hat 12 Lymphknoten, die man äusserlich ertasten kann. Eine Schwellung der Lymphknoten kann auch Anzeichen für eine Erkrankung sein. Die Lymphknoten sind weich, beweglich und dürfen beim Abtasten nicht schmerzhaft sein.

Die 12 äusserlich tastbaren Lymphknoten beim Hund
Die 12 äusserlich tastbaren Lymphknoten beim Hund

Wenn Euer Windhund mal nicht so fröhlich und munter ist, wie ihr es gewohnt seid, dann könnt Ihr über das Abtasten der Lymphknoten feststellen, ob vielleicht etwas in ihm „brodelt“. 

Wenn die Lymphknotenschwellung länger als 2 Wochen anhält oder gar alle Lymphknoten geschwollen sind, solltet Ihr den Tierarzt aufsuchen.  


Dehydration

Unter Dyhydration versteht man einen Flüssigkeitsmangel des Körpers. Auslöser hierfür ist zu wenig Flüssigkeitsaufnahme, sportliche Leistung oder ein heißer Tag.

Bei unseren Hunden können wir über die Haut oder den Urin feststellen, ob der Hund unter Flüssigkeitsmangel leidet. Zieht man die Haut, z.B. an der Schulter leicht ab, so sollte sie bei optimaler Flüssigkeitsversorgung schnell wieder zurück auf die Muskulatur flutschen.

Der Urin sollte hellgelb sein aber nicht dunkelgelb bis bräunlich gefärbt. Ein starker Amoniakgeruch kann ein Zeichen für einen Flüssigkeitsmangel sein. Das Maul sollte feucht und rosig sein. Test der kapillären Rückfüllzeit, eine Anleitung findest Du am Ende dieses Kapitels.

Ein Flüssigkeitsmangel wirkt sich auf die Leistung aus und ist mitunter einer der Ursachen für weitere Krankheiten.

Ihr solltet wissen, wann Euer Hund trinkt und wie viel er trinkt. Insbesondere bei sportlicher Aktivität und an heissen Tagen.

Berechnung des Wasserbedarfs

Die Wasseraufnahme in Millilitern sollte etwa das 30-fache des Körpergewichts in Kilogramm + 70 betragen.2(Dr. Carol Foil, The Dermatology Notebook Veterinary Information Network, 2002)

Formel:

30 x kg-Körpergewicht + 70 = Wassermenge

Die Menge entspricht dem Grundbedarf des Hundes an Flüssigkeit, abhängig vom Körpergewicht.

Bei unserem Sporthund müssen wir den Grundbedarf an Flüssigkeit zuzüglich zusätzlicher Mengen entsprechend seiner Fellfarbe, Felldichte, des Training, der Temperatur, in der er trainiert, und wie lange er trainiert, ermitteln.

Trinken ist für unsere Sporthunde extrem wichtig, deswegen Du Deinem Hund beibringen solltest dann zu trinken, wenn ihm Wasser angeboten wird. HINT: Kapitel 9: Ernährung und Stoffwechsel – Thema: Wässern


Hitzschlag – Hitzeschaden

Definition:

„Als Hitzeschaden wird in der Medizin jede Gesundheitsstörung bezeichnet, die durch eine für längere Zeit erhöhte Umgebungstemperatur bedingt ist. Man unterscheidet den Sonnenstich, den Hitzekrampf, den Hitzekollaps, die Hitzeerschöpfung und den Hitzschlag. Als schlimmste Folge kann der Hitzetod eintreten.“

Quelle: Wikipedia Hitzeschaden

Temperatur-Parameter:

  • Normal Temperatur, rektal gemessen 38 – 39.2° C
  • Unterkühlung = Temperatur, rektal gemessen 36.5 °C
  • Überhitzung = Temperatur, rektal gemessen 39.2 – 42.7° C
  • Hitzschlag = Temperatur, rektal gemessen höher als 41° C und begleitet von Störungen des Zentralnervensystems

Der klassische Hitzschlag wird auch als Umgebungshitzschlag bezeichnet. Ursache hierfür ist eine längerer Hitze- und Feuchtigkeitsbelastung auf den Organismus.

Ein durch Anstrengung bedingter Hitzschlag ist auf intensives Training zurückzuführen. Ein Belastungshitzschlag kann bei jeder Umgebungstemperatur auftreten. Aber auch Krampfanfälle können zu einem Hitzschlag führen.

Wie kommt es zu einem Belastungshitzschlag?

Wärme entsteht als ein Nebenprodukt der Muskelbewegung. Etwa 75-80% der beim Training verbrauchten Energie wird in Wärme umgewandelt. Bei intensivem Training entsteht dadurch überschüssige Körperwärme. Da Hunde keine Schweißdrüsen haben (außer an den Pfoten), leiten sie überschüssige Wärme durch Verdunstung über die Atemwege ab, sie hecheln und ausserdem wird die Wärme über die Körperfläche nach aussen abgeleitet.

Wenn die Wärmeproduktion größer als der Verlust ist, steigt die Körpertemperatur. Ein Hitzschlag tritt dann auf, wenn die Ausgleichsmechanismen für den Umgang mit zu hoher Körpertemperatur unzureichend sind. Dazu gehört auch der Einfluß von Umweltbedingung, wie z.B. das Wetter.

Höhere Körpertemperatur bei Sport- und Arbeitshunden

Es gibt eine Reihe von wissenschaftlichen Studien 3Greyhounds (Rose & Bloomberg, 1989) 104° – 106° F – Labradors (Matwichuk, Taylor, et al, 1999) 102° – 107° F – Pointers (Gillette, clinical field work, 1999) 103° – 106° F – Foxhounds (Gillette, clinical field work, 2001) 100° – 103° F) , in denen Körpertemperatur, Herz- und Atemfrequenz von Sport- und Arbeitshunden mit Haustieren verglichen wurden. Die interessante Erkenntnis daraus ist, dass die meisten Hunde-Athleten ihre Aktivität bei erhöhter Körpertemperatur ausführen können und dabei keine Anzeichen von Hitzschlag oder Hitzeerschöpfung aufweisen.

Eine Körpertemperatur, die bei dem einem Hund zu einem Hitzschlag führt, kann bei einem anderen Hund keine Probleme verursachen.

