08/02/2020

Biohack: Taurin

Last Updated on 10/03/2020 by Monika

2-Aminoethansulfonsäure

Taurin ist eine organische Säure und entsteht beim Stoffwechsel durch den Abbau der schwefelhaltigen Aminosäuren Cystein 1Cystein ist neben Methionin eine schwefelhaltige Aminosäure. Es ist mitverantwortlich für die Ausbildung der Sekundär-, Tertiär- und Quartärstruktur von Proteinen. Ein Mangel an Cystein führt unter anderem zu einer Schwäche des Immunsystems. und Methionin 2Methionin ist neben Cystein die einzige schwefelhaltige proteinogene Aminosäure. In der Proteinsynthese nimmt L-Methionin – seine natürliche und biochemisch aktive Form – eine Sonderstellung ein, weil sie die erste Aminosäure darstellt, die sogenannte Startersubstanz, aus denen ein Protein zusammengestellt wird. L-Methionin ist essentiell und dient vor allem als Lieferant von Methylgruppen (-CH3) für wichtige Hormone wie Cholin, Adrenalin, Kreatin und viele mehr.. Taurin kommt im gesamten Körper vor: in den Augen 3Taurin hilft bei der Aufnahme von Nahrungsfetten. Es dient als Neurotransmitter und Neuromodulator im zentralen Nervensystem und ist an der Regulation der Körpertemperatur, Gehirnentwicklung, dem Erhalt der normalen Retinastruktur und an der Herzfunktion beteiligt. Es bindet giftige Substanzen, wirkt als Antioxidans., im Herz, im Blut, im Gehirn und in den Muskeln.

Menschen und Hunde können Taurin selbst herstellen, d.h. es wird vom Körper selbst produziert, allerdings nur in den überlebensnotwendigen Mengen, zum Beispiel um die Zell- und Organfunktionen aufrecht zu erhalten.

Das Muskeln für eine starke Leistungsfähigkeit im Sport wichtig sind, ist eigentlich jedem klar. Und damit sie einwandfrei funktionieren können, brauchen sie eine Vielfalt an Nährstoffen, dazu gehört beispielsweise auch Taurin. Viele menschliche Sportler nehmen zusätzlich Taurin ein, weil sie sich davon eine Leistungssteigerung versprechen. Einige Hundefuttersorten, zum Beispiel die für Sport- und Arbeitshunde, sind mit Taurin angereichert, sie sollen den Hundeorganismus für die Arbeit oder den Hundesport entsprechend versorgen und natürlich auch für eine Leistungssteigerung sorgen.

Taurin für mehr Leistungsfähigkeit?

In unterschiedlichen Blutuntersuchungen wurde festgestellt, dass die Taurin-Konzentration im Blut oftmals nur gering ist, allerdings in den Muskeln, im Gehirn und den Leukozyten erhöht. Mit diesem Backgroundwissen wurden weiterführende Untersuchungen und Studien durchgeführt, die die Wirkung von Taurin auf den menschlichen Organismus auswerten sollen.4 Quelle 4: Taurine in health and diseases: consistent evidence from experimental and epidemiological studies Es wurden tatsächlich zahlreiche Indizien für die positive Wirkungen von Taurin auf den Organismus gefunden. Allerdings ist die Wirkung von Taurin noch nicht abschließend erforscht. Denn Biochemie ist unglaublich kompliziert, da alles mit allem und miteinander wirkt, oder eben aber nicht wirkt.

Die Studie mit den schnell zuckenden Skelettmuskeln von Ratten

Die Ergebnisse zeigten, dass die Erhöhung des Taurin-Gehalts das Zucken und die sub-tetanische 5Bei der sub-tetanischen Kontraktion handelt es sich um die normale, aus dem Alltag bekannte Muskelkontraktion bei willkürlichen Bewegungen des Körpers. und die spezifische Kraft im schnell zuckenden Ratten-Skelettmuskel erhöht. Es konnte auch bewiesen werden, dass ein erhöhter Taurin-Wert die Muskelfunktion während der Muskel-Stimulation und in der anschließenden Erholungsphase schützt und den oxidativen Stress bei längerer Stimulation verringert. 6 Taurine supplementation increases skeletal muscle force production and protects muscle function during and after high-frequency in vitro stimulation.

