Die Frage kommt jedes Jahr zuverlässig mit den ersten kühlen Tagen:
„Ab wann braucht mein Windhund einen Mantel oder Pullover?„
Die kurze Antwort:
Nicht ab einer bestimmten Temperatur.
Denn 10 Grad sind nicht automatisch 10 Grad.
Es macht einen Unterschied, ob Dein Windhund trocken unterwegs ist, ob es regnet, ob Wind geht,
ob er läuft, wartet, an der Leine steht oder sich frei bewegen kann.
Und es macht einen Unterschied, welchen Windhund Du vor Dir hast.
Ein Italienisches Windspiel reagiert anders als ein Barsoi.
Ein alter Windhund anders als ein junger. Ein sehr schlanker Windhund anders als einer mit mehr Substanz und Fell.
Eine feste Gradzahl hilft deshalb nur bedingt.
Nicht ab einer bestimmten Temperatur.
Warum eine feste Gradzahl beim Frieren oft zu kurz greift,
habe ich schon hier ausführlicher beschrieben.
Nicht die Wetter-App entscheidet
Ich würde immer den Windhund anschauen.
Wie bewegt er sich?
Bleibt er locker?
Wird er steifer?
Zieht er sich körperlich zusammen?
Möchte er weiterlaufen oder wird er langsamer?
Sucht er Schutz?
Denn genau da liegt für mich der entscheidende Punkt:
Ein Mantel ist dann sinnvoll, wenn der Windhund ihn braucht.
Nicht wenn der Mensch findet, dass heute Mantelwetter ist.
Das klingt simpel.
Ist es aber offenbar nicht immer.
Denn kaum fällt morgens das Thermometer ein bisschen, laufen die ersten Windhunde
bereits herum, als müssten sie anschließend noch eine Polarexpedition bestreiten.
Bewegung macht einen Unterschied
Ein Windhund, der sich frei und zügig bewegt, produziert Wärme.
Ein Windhund, der an kurzer Leine langsam durch die Gegend läuft,
wartet oder irgendwo herumsteht, kühlt schneller aus.
Deshalb kann derselbe Hund in derselben Temperatur einmal einen Mantel brauchen und einmal nicht.
Beim Spaziergang in Bewegung vielleicht nicht.
Beim Warten sehr wohl.
Bei trockenem Wetter vielleicht nicht.
Bei Wind und Nässe möglicherweise deutlich früher.
Nässe und Wind sind oft entscheidender als die Zahl auf dem Thermometer
Gerade kurzhaarige Windhunde verlieren bei Nässe schnell Wärme.
Dazu kommt Wind.
Dann können Temperaturen, die trocken völlig unproblematisch wären, plötzlich unangenehm werden.
Deshalb schaue ich nicht nur auf die Temperatur.
Ich schaue auf das Gesamtpaket:
Temperatur, Wind, Nässe, Bewegung und Windhund.
Mehr braucht es eigentlich nicht.
Pullover oder Mantel?
Ein Pullover kann bei trockener Kälte angenehm sein.
Ein Mantel ist sinnvoller, wenn Wind und Nässe dazukommen.
Wichtig ist für mich vor allem, dass Kleidung den Windhund nicht in seiner Bewegung einschränkt.
Der Windhund soll sich weiterhin normal bewegen können.
Nicht dekorativ verpackt aussehen.
Er soll laufen können.
Und was ist mit Zittern?
Auch hier gilt:
Zittern bedeutet nicht automatisch, dass Dein Windhund friert.
Windhunde zittern auch bei Erwartung, Erregung oder innerer Spannung.
Deshalb würde ich niemals allein aufgrund von Zittern entscheiden, ob ein Mantel nötig ist.
Ich schaue immer auf die gesamte Situation.
Denn sonst kann es passieren, dass ein Windhund warm eingepackt vor Dir steht und trotzdem zittert.
Nicht weil ihm kalt ist.
Sondern weil er gerade sehr genau beobachtet, was als Nächstes passiert.
Darauf und andere Themen gehe ich im Sighthound Club ausführlicher ein.
Mantel an. Mantel aus.
Auch das gehört dazu.
Wenn Dein Windhund mit Mantel oder Pullover unterwegs ist und anschließend z.B. frei läuft,
darf der Mantel nicht automatisch draufbleiben.
Überwärmung ist genauso wenig sinnvoll wie Auskühlung.
Kleidung ist Unterstützung.
Keine Daueruniform.
Lieber früh kümmern als beim ersten Frost bestellen
Noch ein ganz praktischer Punkt:
Wer weiß, dass sein Windhund im Herbst und Winter einen Mantel braucht,
sollte sich rechtzeitig darum kümmern.
Denn sobald die ersten richtig kalten Tage kommen, sind viele gute Hersteller ausgebucht,
Größen vergriffen oder Lieferzeiten plötzlich sehr lang.
Denn der Winter kommt (nicht) jedes Jahr überraschend.
Mein Fazit
Nicht die Temperatur entscheidet allein.
Der einzelne Windhund entscheidet.
Sein Körperbau.
Sein Fell.
Sein Alter.
Die Bewegung.
Wind.
Nässe.
Wartezeit.
Und die Situation.
Wer seinen Windhund beobachtet, braucht keine starre Gradzahl.
Und wer bei jedem Zittern sofort zum Mantel oder Pullover greift,
schaut vielleicht an der interessanteren Stelle vorbei.
Denn manchmal friert der Windhund und wer friert ist unkonzentriert.
Und manchmal erwartet er einfach nur, dass jetzt endlich etwas passiert.