Gleichzeitig wurde bei Sporthunden grundsätzlich auch eine niedrigere Körpertemperatur im Ruhezustand fest gestellt.

Mehrere der nachfolgenden Faktoren, einzeln oder auch in Kombination, wurden mit einem erhöhten Risiko für einen Hitzschlag in Verbindung gebracht:

  • Fettleibigkeit
  • Brachyzephale Rassen – zum Beispiel Möpse, Boston Terrier, englische Bulldoggen und andere Kurznasenhunde
  • Umgebungsbedingungen – Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
  • Dunkle Fellfarbe – Sonnenlicht wird eher absorbiert als reflektiert, als zum Beispiel bei helleren Haaren
  • Gewicht – über 30 kg, ohne übergewichtig zu sein, z.B. Hunde mit großer Muskelmasse
  • Maulkorb – Einschränkung zu hecheln

Klinische Anzeichen

  • Rektaltemperatur > 41 Grad Celsius (kann durch laufende Behandlungsmaßnahmen auch niedriger sein)
  • Schnelle Herzfrequenz > 120 Schläge pro Minute, ggf. begleitet durch unregelmäßige Herzschläge
  • Übermäßiges Hecheln
  • Schleimhäute – dunkelrot, Nachfüllzeit der Kapillaren oft < 1 Sek
  • Puls – schwach
  • Zusammenbruch
  • Anomalien des Zentralnervensystems wie Orientierungslosigkeit, Koma oder Krampfanfälle
  • Blutergüsse – Überprüfung über die nicht oder wenig behaarten Hautpartien wie Bauch, Ohrenklappen oder Schleimhäute der Mundhöhle
  • Blutiger Durchfall oder Erbrechen
  • Sabbern
  • Laboranomalien einschließlich niedriger Blutzuckerwerte, Anomalien im gesamten Blutbild, Leberenzyme, Nierenfunktionstests und Gerinnungstests

Notfallversorgung bei Verdacht auf Hitzschlag

Beim geringsten Verdacht auf Hitzschlags gilt:

  • je länger der Patient hohen Temperaturen ausgesetzt ist und je höher die Körpertemperatur steigt, desto schlechter sind die Heilungschancen. Den Hund in den Schatten bringen
  • sofort Körpertemperatur und Herzfrequenz überprüfen
  • kühlen mit kaltem oder lauwarmem Wasser, nicht mit eiskaltem Wasser
  • die Wärmeabgabe vom Körperkern an die Umwelt erfolgt über die Durchblutung von Haut und Extremitäten. Eiskaltes Wasser führt zur Verengung der peripheren Blutgefäße, wodurch die Wärmeübertragung aus dem Körper heraus verringert wird
  • eiskaltes Wasser kann den Hund auch zum Frieren / Zittern bringen. Zittern erzeugt wieder Wärme, was den Kühlungsbemühungen entgegenwirkt
  • Abduschen oder Einsprühen mit kaltem oder lauwarmem Wasser und mittels Luft (Ventilator, Wind, Klimaanlage) für Verdunstungskühlung sorgen. Durch die Verdunstung von kaltem / lauwarmem Wasser und die Wärmeleitung vom Körper entsteht ein Kühlung.
  • Körpertemperatur überwachen. Die Körpertemperatur sinkt noch einige Zeit nach der Kühlbehandlung weiter. Deswegen ist darauf zu achten, dass es zu keiner Unterkühlung kommt.

Der Transport zum Tierarzt oder der Klinik zur weiteren Untersuchung und Behandlung sollte schnell, jedoch spätestens nachdem die erste Notfallversorgung wie oben beschrieben eingeleitet wurde, erfolgen.

Bei einem Training in einer warmen und feuchten Umgebung führt die Wärmeabgabe zu einer Verringerung der gesamten Körperflüssigkeit. Dabei gehen ungefähr 60% durch die Verdunstung von Flüssigkeit aus den oberen Atemwegen verloren. Sport in einer kalten, trockenen Umgebungen erhöht ebenfalls die Verluste durch Verdunstung.4The Canine Athlete” in Small Animal Clinical Nutrition by Philip W. Toll and Arleigh J. Reynolds


Rhabdomyolyse – Greyhoundsperre

Die Krankheit hat viele Namen, dazu gehört unter anderem Kreuzverschlag, paralytische Myoglobinurie, belastungsbedingte Rhabdomyolyse, sporadic exertional rhabdomyolysis, Laktatazidose oder recurrent exertional rhabdomyolysis.

So wie bei den Pferden, zeigt sich das Krankheitsbild auch bei den Windhunden in unterschiedlichen Versionen und Stärken. Bekannt ist die Rhabdomyolyse bei den Windhundhaltern unter der Bezeichnung Greyhoundsperre (Azidose).

Wer bisher dachte, dass die Greyhoundsperre nur Greyhounds treffen kann, der irrt sich ganz gewaltig. Von der Greyhoundsperre kann jeder Hund betroffen sein, unabhängig von seiner Rasse. Sie kommt nicht nur bei Rennhunden vor, sondern auch bei Schlittenhunden. Sie ist nicht ausschließlich nur eine Problematik der anaeroben Energiegewinnung.

Laktat

Zusammen mit Greyhoundsperre fällt oftmals der Begriff Milchsäure und deren Schuld als Ursache der Krankheit. Darum im nachfolgenden kurz eine Erklärung zur Entstehung von Laktat.

Im Gegensatz zum englischen Sprachraum, wo zwischen „lactic acid“ und „lactate“ unterschieden wird, werden im deutschen Sprachgebrauch Milchsäure und Laktat meist in einen Topf geworfen und synonym verwendet. Unter physiologischen Bedingungen wird „Milchsäure“ zu 99% zu Laktat und Protonen (Wasserstoffteilchen). Laktat ist basisch und nicht sauer! Die Übersäuerung im Blut entsteht nicht durch das Laktat sondern durch die Protonen.

Siehe auch Kapitel 9: Stoffwechsel & Ernährung. Laktatkonsumierende Gewebe.

Blut-PH-Wert

Um die metabolische Azidose besser zu verstehen, nachfolgend ein paar wichtige Parameter zum PH-Wert im Blut:

Der PH-Wert im Blut ist leicht basisch und liegt bei 7.4.

