Einordnung:
Dieser Text ist kein Trainingsleitfaden und keine Anleitung zur Jagdvermeidung.
Er ist eine fachliche und sprachliche Einordnung dessen, was Windhunde genetisch mitbringen – und was daraus im Alltag folgt.
Ich verwende bewusst den Begriff Prädationsbereitschaft und nicht „Wildinteresse“.
Nicht aus Provokation, sondern aus Präzision.
Weil Worte Erwartungen erzeugen – und falsche Begriffe zu falschen Entscheidungen führen.
Der Artikel richtet sich an Menschen, die Windhunde nicht verwalten, sondern verstehen wollen.
Nicht, um Kontrolle auszuüben.
Sondern um Verantwortung dort zu übernehmen, wo sie hingehört.
Ich stolpere immer wieder über denselben Satz:
„Wenn Du mit Deinem wildinteressierten Hund unterwegs bist …“
Und jedes Mal denke ich:
Nein. Genau hier beginnt das Missverständnis.
Denn Windhunde sind nicht wildinteressiert.
Sie sind dafür gemacht.
Interesse ist das falsche Wort
Interesse ist etwas Mentales.
Etwas, das kommen und gehen kann.
Etwas, das man umlenken oder ignorieren möchte.
Prädation funktioniert so nicht.
Ein Windhund nimmt Wild wahr,
weil sein gesamtes System darauf ausgelegt ist.
Sie haben Prädationsbereitschaft.
Sie sind Predatoren – nicht neugierig, sondern einsatzfähig.
Das ist keine Provokation.
Das ist eine Funktionsbeschreibung.
Predator ist kein Charakterurteil
Predator ist nicht aggressiv.
Nicht unkontrollierbar.
Nicht moralisch gefährlich.
Predator beschreibt Spezialisierung auf hohem Niveau.
Predator ist keine Bewertung,
sondern eine Funktionsbeschreibung.
Ein Windhund ist kein Allrounder.
Er ist Präzisionsarbeit.
Und ja: Windhunde jagen. Und sie können töten.
Auch das gehört zur Wahrheit.
Windhunde jagen.
Und ja – sie können töten.
Nicht aus Bosheit.
Nicht aus Eskalation.
Sondern weil Prädation Handlungskompetenz ist.
Und mit „alles“ ist gemeint:
Wild, Katzen, andere Hunde, Kleintiere.
Prädation sortiert nicht nach Kategorien.
Sie reagiert auf Bewegung und Situation.
Wildinteresse vs. Prädationsbereitschaft
Was oft „Wildinteresse“ genannt wird, ist etwas anderes:
ungeordnete Aufmerksamkeit,
fehlende Regulation,
keine klare Führung.
Prädationsbereitschaft ist genetische Präzision.
Dieser Unterschied entscheidet darüber,
ob ich meinen Windhund verniedliche
oder Verantwortung übernehme.
Jagen und Schützen – kein Widerspruch
Einige Windhundlinien vereinen Jagd und Schutz.
Der Sloughi ist ein klassisches Beispiel.
Er hütet und beschützt „seine“ Kamele.
Ob wildernder Hund oder Schakal ist egal.
Relevant ist nur: gehört dazu – oder nicht.
Auch das ist Prädation.
Nur kanalisiert.
Zum Schluss
Ein Windhund bleibt ein Windhund.
Auch mit Führung.
Aber der Knopf gehört dem Menschen.
Windhunde verstehen. Dein Windhund, Deine Verantwortung
Wer ihre Biologie, Wahrnehmung und Reizverarbeitung nicht mitdenkt, zieht falsche Schlüsse – im Training, im Alltag und in der Einordnung von Verhalten.
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