Windhunde im Startkasten
23/09/2019

Der Windhund-Rennsport und seine Facetten.

Last Updated on 09/03/2020 by Monika

Run for Fun

Rennbahn & Coursing – Windhundrennsport kritisch betrachtet.

Sobald es um Sport geht, bei dem Tiere mitwirken, gibt es große Unstimmigkeiten und nicht nur Befürworter sondern auch viele Gegner. Dabei ist es egal, ob wir uns im Pferdesport oder im Hundesport bewegen. Eins ist sicher, die Zeiten haben sich geändert. Gerade dann, wenn es um den sportlichen Einsatz unserer Vierbeiner geht.

Hat sich denn wirklich so viel verändert? Ich finde schon. Denn schauen wir auf die ursprüngliche Verwendung unserer Windhunde, dann hat sich der hoch spezialisierte Jäger oftmals zum arbeitslosen Sofahocker entwickelt.

Ob unsere Windhunde selbst mit dieser Entwicklung froh sind, werden wir eher nicht erfahren. Und ob der Windhund nur mit Rennbahn und Coursing ein glücklicher Windhund sein kann, das glaube ich zumindest nicht. Aber sicherlich wird er ein sehr zufriedener und ausgeglichener Windhund, wenn wir ihm die Möglichkeit bieten.

Blicke in die Wüste, den Orient oder nach Spanien, Russland und andere Länder, in denen der Windhund entsprechend seiner Genetik seiner „Arbeit“ nachgehen darf, zeigen uns konzentrierte, geduldige und fokussierte Hunde.

Gegen einen sportlichen Einsatz unserer Windhunde ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Vorausgesetzt, der Hund ist gesund und Ihr wisst, was Euer Hund leistet und auf welcher Grundlage er seine Leistung erbringt. Nur so könnt Ihr Euren Hund als Trainer unterstützen und mit gutem Gewissen trainieren.


Rennen – hetzen – jagen … losgelöst und zwanglos.

Eins ist sicher, das Hetzen und das Jagen muss man dem Windhund nicht beibringen. Allerdings müssen wir ihm all das beibringen, was mit dem Einsatz unseres Windhundes auf der Rennbahn oder beim Coursing zu tun hat. Denn hierbei verlassen wir das „natürliche“ Terrain der Jagd. Neben Startkästen, einer Rennbahnarchitektur, muss dem Hund ein künstlicher Hase – der in den meisten Fällen aus einem Stofftier und viel Flatterband besteht- vertraut gemacht werden. Oder dem Coursingfeld das oftmals mehr Laborbedingungen als den natürlichen Lebensräumen von Wild entspricht, sind all diese „Begebenheiten“ ganz sicherlich nicht in der Genetik der Windhunde verankert.


Der Startkasten

Der Startkasten ist Mittel zum Zweck für die Zeitmessung und somit ein wichtiges Element im Rennsport. Welcher Windhund benötigt aber schon einen Startkasten, um seiner Jagdleidenschaft zu folgen? Der Startkasten gehört nicht zum natürlichen Umfeld des Windhundes. Daher sollte es ein Pflichtprogramm sein, dem Windhund den Startkasten sauber, stress- und angstfrei nahe zu bringen. Dann ist es nämlich ganz egal, auf welcher Rennbahn der Startkasten steht, welche Box gewählt wird oder welche Farbe dieser hat.

Aussagen wie: „Na, da muss man halt mal ein bisschen mit Druck nachhelfen und den Hund zu seinem Glück zwingen“ erschließen sich mir absolut nicht. Es geht beim Startkasten nicht um eine einmalige Situation, in der es vielleicht bedeutet, dass Gefahr in Verzug ist. Es geht um ein Hobby, einen Sport, bei dem unser Sportler ein Lebewesen ist, der dieses Prozedere während der Rennsaison fast jedes Wochenende durchläuft. Umso schöner, wenn er das frei von Angst und Zwang tun kann.