Der Bereich zwischen PH 1 und PH 6.9 wird als sauer bezeichnet und der Bereich zwischen PH 7.1 und PH 14 als basisch.

Die verschiedenen Typen der Azidose

Es gibt unterschiedliche Typen, Formen und Bezeichnungen der Azidose, die sich zwar in den Krankheitssymptomen alle ähneln, aber unterschiedliche Ursachen haben, dazu gehören Belastung, Fütterung, Genetik und Krankheit.

Die belastungsbedingte Rhabdomyolyse

Die belastungsbedingte Rhabdomyolyse ist wohl die bekannteste Form, da sie

  • oft bei Sport- und Arbeitshunden vorkommt
  • ihre Ursache in intensiver Muskelarbeit mit Schädigungen von Gewebe und Muskelzellen hat. Es kommt zur Freisetzung von Muskelzellbestandteilen in den Blutkreislauf
  • führt zu weiteren Komplikationen unterschiedlicher Stärke, diese reichen von Muskelschmerzen und Krämpfen bis hin zum Tod.
Wie kommt es zu einer belastungsbedingten Rhabdomyolyse?

Leider liest man oft, dass von einer belastungsbedingten Greyhoundsperre nur nicht trainierte Windhunde betroffen sein können. Dies ist auf keinen Fall richtig, sondern einer von vielen Faktoren, der die Krankheit begünstigen oder auslösen kann, deswegen ist für Dich wichtig zu wissen,

dass jede Belastung für die Dein Hund nicht vorbereitet und trainiert ist und die seine individuelle Leistungsmöglichkeit übersteigt dazu führen kann, dass es auch bei einem gut trainierten Windhund zu einer belastungsbedingten Rhabdomyolyse kommen kann.

Darum ist es wichtig, dass Du den Trainings- oder Fitnesszustand Deines Windhundes gut einschätzen kannst und objektiv beurteilst, damit Du im Fall einer belastungsbedingten Greyhoundsperre entsprechend und schnell reagierst.

Weitere Situationen, bei der die individuelle Leistungsmöglichkeit überschritten werden kann:

  • der Windhund hetzt Wild hinterher
  • ein Rennen wird durch technische Probleme oder andere Ursachen zu mehreren Runden auf der Rennbahn
  • auf dem Auslauf kommt es zu Rivalitäts- oder Konkurrenz-Rennspielen innerhalb eines kurzen Zeitfensters
  • zu langes Spielen / Hetzen / Toben, z.B. im Freilaufgelände auch alleine
  • nicht trainierte oder Windhunde mit mangelnder Fitness laufen zusammen mit gut trainierten im Freilauf oder auf der Rennbahn
  • Greyhounds sind besonders anfällig wenn sie:
    • angespannt und nervös sind und mit zusätzlichem Stress nicht gut umgehen können (Rennplatz, Training)
    • Stress, hohe Erregung und Aufregung auch kurz vor dem Lauf (hecheln, bellen, Umweltreize)
  • Warmes Wetter mit einer hohen Luftfeuchtigkeit, dies betrifft auch die Reise (Autofahrt), zuhause sein bei ungünstigen Temperaturen oder z.B. die Wartezeit auf den Start. Meist unabhängig vom Fitnesszustand und der Aktivität

Die metabolische Azidose

Respiratorische Alkalose

Aufgeregte und nervöse Windhunde die bellen oder extrem hecheln werden eher eine respiratorische Alkalose bedingt durch eine verminderte Sauerstoffabgabe an den Organismus erleiden. Bei der Alkalose steigt der PH-Wert im Blut an, was die Nieren dazu veranlasst Bicarbonate aus dem Blut zu filtern und über den Urin abzugeben, um den PH-Wert im Blut zu senken. Der Stoffwechsel gerät so in einen Teufelskreis, da die Bicarbonate für die weitere Verarbeitung der Lakate benötigt werden, die beim Rennen durch die intensive Belastung ausgeschüttet werden.

Ist das Blut Deines Windhund schon vor dem Rennen, durch bellen und hecheln im sauren Milieu (hierfür sind die Protonen verantwortlich), dann wird es sich durch die bevorstehende Belastung im Rennen weiter verschlechtern. Es kommt zur metabolischen Azidose.

Die Laktatazidose ist eine Sonderform der metabolischen Azidose

Die Laktatazidose tritt dann auf, wenn die Produktion von Laktat größer ist als der Abtransport von Laktat. Dies ist nicht ausschließlich unter anaeroben Bedingungen der Fall.

Genetisch bedingte und belastungsabhängige Laktatazidose

Aufgrund von genetischen Bedingungen wird die Laktatazidose zu einer immer wiederkehrenden belastungsbedingten Azidose. Ursache ist hierbei eine Stoffwechselstörung im Organismus und/oder der Muskelzelle die in zwei Typen unterschieden wird:

Typ A entsteht durch unzureichende Sauerstoffabgabe oder bei erhöhtem Sauerstoffbedarf des Organismus – in beiden Fällen kann es zu einer verminderten Durchblutung des Gewebes kommen. Schock ist ein klassisches Beispiel für eine unzureichende Sauerstoffabgabe, wobei Krämpfe durch einen erhöhten Sauerstoffbedarf entstehen. Durch den Anstieg der Stoffwechselgeschwindigkeit übersteigen Laktatverbrauch und der Glukosestoffwechsel die Oxidationsfähigkeit der Mitochondrien.5  Levy B, Bollaert BE, Charpentier C, et al. Comparison of norepinephrine and dobutamine to epinephrine for hemodynamics, lactate metabolism, and gastric tonometric variables in septic shock: a prospective, randomized study. Intensive Care Med 1997;23: 282-287 und Orringer CE, Eustace JC, Wunsch WD, et al. Natural history of lactic acidosis after grand-mal seizures. N Engl J Med 1977;297: 796-799

Typ B tritt trotz eines normalen Blutsauerstoffgehaltes bei stabilem arteriellem Blutdruck auf. Daher hat die Typ B-Laktatazidose andere Auslöser, zum Beispiel eine unzureichenden Sauerstoffausnutzung, eine genetisch bedingten Stoffwechselstörung, Medikamente, Gifte etc. 

Die Laktatazidose Typ-A kommt am häufigsten vor. Wobei bei der Typ-B-Laktatazidose die Merkmale beider Typen A und B auftreten können.

