Es wird Herbst. Die Temperaturen sinken, die Pullover werden dicker und die ersten Windhunde verschwinden unter ihren Mäntelchen.

So weit, so sinnvoll.

Doch inzwischen gibt es eine weitere Möglichkeit, seinen kleinen Vierbeiner warmzuhalten:
Der Mensch zieht sich einen Pullover an, steckt seinen Windhund vorne hinein und lässt nur noch dessen Kopf herausschauen.

Praktisch. Beide haben es warm, und die Hände bleiben frei.
Und niedlich sieht es auch noch aus.

Aber ist niedlich eigentlich ein ausreichendes Argument,
wenn es um das Wohlbefinden eines Windhundes geht?

Warm, weich und immer dabei

Gerade für kleine Windhunde, insbesondere Italienische Windspiele,
scheint diese Art der Unterbringung wie geschaffen.
Sie frieren leicht, suchen gerne die Nähe ihres Menschen und verschwinden
mit Begeisterung unter warmen Decken.

Warum also nicht gleich den passenden Pullover für den Menschen kaufen,
in dem der Windhund seinen eigenen Platz bekommt?
Ich verstehe den Gedanken durchaus.

Nur gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen einem Windhund, der sich selbst unter eine Decke kuschelt, und einem Windhund, der in einer eigens dafür vorgesehenen
Öffnung eines Kleidungsstücks steckt.

Auch ein Windhund in einem solchen Pullover kann möglicherweise anzeigen, dass er herausmöchte.
Entscheidend ist, ob sein Mensch diese Signale wahrnimmt und ihm ermöglicht, die Situation zu verlassen.

Und das ist der Moment, wo für mich der Kuschel-Konsum-Konflikt beginnt.

Der Windhund ist kein Bestandteil unserer Garderobe

Ein Windhund, der am Körper seines Menschen getragen wird, kann sich nicht uneingeschränkt bewegen.
Je nach Konstruktion des Kleidungsstücks kann er seine Körperhaltung nur begrenzt verändern.
Auch die Position seines Kopfes und der Druck durch die Öffnung müssen berücksichtigt werden.

Das gilt besonders dann, wenn der Mensch sich bewegt, bückt oder hinsetzt.

Was passiert dabei mit dem kleinen Windhund?
Kann er sich bequem hinlegen oder seine Position verändern?
Wird sein Körper ausreichend gestützt?
Bleibt sein Hals frei von unangenehmem Druck?

Und vor allem: Kann er seinem Menschen überhaupt verständlich machen, wenn es ihm zu viel wird?

Ein Windhund, der ruhig aus einem Pullover schaut, muss sich darin nicht zwangsläufig wohlfühlen.
Vielleicht genießt er die Wärme und die Nähe.
Vielleicht hat er aber auch schlicht keine Möglichkeit, sich anders zu verhalten.

Stillhalten ist nicht automatisch Zustimmung.

Muss mein Windhund eigentlich überall mit?

Es gibt Situationen, in denen das Tragen eines kleinen Windhundes sinnvoll sein kann.

Ein älterer Windhund, der keine längeren Strecken mehr bewältigt. Ein verletzter Windhund, der vorübergehend geschont werden muss. Oder ein kurzer Transport durch eine Situation, die sich auf eigenen Pfoten gerade nicht sicher bewältigen lässt.

Das sind nachvollziehbare Gründe.

Aber ein gesunder kleiner Windhund braucht nicht deshalb einen Platz in unserem Pullover,
weil wir ihn gerne möglichst nah bei uns haben möchten.

Er braucht Bewegung, die Möglichkeit, seine Umgebung selbstständig wahrzunehmen, und ausreichend Gelegenheit, sich mit seiner eigenen Umwelt auseinanderzusetzen.

Auch dann, wenn es draußen kalt ist.
Dafür gibt es passende Kleidung für den Windhund selbst.

Und wenn das Wetter tatsächlich keinen längeren Spaziergang zulässt, darf der Ausflug eben kürzer ausfallen.

Nicht jeder Windhund muss bei jedem Einkaufsbummel, jedem Cafébesuch
und jeder Unternehmung dabei sein.
Manchmal ist der gemütliche Platz zu Hause die angenehmere Lösung.

Ganz ohne modisches Loch im Pullover.

Ob es auch zum Bedürfnis unseres Windhundes passt, sollten wir nicht allein daran festmachen,
wie niedlich er darin aussieht. Und auch nicht daran, wie viele bewundernde Blicke wir damit auf uns ziehen.

Mein Windhund darf klein sein. Seine Bedürfnisse sind es nicht.

Ich habe nichts dagegen, einen kleinen Windhund gelegentlich auf den Arm zu nehmen
oder ihn zu tragen, wenn die Situation es erforderlich macht.

Ich habe auch nichts gegen warme Kleidung, gemütliche Decken und ausgiebige Kuschelstunden.

Aber ich möchte, dass der Windhund dabei Windhund bleiben darf.
Mit seinem eigenen Körper, seinen eigenen Bedürfnissen und der Möglichkeit, Nähe auch einmal zu beenden.

Denn ein Windhund ist kein Accessoire, das wir passend zu unserer Herbstgarderobe auswählen.
Und vielleicht sollten wir uns vor dem nächsten besonders niedlichen Kauf eine ganz einfache Frage stellen:

Braucht mein Windhund das wirklich?
Oder macht es vor allem meine Welt ein bisschen bunter?

Denn Glitzer streuen macht Spaß.
Aber bitte nicht auf Kosten derjenigen, die sich nicht selbst aus unserem Pullover befreien können.

Windhunde verstehen. Dein Windhund, Deine Verantwortung.

Der Text ist nicht kopierbar.