Wissen wie der Hase läuft

Nicht nur der Windhund sollte wissen, wo und wie der Hase läuft. Sein Besitzer sollte genauso wissen, was er tut und warum er was tut. Dazu gehört die ganzheitliche Betrachtung seines Hundesportlers genauso wie das Wissen um die Abläufe im Windhund-Rennsport. Und damit sind nicht allein die Regelwerke gemeint.

Welche grundlegenden Dinge solltet Ihr meines Erachtens über einen Hundesportler wissen? An erster Stelle stehen gute Kenntnisse über die Anatomie des Hundes. Ihr solltet die individuellen Vitaldaten Eures Windhundes kennen. Im Ruhezustand, bei Aufregung und nach einer Hetzjagd. Ausserdem unterscheidet sich die Fütterung von Sporthunden von denen bei Nicht-Sportlern und sollte auf die Belastung abgestimmt sein. Wissen über Energiespeicherung und -verbrauch, Stoffwechselprozesse und Biochemie sind genauso wichtig wie Grundkenntnisse über die Muskulaturgruppen und die Funktionsweise des Muskelaufbaus. Schafft Euch im Rahmen des Trainings ein Bewusstsein für Aufbauphase, Hochphase und Ruhephase/Pause! Wie sollte ein Training für den Windhundsportler aussehen?

All dies und vieles mehr ist wichtig, damit Euer Hund gesund, munter und vor allem verletzungsfrei bleibt.

Dazu gibt es keine Schema F-Anleitung, denn jeder Windhund ist anders.


„Windhunde sind ja so sensibel!“ Der fade Beigeschmack im Windhund-Rennsport.

Ich sehe, dass spätestens auf der Rennbahn oder beim Coursing das Verständnis der Besitzer für die „Sensibilität“ ihres Windhundes aufhört. Da wird der Hund mit viel Hektik und Stress zum Sattelplatz gebracht und in den Startkasten gezwungen. Beim Coursing wird mit Druck auf den Weichteilen verhindert, dass der Hund vorzeitig startet. Das passiert nicht bewusst, sondern einfach durch das beim Start erforderliche Festhalten.

Bellen, Springen, Schreien, Hecheln und eine erhöhte Herz- und Kreislauffrequenz gehören oft zum Alltag beim Renntraining und Wettkampf, genauso wie kraftvolles Ziehen an der Leine.

Hier gehen die Meinungen leider weit auseinander. So gehört es fast dazu, dass die Hunde ausser Rand und Band sind. Der kleine feine Unterschied besteht darin, zwischen Fokussierung und unangemessenem Verhalten unterscheiden zu können.

Mit dem „Flüsterhasen“ ist auf den Rennbahnen Ruhe eingekehrt. Immer öfter sehe ich jedoch Besitzer, die diese Chance verschenkten. Die Chance, die gewonnene Ruhe für einen konzentrierten und fokussieren Start zu nutzen und auch beizubehalten.

Und leider, leider beobachte ich, dass sich nur sehr wenige Besitzer um ein vernünftiges Aufwärmen und Ablaufen ihres Hundesportlers bemühen.

Der Rennsport ist für unsere sensiblen Windhunde und Podencos die ultimative Beschäftigung. So mancher „Runner“ behält noch lange nach einem Lauf ein breites, zufriedenes Grinsen im Gesicht. Das große Talent bringt unser Sportler genetisch bedingt mit. Dies gilt es zu fördern, zu unterstützen und gemeinsam als Hund-Mensch-Team Spass zu haben.


Tierarztkontrolle vor dem Wettkampf.

In den Tierarztkontrollen vor dem Wettkampf, sind mir Windhunde mit viel zu langen Krallen aufgefallen. Pflege von Pfoten, Krallen und Zähnen – eine Routine, die sich lohnt und sich für das ganze Hundeleben auszahlt. Wie das geht und worauf Ihr achten müsst… all das findet Ihr demnächst in diesem Kanal.