Die unterschiedlichen Gesichter der Azidose

Durch Überlastung der Muskulatur kann es zu Elektrolytimbalancen 6Bei einer Elektrolytstörung liegt in einer oder mehreren Körperflüssigkeiten eine Abweichung von der normalen Elektrolytkonzentration vor, die zu einer Beeinträchtigung der biochemischen und/oder biophysikalischen Abläufe führt. in der Muskelzelle und dadurch letztendlich zum Untergang der Zelle führen. Die Muskelschädigung ist somit belastungsindiziert. Eine Elektrolytimbalance ist kein Elektrolyt-Mangel, sondern eine Störung, die auf Unregelmässigkeiten der Elektrolytkonzentration hinweist.

Es gibt 3 unterschiedliche Stärken oder Formen der Azidose, die es zu unterscheiden gibt:
  • 1. die milde Form
  • 2. die moderate Form
  • 3. die schwere Form

Bei der milden Form treten die ersten Symptome ca. nach 5-10 Minuten der Belastung auf. Dies sind zum Beispiel: steifer Gang, Rückenschmerzen, Berührungsempfindlichkeit. Urin ist nicht verfärbt. Diese Form findet man oft bei Hunden, die nicht optimal vorbereitet in den Wettkampf gehen, die nur unregelmässig trainiert werden und denen plötzlich eine starke Belastung abverlangt wird.

Bei der moderaten Form treten die Symptome während oder direkt nach der Belastung auf. Zeitverzögerungen bis zum Auftreten der Symptome von bis zu 72 Stunden sind möglich. Der Hund hat Muskelschmerzen im Rücken und der Hinterhand, steifer Gang und Erschöpfung. Die Leistungsbereitschaft ist verändert, was oftmals auch mit „Unlust“ verwechselt wird. Der Urin ist nicht unbedingt dunkler verfärbt. Der Hund hechelt stark und regeneriert nicht.

Bei der schweren Form treten die Symptome während oder direkt nach der Belastung auf. Die Symptome können auch verzögert eintreten und erst in einer Zeitspanne zwischen 24-72 Stunden, nach der Belastung sich als schwere Form der Azidose bemerkbar machen. Die Muskulatur im Rücken und der Hinterhand ist hochgradig schmerzhaft. Der Hund ist unruhig schmerzgeplagt kann sich nur schwer hinlegen oder auch aufstehen. Er hechelt stark und die Körpertemperatur ist deutlich erhöht. Es kann sein, dass der Hund sich hinlegt und nicht mehr aufsteht, nicht mehr laufen kann. Dehydration kann auftreten oder ist Begleiterscheinung. Der Urin ist dunkel gefärbt. Es besteht Lebensgefahr durch Nierenversagen oder Schock mit Herzstillstand.

Ihr solltet Euren Hund bei dem kleinsten Verdacht auf Azidose egal in welcher Form unverzüglich einem Tierarzt vorstellen.

Eine Azidose stellt immer einen Notfall dar, da die Sterblichkeitsrate ohne Behandlung sehr hoch ist.

Erste Notfallmaßnahme ist die Zufuhr von Flüssigkeit und die weitere, sofortige und zeitnahe Versorgung durch einen Tierarzt oder Tierklinik.

Die Flüssigkeitszufuhr ist mittels Infusion sicher zustellen und sollte in der Tierklinik, beim Tierarzt die erste Maßnahme sein.

Die Bestimmung der Blutgasparameter und ein Blutbild können dann gemacht werden, während der Hund eine Infusion bekommt. Je nach schwere der Azidose kann es notwendig sein, dass Euer Hund in der Klinik bleiben muss.

Komplikationen einer Rhabdomyolyse sind Elektrolytstörung, akutes Nierenversagen, Schock mit Herzstillstand.

Azidose die Medusa unter den Stoffwechselerkrankungen

In der aktuellen Literatur wird die Bedeutung der Azidose für die
muskuläre Ermüdung generell überdacht.
Die negativen Effekte sind nicht mehr nachzuweisen, wenn die Experimente bei physiologischen Temperaturen durchgeführt werden
7Cairns S.P. (2006): Lactic acid and exercise performance: culprit or friend? Sports Med. 36: 279–291 & Gladden L.B. (2004): Lactate metabolism: a new paradigm for the third millennium. J. Physiol. 558: 5–30. Ebenso wurde berichtet, dass die metabolische Azidose nicht die Glykolyserate hemmt 8Bangsbo J., Madsen K., Kiens B., Richter E.A. (1996): Effect of muscle acidity on muscle metabolism and fatigue during intense exercise in man. J. Physiol. 495: 587–596. Die Muskuläre Ermüdung ist somit ein multifaktorielles Phänomen, dass sich nicht ausschließlich einer einzigen Ursache zuschreiben lässt.

Die Veränderungen in der Muskelzelle scheinen hierbei die größte Rolle zu spielen. Dazu zählen u.a. Störungen der Calcium-Kanäle, Limitierung der Transportleistung für Natrium und Kalium und die Anhäufung von freiem Phosphat.

Verbesserte Untersuchungsmethoden und auch weitere Studien sind sicher notwendig, um die genauen Mechanismen und die einzelnen Faktoren der Muskelermüdung aufzuklären.

Bisher konnte keine Ursache als allein verantwortlich für das Entstehen einer Rhabdomyolyse bewiesen werden. Es handelt sich um verschiedene Muskelerkrankungen, die zu derselben klinischen Symptomatik führen.

Beim Menschen sind mehr als 50% der Fälle von belastungsbedingter Myopathie durch Störungen im Energiemetabolismus bestimmt. Beim Pferd sehen einige Wissenschaftler die Polysaccharid-Speicher-Myopathie als eine Ursache für Rhabdomyolyse.9VALBERG et al. (1997), BEECH (1997) und GLITZ u. LOPEZ- RIVERO (2000) Die Erblichkeit wurde bei Quarter Horses, Paint Horses, Appaloosas und auch in Kaltblütern, Warmblütern und deren Kreuzungen gefunden und bestätigt.

Was kannst Du vorbeugend tun?

