by Monika Mosch | Nov. 5, 2025 | Alltag und Begleitung, Bücher
Manche Beziehungen scheitern nicht an zu wenig Liebe –
sondern an zu viel Nähe.
Was beim Menschen als Sehnsucht beginnt, wird beim Windhund schnell zur Überforderung.
Denn wo wir „Zuwendung“ fühlen, spürt er oft Druck.
Sein Nervensystem arbeitet feiner, direkter – und genau darin liegt das Missverständnis.
Windhunde brauchen keine Dauerpräsenz.
Sie brauchen Sicherheit, um Nähe überhaupt zulassen zu können.
Und diese Sicherheit entsteht nicht durch Worte –
sondern durch Haltung.
In Flip Book #9 geht es um den Raum dazwischen:
Zwischen Zuwendung und Vertrauen.
Zwischen Freilauf und Rückzug.
Zwischen Freiheit und Bindung.
Du lernst, wie Du Führung lebst, ohne zu lenken.
Wie Du Nähe ermöglichst, ohne sie zu fordern.
Und warum Vertrauen der leise Mittelpunkt jeder Verbindung ist.
Echte Nähe entsteht dort, wo Rückzug erlaubt – und Orientierung spürbar bleibt.
Windhunde verstehen. Dein windhund. Deine Verantwortung.
by Monika Mosch | Okt. 28, 2025 | Alltag und Begleitung
Kurz & ehrlich – bevor Du weiterliest
Dieser Text ist kein Rezept und kein Konsum-Shortcut.
Er ersetzt weder Entscheidung noch Verantwortung.
Wenn Du hoffst, dass Lesen, Kaufen oder Sammeln allein etwas „in Gang bringt“,
wird Dich dieser Artikel enttäuschen.
Wenn Du bereit bist, selbst hinzuschauen, mitzudenken
und Deinen Windhund im Alltag wirklich zu begleiten,
dann bist Du hier genau richtig.
Zwischen Sofa-Romantik und Wirklichkeit
Windhunde sind still.
Sie bellen selten, riechen kaum, liegen dekorativ auf Sofas und bringen Ruhe ins Haus.
Sie gelten als sensibel, feinfühlig, anschmiegsam – kurz: als perfekte Lebensbegleiter.
Und genau darin liegt das Risiko.
Denn oft schafft sich der Mensch keinen Windhund an,
sondern ein Bild von Ruhe, Zärtlichkeit und Schönheit.
Etwas, das ihn spiegelt, besänftigt, vielleicht sogar tröstet.
Und so beginnt er zu kuscheln – ständig, überall, ohne zu fragen, ob der andere das überhaupt will.
Einordnung aus meiner Arbeit:
Ich schreibe das nicht, um lauter zu werden – sondern um genauer hinzuschauen. Windhunde reagieren auf das, was unter der Oberfläche liegt. Und genau darum geht es hier.
Kuscheln als Selbstzweck
Was als liebevolle Geste beginnt, wird schnell zur Gewohnheit.
Körperkontakt als Dauerzustand.
Der Windhund wird gestreichelt, gedrückt, geherzt – weil es dem Menschen guttut.
Wenn der Hund sich entzieht, heißt es:
„Er ist halt sensibel.“
Wenn er aufsteht und auf seinen Platz geht:
„Dann lassen wir ihn eben in Ruhe.“
Das klingt nach Rücksicht.
Ist es aber nicht.
Denn echte Rücksicht bedeutet, den anderen zu lesen,
nicht ihn einfach in Ruhe zu lassen.
Konsum statt Kontakt
Viele Halter konsumieren ihren Windhund,
wie sie Serien konsumieren oder Wohlfühlmomente –
als schnelle Dosis Nähe, ohne eigene Tiefe.
Sie lieben das Gefühl, gebraucht zu werden.
Aber sie übersehen, dass der Hund kein Therapeut ist.
Und während sie drinnen Nähe suchen,
vergessen sie, dass das Leben des Windhundes nicht im Haus stattfindet.
Draußen, wo Wind, Bewegung und Wahrnehmung warten –
da beginnt sein eigentliches Leben.
Doch auch dort bleibt der Mensch oft Konsument:
das teure Halsband, das Designer-Geschirr,
der handgefertigte Mantel,
den der Hund „braucht“, weil er zittert –
obwohl das Zittern vielleicht nur bedeutet:
Er hat das Eichhörnchen gesehen.
Oder die Maus unter der Erde gehört.
Vom Accessoire zur Ausrede
Der Windhund wird zum Lebensstil-Statement.
Zur Marke.
Zum stillen Symbol für Ästhetik, Empfindsamkeit, Achtsamkeit –
solange es passt.
Doch wehe, der Hund lebt seine Natur.
Wehe, er jagt, zieht, bellt, zerstört.
Dann wird schnell erklärt, diagnostiziert,
entschuldigt – oder wegerzogen.
Denn was nicht in den Lifestyle passt,
stört das Bild vom harmonischen Duo auf dem Sofa.
Der Alltag als Spiegel
Spätestens im Alltag zeigt sich, was wirklich zählt.
Wenn der Windhund mit ins Büro darf,
muss er plötzlich funktionieren.
Still sein, wenn Kollegen kommen.
Liegen bleiben, wenn der Halter ins Meeting geht.
„Er darf überall dabei sein – aber bitte unauffällig.“
Hier kippt die Balance.
Was drinnen als Sensibilität gefeiert wurde,
wird draußen zur Zumutung.
Der Mensch will Nähe und Anpassung –
Zärtlichkeit und Kontrolle.
Der Kuschel-Konsum-Konflikt zeigt sich in voller Pracht:
Was dem Menschen wichtig ist, wird durchgesetzt.
Was dem Hund wichtig wäre – wird interpretiert.
Bewegungsersatz und Auslauf-Illusion
Und weil Bewegung ja „auch wichtig“ ist,
wird der Windhund in den eingezäunten Auslauf gebracht.
Zur Sicherheit.
Zum Toben.
Zum „Auspowern“.
Doch was dort passiert,
hat mit Windhundsein selten etwas zu tun.
Rennen ohne Ziel, Hetzen ohne Beute,
eine Bewegung ohne Bedeutung.
Ein Ersatz für Freiheit –
nicht ihre Rückkehr.
Der Mensch meint es gut –
aber gut gemeint ist nicht verstanden.
Dieser Beitrag ist Teil 1 des „Kuschel-Konsum-Konflikts“
Teil 2 – „Nähe, Distanz & Verantwortung“
im Sighthound-Club.
Es geht weiter mit dem, was Nähe wirklich bedeutet – und warum Grenzen manchmal die ehrlichste Form von Fürsorge sind.
Windhunde verstehen. Dein Windhund. Deine Verantwortung.