Ich sehe es oft:
Ein Windhund ist jung, das Fell noch dunkel, der Körper gesund –
und trotzdem wirkt er alt.

Nicht ruhig.
Nicht gelassen.
Sondern früh müde. Sparsam. Zurückgezogen.

Das wird dann gern erklärt mit:
„Er ist halt sensibel.“
„Er ist schon sehr erwachsen.“
„Windhunde sind eben so.“

Ich halte das für zu kurz gedacht.

Einordnung aus meiner Arbeit:
Ich lese Studien gern – aber ich übersetze sie immer zurück in die Praxis. Auf dieser Seite verbinde ich beides: was untersucht wurde, und was sich im Alltag mit Windhunden tatsächlich zeigt.

Windhunde spielen nicht – und das ist kein Problem

Windhunde sind keine Spielhunde.
Sie brauchen keine Animation, kein Dauer-Entertainment, keine Beschäftigungsprogramme.

Was sie brauchen, ist Regulation.

Und genau hier beginnt das Missverständnis.

Ein Windhund, der wenig Ausdruck zeigt, ist nicht automatisch ausgeglichen.
Manchmal ist er schlicht zu lange auf Sendung.

Ruhe im Haus ist keine Erziehungsfrage, sondern Biologie

Für mich ist klar:
Ein Windhund muss im Haus ruhig sein und ruhig bleiben.

Nicht, weil er sonst stört.
Oder ich es ihm befehle.
Sondern weil Regeneration nur dort stattfindet, wo das Nervensystem wirklich runterfahren darf.

Windhunde kommen genetisch aus kurzen Hochleistungsphasen
und langen Erholungszeiten. Sie sind aber deswegen keine Sprinter.

Ein Windhund, der im Haus ständig mitläuft, mithört, mitregelt,
verbraucht Energie, ohne sie je wieder aufzufüllen.

Das sieht man nicht sofort.
Aber man sieht es über die Jahre.

Draußen wach – aber niemals überdreht

Wenn ich losgehe, sind meine Windhunde da.
Wach. Präsenz. Funkeln in den Augen.

Aber nie hysterisch.
Nie hochgezogen.
Nie auf Adrenalin.

Das ist kein Zufall.
Das ist das Ergebnis klarer Phasen:
Pause ist Pause. Aktivität ist Aktivität.

Daueraktivierung macht keinen Windhund lebendig.
Sie macht ihn sparsam.

Fütterung ist keine Kalorienfrage, sondern eine Regulationsfrage

Viele Windhunde halten sich nicht über Substanz am Laufen,
sondern über Adrenalin.

Das passiert oft unbemerkt –
durch zu viel aktivierende Energie,
zu wenig tragende Energie
und fehlende klare Ruhefenster.

Für mich beginnt gesundes Futter beim Windhund dort,
wo Reparatur möglich ist,
ohne das Nervensystem dauerhaft anzuschieben.

Ich setze Protein dort ein, wo es hingehört:

  • für Reparation
  • für Aufbau
  • für Erhalt

Nicht für Stimmung.
Nicht für Aktivierung.

Genauso wichtig ist tierisches Fett.
Nicht als Extra, sondern als Träger.

Fett liefert gleichmäßige Energie,
ohne Alarm zu machen.

Und ja:
Die Balance zwischen Protein und Fett ist entscheidend.
Große Differenzen erzeugen Stress – leise, aber dauerhaft.

Dass man dazu kaum Literatur findet, wundert mich nicht.

Was nicht untersucht wird, gilt nicht als falsch – sondern als nicht abgebildet.

Forschung arbeitet für den Durchschnitt.
Windhunde sind keiner.

Was das Nervensystem beim Windhund bewirkt, findest Du im Flip Book #11.

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„Mein Windhund ist trotzdem 17 Jahre alt geworden“

Das höre ich oft.
Und ich stelle mir dann nicht die Frage nach dem Alter.

Sondern nach den Bedingungen.

Wie viele dieser Jahre waren getragen?
Wie viele waren Sparmodus?
Wie viel Substanz war da – körperlich und nervlich?

Alt werden ist kein Qualitätsmerkmal.
Getragen alt werden schon.

Eine Szene, die viel sagt

Eine Tierärztin hielt einen Vortrag zur Ernährung von Windhunden.
Als Orientierung nannte sie ein hochkalorisches, windhundgeeignetes Futter –
nicht als Luxus, sondern als sinnvolle Basis.

Daraufhin sagte ein Teilnehmer:

„Yes, but we only feed this to our best sighthounds, because it’s so expensive.“

In diesem Moment ging es nicht mehr um Futter.
Es ging um Erwartung.

Nicht jeder Windhund bekommt Substanz.
Nur die „besonderen“.
Der Rest soll irgendwie funktionieren.

Ich halte das für fatal.

Denn Windhunde könnten sehr viel älter werden –
als es die Statistik hervorbringt –
auch ehemalige Tierschutz-Windhunde –
wenn man ihnen von Anfang an zutraut,
dass ihr Körper es wert ist, getragen zu werden.

Mein Fazit

Ich versuche nicht, Windhunde müde zu machen.
Ich sorge dafür, dass sie sich erholen können.

Ruhe im Haus.
Wachheit draußen.
Fütterung mit Struktur.
Energie, die trägt statt treibt.

Ein Windhund, der früh alt wirkt,
ist nicht reif.
Er ist oft einfach zu lange allein verantwortlich gewesen.

Und genau da lohnt es sich, noch einmal hinzuschauen.

Alles folgt einer Haltung.

Im SHClub findest Du die Sätze,
bei denen Du kurz stutzt
und die Augenbraue minimal anhebst:

Der SHClub Artikel zum Thema.

Windhunde verstehen. Dein Windhund, Deine Verantwortung

Fütterung ist kein Glaubenskrieg – sondern Alltag, Körpergefühl und Klarheit. Alles zur „Fütterung“ findest Du hier.

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