Eine gute Versorgung des Organismus mit Flüssigkeit durch Wässern (Hint: Kapitel 9 Stoffwechsel – Wässern)

Eine Überprüfung des Futters in Bezug auf Calcium, Kalium, Vitamin E, Selen und Magnesium ist zu empfehlen. (Siehe Kapitel 9: Mineralstoffe und Vitamine)

Das Training so gestalten, dass es aufbauend auf die geplante Leistung im Wettkampf ist. Trainingsplan erstellen.

Mangelndes Training, falsche Fütterung, Fütterungsfehler oder zu unregelmäßige Trainingsanforderungen können einer der Hauptgründe für Muskelschäden sein, da es bei erhöhten Anforderungen zu einer Muskelermüdung kommt und dadurch zu einer belastungsbedingten Rhabdomyolyse kommen kann.

Gegen eine Erhöhung des Laktats und der Protonen im Blut unserer Windhunde während der körperlichen Aktivität im anaeroben Bereich können wir erstmal nichts unternehmen. Dies bringt die Belastung durch Sprints und Rennen einfach mit sich. Dabei ist es egal ob unser Windhund auf der Rennbahn oder im Coursing läuft oder ob er sich durch Rennen in der Freizeit, sei es allein oder mit anderen Windhunden, im anaeroben oder auch aeroben Bereich der Energiebereitstellung bewegt.

Allerdings können wir durch Training nicht nur die Ausdauer erhöhen, sondern auch die Kapazität in den Mitochondrien. Was Mitochondrien sind und welche Aufgabe diese haben, erfahrt Ihr im Kapitel 09: Stoffwechsel & Ernährung.

Laktatmessungen im Blut nach Sprintbelastung

Eine Studie von 2018 mit 9 Greyhounds, die sich mit der Bildung von Laktat im Blut nach einer Renndistanz von 100 m befasste, liefert hier Einblicke was im Blut unserer Windhunde geschieht. Die Werte der 9 Greyhounds wurden zusammengefasst und ein Mittelwert errechnet. Die Erholungszeit war ausschließlich passiv.

ParameterVorNach5-Minuten10-Minuten
Laktat Blut (mmol/L1.78.589.086.54

Um das Laktat komplett abzubauen, ist eine längere Erholungszeit von mindestens 30 Minuten nötig. Schwankungen durch individuelle Werte sind natürlich möglich.

Merke: Laktat wird nur so lange intensiv produziert, so lange sich der Organismus im anaeroben Bereich befindet. (HINT: Kapitel 9: Ernährung und Stoffwechsel – aus Laktat wird wieder ATP)

Erklärung zur Azidose in englischer Sprache

Bald Thigh Syndrome und Alopezie

Das Bald Thigh Syndrome ist eine Haarausfallstörung bei Windhunden. Dafür gibt es zahlreiche mögliche Ursachen, dazu gehören unter anderem Umweltbedingungen, Trauma, Stress, Endokrinopathien und genetische Komponenten, lediglich wurden Endokrinopathien bisher wissenschaftlich ausgeschlossen.

Das Bald Thigh Syndrome tritt hauptsächlich bei Greyhounds und den Windhundrassen auf, bei denen der Greyhound eingezüchtet wurde. Dazu zählen z.B. Whippets, Galgo Español und Magyar Agár. Das Bald Thigh Syndrome ist durch einen beidseitigen Haarausfall an den hinteren Oberschenkeln gekennzeichnet.

Die Alopezie kann sich jedoch zusätzlich auch auf den Bauch und die Brust erstrecken. In einigen Fällen ist sogar der Hals betroffen. Hunde jeden Alters und Geschlechts können davon betroffen sein. Es liegen keine wissenschaftlichen Informationen darüber vor, unter welchen Umständen der Haarausfall auftritt, aber vereinzelte Informationen von Besitzern, Züchtern und Internetforen weisen darauf hin, dass der Haarausfall hauptsächlich bei erwachsenen Hunden auftritt.

Es wird häufig berichtet, dass der Haarausfall beginnt, wenn Hunde das Training auf der Rennstrecke beginnen, aber er tritt auch bei Hunden auf, die ausschließlich als Begleithunde gehalten werden.

Alopezie kann zu- und abnehmen und es konnte kein Zusammenhang mit Stress oder Nahrungsmitteln festgestellt werden.

Es wurde berichtet, dass bis zu 16% der Greyhounds im Langzeittraining von einem Haarausfall betroffen sind 10 Lord LK, Yaissle JE, Marin L, Couto CG. Results of a web-based health survey of retired racing Greyhounds. J Vet Intern Med. 2007;21(6):1243–50. Epub 2008/01/17. Die Ursache dafür bleibt jedoch unklar.

Die Alopezie wurde allerdings nur bei den Hunden fest gestellt, die sich an den Seiten ihrer Box rieben, mit harten Trainingsmethoden konfrontiert wurden, eine zu hohe körperliche Belastung aushalten mussten, falsch ernährt wurden und stressigen Umweltbedingungen ausgesetzt waren. Aber auch der Östruszyklus und ein strenges Trainingsprogramm verursachen eine Überproduktion von Cortisol.

Darüber hinaus wurde eine genetische Komponente vermutet, da das Bald Thigh Syndrom nur Greyhounds und deren verwandte Rassen betrifft. Somit verschwimmen oftmals die Grenzen zwischen einer Alopezie und dem Bald Thigh Syndrome.

In der einzigen wissenschaftlichen Veröffentlichung wurde die Hypothese aufgestellt, dass das Bald Thigh Syndrome mit einer Schilddrüsen-Unterfunktion oder Hyperadrenokortizismus zusammenhängt. Weder morphologische Veränderungen der Nebennieren, der Schilddrüsen noch der Haut bestätigten diese Hypothese. Von daher keine Schilddrüsen-Hormone bei Haarausfall – auch wenn davon die Haare wachsen. Eine Schilddrüsen-Unterfunktion hat viele weitere signifikante Symptome, als nur Haarverlust.

Ein charakteristisches Merkmale von Haarfollikeln ist die Selbsterneuerung während des gesamten Lebens eines Organismus. Es werden kontinuierlich neue Haarschäfte produziert. Dieser Selbsterneuerungsprozess ist im Haarzyklus organisiert. Somit könnte man logisch folgern, dass sich die kahlen Stellen durch diesen Selbsterneuerungsprozess im wahrsten Sinne des Wortes erneuern, tun sie aber nicht immer.