Viele Hunde sind bereits bei der Tierarztkontrolle so aufgeregt, dass ein lockeres Vortraben nicht wirklich möglich ist. Die Beurteilung der Lahmfreiheit oder Taktreinheit scheitert oftmals daran, dass viele Windhunde ihre Halter einfach durch die Gegend ziehen. Eine Begutachtung des Gangbilds ist unter diesen Bedingungen für einen Tierarzt schwierig. Zum Glück gibt es Tierärzte, die bei der Kontrolle genau hin schauen und – die ohne Rücksicht auf den Zeitdruck der Organisatoren und Funktionäre – ihre Aufgabe sehr ernst nehmen. Das Vortraben kann geübt werden. Ich bin überzeugt, dass jeder Tierarzt darüber erfreut sein wird, wenn ihm die Rennhunde so vorgestellt und vorgeführt werden, dass er deren Sporttauglichkeit auch richtig beurteilen kann.


Was kann der Besitzer tun?

Hinschauen, beurteilen und eine Entscheidung treffen. Immer im Sinne und für die Gesundheit seines Hundes und mit Rücksicht auf die anderen Hunde.

Ich habe erlebt, dass Windhunde von ihren Besitzer zum Training gebracht werden und dieser nach dem Lauf erzählt, dass sein Hund heute nicht so gut drauf ist. Er hätte die ganze Nacht Durchfall gehabt und ist deswegen vermutlich eine schlechtere Zeit gelaufen. Da bleibt mir die Spucke weg – warum fährt man mit einem kranken Hund zu einem Training? Unabhängig davon, ob der Hund in der Verfassung ist zu laufen, so sollte doch zumindest klar sein, dass ein Hund, was auch immer er akut hatte, es im Fall von Viren oder Bakterien zu einer Verteilung auf dem Rennbahngelände und somit auf die anwesenden Hunden kommen kann.

Wer selbst mal eine Nacht mit einem Magen-Darm-Infekt verbracht hat, weiß wie anstrengend und zermürbend das sein kann. Warum sollte es einem Hund anders ergehen? Der Sportler-Hund wird am nächsten Tag weder entspannt noch erholt an den Start gehen!


Schnupperkurs „Fit für Rennbahn & Coursing“

Im Video seht Ihr einen Zusammenschnitt aus dem ersten Teil meiner Kursreihe „Fit für Rennbahn & Coursing“. In lockerer Runde waren viele junge Hunde aber auch „alte Hasen“ dabei, Anfänger im Rennsport (Menschen und Hunde gleichermaßen) und meine kleinen „Super-Profis“ die italienischen Windspiele Amadeo und Percy.

Wer aufmerksam schaut, der sieht mit wieviel Freude alle Hunde bei der Sache sind. Die Ernsthaftigkeit der Menschen für Ihren Sportler zahlt sich aus und wird belohnt durch Kooperation, Leistung und Gesundheit.

In diesem Kurs geht es um die Hasenschärfe, den Willen am Lockmittel – dem falschen Hasen – dran zu bleiben und natürlich auch um das Zuhören, das Festigen und Optimieren von Routinen bei Hund und Mensch. Im späteren Verlauf und mit zunehmender Sicherheit im Training laufen die Hunde selbstverständlich ohne Halsband und mit Maulkorb.

Einige der „Beginners“ aus dem Video haben mittlerweile die Rennlizenz erfolgreich bestanden und sich in Läufen aus dem Startkasten (auch mit mehreren Windhunden) erprobt.

Ihr möchtet Euch das Thema Rennbahn aus dem Blickwinkel der gemeinsamen Beschäftigung näher bringen lassen? Bleibt einfach dran am und im Kanal.

Neben vielen Informationen aus meiner täglichen Praxis erfahrt Ihr mit der kostenfreien Mitgliedschaft auch, wann und wo der nächste Schnupperkurs statt findet.


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