Aktuelle Forschungsergebnisse zum Bald Thigh Syndrome

Eine aktuelle Studie unter Beteiligung/Zusammenarbeit von: Vetsuisse Faculty, University of Bern, Tierklinik Aarau West, University of Basel und Veterinary Pathobiology, Texas A&M University 11Magdalena A. T. Brunner, Silvia Rüfenacht, Anina Bauer, Susanne Erpel, Natasha Buchs, Sophie Braga-Lagache, Manfred Heller, Tosso Leeb, Vidhya Jagannathan, Dominique J. Wiener, Monika M. Welle, zum Thema: „Bald thigh syndrome in sighthounds“ wurde im Februar 2019 veröffentlicht. Die Studie verfolgte das Ziel, die Ursache zu identifizieren.

Es wurden Hautbiopsien und Haarschäfte von betroffenen Hunden und Kontrollhunden unter dem Mikroskop verglichen. Dabei konnten durch den Einsatz spezieller Technologien strukturelle Abnormalitäten in den Haarschäften gefunden werden.

Die genetische Analyse brachte allerdings eine Variante des IGFBP5-Gen ans Tageslicht, 12Aus dem Englischen übersetzt: Das insulinähnliche Wachstumsfaktor-bindende Protein 5 ist ein Protein, das beim Menschen vom IGFBP5-Gen kodiert wird. Ein IGFBP5-Gen wurde kürzlich als wichtig für die Anpassung an unterschiedliche Salzgehalte in Fischen identifiziert, die bei allen teilnehmenden Windhunden und den anderen Kontroll-Windhunden der Studie homozygot war.

Die Studiendaten lieferten auch wichtige Erkenntnisse die zum besseren Verständnis der molekularen Mechanismen der Haarfollikel-Morphogenese und der Alopezie bei Hunden beiträgt. Eine Studie, die 2019 an Mäusen durchgeführt wurde beschäftigte sich ebenfalls mit der Haarfollikel-Morphogenese und beschreibt ihre neuesten Erkenntnisse in einem ganzheitlichen Verhältnis zueinander.

Weitere Untersuchungen sind allerdings erforderlich, um abschließend zu klären, ob die Variante des IGFBP5-Gen einen genetischen Risikofaktor darstellt.

In der Studie wurden strukturelle Defekte in den Haarschäften identifizierten und als die mögliche Ursache für das Bald Thigh Syndrome bei Greyhounds und den verwandten Rassen festgestellt. Es wurden Querfrakturen und andere strukturelle Defekte in den Haarschäften gefunden.

In der Untersuchung wurde ein viel höherer Prozentsatz an Haarschaft-Defekten an den Oberschenkeln der betroffenen Greyhounds und Whippets gefunden als vergleichsweise auf dem Rücken der betroffenen Hunde und im auch im Vergleich mit den Kontrollhunden. Haarschaft-Defekte können auf mechanische, physikalische und chemische Verletzungen zurückzuführen sein oder eine erbliche Ursache haben 13Marsh J, Gray J, Tosti A. Healthy Hair: Springer International Publishing; 2015.

Schäden, die durch äussere Einflüsse verursacht werden, treten meist in anderen Teilen des Haarschaftes auf, als die Defekte des Haarschaftes die erblich bedingt sind. Bei den Hunden der Studiengruppe wurden die Defekte nahe dem Teil der Haarwurzel gesehen, der auf einen vererbten Defekt hindeutet.

Die Tatsache, dass der Prozentsatz an gebrochenen Haarschäften an den Oberschenkeln der betroffenen Hunde im Vergleich zum Rücken derselben Hunde signifikant höher war, könnte durch unterschiedliche Haartypen an verschiedenen Körperstellen erklärt werden. Darüber hinaus kann sich die Schwere von Strukturfehlern aufgrund bisher unbekannter Umstände ändern, was möglicherweise erklärt, dass das Bald Thigh Syndrome bei einigen Hunden zu- und abnimmt und dass sich einige Hunde davon sogar vollständig erholen.

Mikroskop-Aufnahmen Haarfasern (2019 Brunner et al)
Haarwurzel - Bald Thigh Syndrome bei Windhunden / Greyhounds
  • (a) intakte telogene Haarwurzel eines Kontroll-Windhunds

  • (b-d) abnormer Haarschaft von Windhunden mit Bald Thigh Syndrome

  • (b) saubere Querfraktur (Trichoschisis)

  • (c) Zentrale Längsspaltung (zentrale Trichoptilose)

  • (d) unregelmäßige Oberfläche

  • (e) Längsnuten

Klinischer und histologischer Phänotyp von Windhunden mit Bald Thigh Syndrome (2019 Brunner et al)
Bald Thigh Syndrome bei Windhunden / Greyhounds - Haarfolikel Abweichungen
  • (a) Betroffener Hund mit Alopezie an den kaudalen und lateralen Oberschenkeln, die sich unterhalb des lateralen Sprunggelenkbereichs erstrecken

  • b) Betroffener Hund mit Alopezie an den kaudalen und lateralen Oberschenkeln, dem lateralen Hinterbein bis zum Sprunggelenk, dem Bauch und der Brust

  • (c) normales Telogen Haarfolikel
  • (d) Telogen Haarfolikel mit einer erhöhten Menge an trichilemmalem Keratin am proximalen Ende des Follikels. Der distalere Teil des Haarschafts ist nicht durch trichilemmales Keratin verankert.
  • (e) Horizontal gebrochenes Telogen Haarfolikel, das nicht durch trichilemmales Keratin und reichlich vorhandenes Keratin an der Follikelbasis verankert ist.

Es bleibt spannend und weitere Studien werden sicherlich notwendig werden, um die Ursache des Bald Thigh Syndrome zu erforschen.


Die physiologischen Standardwerte des Hundes

Auch für Hunde gibt es Normwerte, die uns Auskunft über den Zustand unseres Hundes geben. Ab wieviel Grad Celsius hat der Hund Fieber? Wie hoch sind Puls und Atemfrequenz? Wichtig für uns im Training sind Ruhepuls, Temperatur, Atmung und die Schleimhäute.


Ruhepuls:

Der Ruhepuls ist wichtig, um im späteren Trainingsverlauf die Regeneration zu beurteilen. Er wird an der Innenseite der Hintergliedmaße gemessen. Dort ertastet man auf der inneren Oberschenkelseite die Arteria femoralis, dort wo sie auf dem Knochen aufliegt und fühlt den Puls. 

Das gut fühlbare Gefäß wird mit Zeige- und Mittelfinger ertastet und die Anzahl der Pulswellen in einer Minute gezählt. Bei der Einatmung erhöht sich die Pulsfrequenz regelmässig und wird beim Ausatmen weniger. Aufregung und Bewegung führt ebenfalls zu einer Erhöhung.

Es empfiehlt sich dort 15 Sekunden lang zu zählen und das Ergebnis mit 4 zu multiplizieren (Pulsfrequenz= Pulsschläge pro Minute). Ausserdem ist es wichtig auf die Stärke (Intensität) und den Rhythmus des Pulses zu achten. Macht Euch mit dem „Beat“ Eures Hundes vertraut und zwar dann, wenn es dem Hund gut geht, er ruht, ausgeruht ist und nicht unter Stress steht.

Windhunde haben in der Regel in der Ruhe einen niedrigeren Puls als in die nachfolgenden Richtwerten vorgeben.

  • Der Puls von Windhunden liegt in der Ruhe zwischen 40 und 80 Schläge/min und variiert natürlich individuell und ist abhängig von der Körpergröße des Windhundes und der Rasse.
  • Normalwert: 80 – 120 Schläge/min
  • Großer Hund: 80-100 Schläge/min
  • Kleiner Hund: 100-120 Schläge/min

Gut ist also, wenn Ihr in Euer Trainingsbuch oder den Trainingsplan den Ruhepuls eures Hundes eintragt. Hier könnt Ihr über mehrere Tage einfach ein kleines Protokoll führen, um zu sehen, wie fit Euer Hund ist. Vergesst die Notiz hinsichtlich des „Beats“ nicht.

Sobald Du mit Deinem Hund zur Rennbahn kommst, wird sich der Herzschlag erhöhen. Sofern Dein Hund keinen sonstigen Stress auf der Rennbahn hat, z.B. durch Umweltreize (andere Hunde bellen und jaulen, viele Menschen etc.) kannst Du über das Pulsmessen, die Herzschlagrate VOR der körperlichen Betätigung erfahren. Diese ist natürlich höher als der Ruhepuls.

Auch hier empfehle ich die Messung an mehreren Trainingstagen vorzunehmen. Denn hat sich die erste Aufregung erstmal gelegt, dann dient Dir dieser Wert zur Festlegung und Optimierung der Regenerationszeit. (HINT: Kapitel 7 Regenerationsverhalten)

In einer Studie, die mit Greyhounds gemacht wurde, kannst Du interessante Parameter entnehmen. Nachfolgend der Herzschlag nach einem 100 m Sprint gemessen, und zwar direkt vor dem Rennen, direkt danach, gefolgt von einer passiven Erholungsphase, in der dann im Abstand von 5 und 10 Minuten wieder die Parameter genommen wurden. Der Wert ist der Durchschnittswert von insgesamt 9 Greyhounds.

ParameterVorNach5-Minuten10-Minuten
Herzschlag139169154144

Nach 10 Minuten waren die Hunde annähernd wieder beim Ausgangswert, also vor der Belastung. Dies lässt Rückschlüsse auf die physische Fitness der Hunde zu. Um den Ausgangswert des Herzschlags wieder zu erreichen muss die Erholungszeit (Cool Down) angepasst werden.

Die Studie kam zu der Erkenntnis, dass ein Training von Sprints über kurze Strecken (100m) nützlich ist, um die Fitness von Sporthunden vor allem in der Phase vor dem Wettbewerb angemessen zu überwachen.

Merke: Nach einer Belastung sollte der Hund aktiv in Bewegung bleiben, also in der aktiven Erholungsphase.

In der zitierten Studie wurde die Parameter aller Hunde ausschließlich in der passiven Erholungsphase gemessen, dies liegt an den limitierten Möglichkeiten bei der Durchführung von Studien mit mehreren Tieren möglichst zeitgleich zu gleichen Bedingungen.

In der Studie wurden neben dem Herzschlag auch der Laktatgehalt im Blut, sowie die Körpertemperatur gemessen. Dazu aber später mehr.


Atmung:

  • Atmung – ruhend: 15-30 Atemzüge/min
  • Kleiner Hund: 18-30 Atemzüge/min
  • Großer Hund: 14-22 Atemzüge/min

In der Ruhe atmet der Hund durch die Nase und hat den Fang geschlossen. Der Hund hat eine sogenannte kostoabdominale Atmung (Bauch-Zwerchfell-Flankenatmung). Sowohl Brustkorb als auch Bauch spielen bei dieser Form der Atmung eine Rolle. Die Atmung ist an der Bewegung der Rippen erkennbar, die Atemzüge können hinter der letzten Rippe gezählt werden. 

Beachte: Bei hechelnden Hunden kann die Atemfrequenz nicht bestimmt werden.

Auch bei der Atmung gibt rassebedingte und individuelle Unterschiede. Die Atemfrequenz (Atemzüge/min) kann erhöht sein durch Aufregung, Stress, körperliche Leistung (Anstrengung) oder das Wetter und wird daher nur im Ruhezustand gemessen. Hunde sollten im Ruhezustand nicht hecheln.

Zu unterscheiden, ob der Hund aus Anstrengung hechelt oder weil es ihm zu heiß/warm ist ist nicht ganz einfach. Deswegen ist die Atmung „nur“ ein alternativer Parameter bei der Beurteilung der Erholung des Organismus, der aber niemals ausser Acht gelassen werden darf.

Wenn Ihr Euren Hund gut kennt, dann könnt Ihr in seinem Gesicht sehen, ob er hechelt, weil er sich dadurch abkühlt oder das Hecheln ein stressbedingtes Hecheln ist, weil der Körper überhitzt ist.

Beim Cool Down, d.h. dem Ablaufen Eures Hundes nach der Belastung sollte sich auch das Hecheln „normalisieren“. Das Abkühlen des Körpers sogar vor und nach der Anstrengung hat sich bei großen und Hunden mit dunkler Fellfarbe bewährt. Da auch die Fellfarbe und die Größe des Hundes einen Einfluss auf die Körpertemperatur durch Umweltbedingungen (Sommer – Hitze – Luftfeuchtigkeit) hat. (Hint: Studie: Einfluss der Umwelt auf die Körpertemperatur bei Greyhounds)


Körpertemperatur:

  • 37,5 – 39,4 °C

Die Temperatur wird rektal gemessen. Das Thermometer sollte mit Gleitmittel benetzt werden und dann vorsichtig etwa 1,5 cm in den After des Hundes eingeführt werden. Aufregung und Bewegung führt zu kurzfristigen, aber deutlichen Temperaturerhöhungen.

Grundsätzlich solltest Du die rektale Körpertemperatur Deines Hundes kennen, die ist nämlich bei den Hunden genauso unterschiedlich wie bei uns Menschen. Sie ist für Dich ein wichtiger Parameter bei der Beurteilung von Gesundheitszustand in Ruhe und Belastung.

Bei unseren Windhunden ist zu beachten, dass durch den höheren Anteil von „Fast-Twitch“ Muskeln und durch die Art der Bewegung, nämlich schnell und intensiv, die Körpertemperatur stark ansteigen wird.

Hinzu kommt dann natürlich der Einfluß der Aussentemperatur und natürlich wieder alles, was mit Aufregung und Stress verbunden ist.

Bei der oben erwähnten Studie wurden folgende Temperaturen an 9 Greyhounds vor – nach und in der passiven Erholungsphase nach jeweils 5 und 10 Minuten gemessen.

ParameterVorNach5-Minuten10-Minuten
Temperatur39.3240.3140.4540.31

Ein Anstieg der Körpertemperatur nach der Belastung ist nicht ungewöhnlich, da Muskelarbeit natürlich Wärme erzeugt und diese auch zuerst nach der Belastung anhält. Dabei müsst Ihr beachten, dass auch die Umgebungstemperatur einen Einfluss auf die Körpertemperatur hat, und zwar nicht unwesentlich.

In einer anderen Studie wurde der Einfluss der Umwelt auf die Körpertemperatur von Rennhunden ausgewertet. Hierbei wurden auch Größe und Fellfarbe der Hunde berücksichtigt. Und zusätzlich auch der Einfluss von Kühljacken oder Eiswesten. Was dabei herausgefunden wurde erfährst Du im nächsten Abschnitt.

Der Einfluss von Kühlwesten und Kühljacken auf die Körpertemperatur.

Die Ergebnisse in der oben genannten Studie zeigten den unerwarteten Befund, dass die mittlere Rektaltemperatur von Hunden, die nach dem Wettkampf Jacken trugen, leicht höher war als bei Hunden, die dies nicht taten.

Es wurde gezeigt, dass Kühlmäntel eines anderen Typs die Dauer der Hyperthermie nach einem Training bei Militärhunden verringern 14Robertson S, Cooke K. Turning up the heat. 28th International Canine Sports Medicine Symposium Orlando, FL: (2012).. Die Verwendung von Eiswesten vor dem Wettkampf hat den Grad der Körpererwärmung bei menschlichen Athleten wirksam verringert 15Warming up with an ice vest: core body temperature before and after cross-country racing. Hunter I, Hopkins JT, Casa DJ J Athl Train. 2006 Oct-Dec; 41(4):371-4., aber die Verwendung von Eiswesten nach dem Training ist bei hyperthermischen Athleten nicht vorteilhaft 16Thermoregulatory influence of a cooling vest on hyperthermic athletes. Lopez RM, Cleary MA, Jones LC, Zuri RE J Athl Train. 2008 Jan-Mar; 43(1):55-61.. Daher sind weitere Forschungen zur Verwendung von Kühljacken oder Eiswesten bei Windhunden unter heißen Bedingungen und bei Belastung sicherlich notwendig.


Schleimhäute:

Bindehaut, Maulschleimhaut, Scheidenschleimhaut, sie sollten rosa, glatt und feucht sein. Achtung: bei pigmentierten Hunden weicht die Farbe der Schleimhäute natürlich ab. 

Abweichungen: blasse, gelbe, blaue oder stark gerötete Schleimhäute.

Die kapilläre Rückbildungszeit ist ein wichtiger Kreislaufparameter.

Test der kapillären Rückfüllungszeit: Man nimmt am besten eine wenig pigmentierte Stelle im Maul und drückt einige Sekunden auf das Zahnfleisch. Nimmt man den Finger weg, dann ist die Druckstelle weiß, nun zählt man die Sekunden, die es dauert, bis sich das Zahnfleisch wieder in der Farbe angepasst hat. Dauert dies länger als 2 Sekunden ist der Kreislauf als kritisch zu bewerten.

Puls, Körpertemperatur und Laktat sind zuverlässige Parameter um die physiologische Reaktion auf Anstrengung genau zu bewerten.


Schlaf und Ruhe

Hunde generell aber auch unsere Windhunde brauchen viel Schlaf und Ruhe. Der Bedarf ist bei Hunden viel höher als der des Menschen, wir kommen in der Regel mit 6-8 Stunden aus.

Ich sage immer, die Hunde verschlafen ihr Leben, eine gute Richtlinie sind 80-85 % des Tages, ältere oder kranke Hunde sogar noch mehr.

Training, Muskelaufbau und die damit verbundene geistige Auslastung benötigt viel Ruhe und Schlaf, dann erst sprechen wir von echten Erholungsphasen.

Der Hund verarbeitet im Schlaf alle Informationen, dazu gehören z.B. auch die aus dem Training. Die körperlichen Regenerationsprozesse die im Schlaf statt finden sind für unseren Hundesportler von lebenswichtiger Bedeutung.

Ich sage meinen Kunden immer nach einem erfolgreichen Training oder wenn der Hund etwas „Neu“ gelernt hat, dass der Hund nun mindestens 1 Stunde ruhen sollte, ohne Ablenkung, damit das Gelernte vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis „sacken“ kann.

Ein Hund der Ruhen kann und darf, weil Ihr ihm die Möglichkeit dazu bietet, wird Euch dann „auffallen“, wenn mit ihm etwas nicht stimmt. Unruhe kann auch ein Ausdruck für Unwohlsein, Schmerzen, Übelkeit oder andere gesundheitlich Probleme sein.

Für unseren Sporthund ist Schlaf wichtig. Denn nur ein erholter und ausgeruhter Körper kann Leistung erbringen.


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