Die schützende Wirkung von Taurin

Eine japanische Studie 7 Department of Welfare Promotion and Epidemiology, Faculty of Medicine, Toyama Medical and Pharmaceutical University, Toyama, Japan. sollte die schützenden Wirkungen der Taurinsupplementierung auf den durch körperliche Betätigung verursachten oxidativen Stress 8Oxidativer Stress sind alle Einflüsse, psychischer und physikalischer Art, die wir oder unsere Umwelt verursachen. und die körperliche Leistungsfähigkeit bewerten. Dazu wurden elf Männer im Alter von 18 bis 20 Jahren ausgewählt, um an zwei identischen Fahrradergometer-Übungen bis zur Erschöpfung teilzunehmen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Taurin aufgrund seiner zellulären Schutzeigenschaften den durch körperliche Betätigung verursachten DNA-Schaden abschwächen und die Belastbarkeit steigern kann. 9 Role of taurine supplementation to prevent exercise-induced oxidative stress in healthy young men.

Was Du sonst noch über Taurin wissen solltest

Taurin ist in Lebensmitteln ganz natürlich enthalten, zum Beispiel in Milchprodukten, Fleisch und Fisch. Taurin entsteht beim Abbau des Coenzyms A und ist ein wichtiger Bestandteil von Verbindungen in der Gallensäuren und fördert die Fettverdauung.

Der Flüssigkeitsgehalt in den Zellen wird durch Taurin stabilisiert. Bei der Reizübertragung im Gehirn und für bestimmte Nervenfunktionen spielt Taurin eine wichtige Rolle. Ebenso hat Taurin Einfluss auf den Herzrhythmus und das wiederum bewirkt einen stabilen Herzschlag und hat einen positiven Effekt auf den Herzmuskel.

Taurin kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und hilft dort bei der Signalübertragung der Hirnzellen mit. Ausserdem stimuliert es die Membranbindung an Calcium und manöveriert Kalium und Natrium effizient durch die Zellmembranen. Taurin ist ein Antioxidans 10Antioxidantien sind vorbeugend eine Wunderwaffe gegen oxidativen Stress, der mit einer Reihe von Krankheiten in Verbindung gebracht wird. und schützt so das Gewebe vor Schädigungen.

Mangel – Dosierung – Überdosierung und was bedeutet Biohacking

2018 kam der Verdacht auf, dass durch einen Mangel an Taurin bei Hunden das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stark ansteigt. Allerdings gab es auch den Verdacht, dass für die Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Getreide freie Fütterung verantwortlich ist. Dies gilt vor allem für die dilatative Kardiomyopathie (DCM), welche zu den verbreitetsten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems von Hunden zählt. Da die Erkenntnisse, Untersuchungen und Korrekturen zum Thema: DCM und Taurin-Mangel noch nicht abgeschlossen sind, 11Taurin & Aminosäuren: Ernährungsuntersuchungen zeigen, dass Taurin im Allgemeinen nicht als essentielle Aminosäure für Hunde angesehen wird, da diese Tiere Taurin aus Cystein und Methionin synthetisieren können. Nahezu alle getreidefreien Produkte wiesen Methionin-Cystin-Werte auf, die über dem in der AAFCO Official Publication (OP) veröffentlichten Mindesternährungsbedarf von 0,65 Prozent für erwachsenes Unterhaltsfutter für Hunde lagen. Die FDA sammelt immer noch Informationen, um besser zu verstehen, ob (und wie) der Taurin-Metabolismus (sowohl Absorption als auch Ausscheidung) bei diesen Berichten über eine Kardiomyopathie bei Hunden eine Rolle spielt. wird es dazu demnächst noch einen ausführlichen Blog-Beitrag geben.

Ein Mangel an Taurin kann ausserdem für Störungen im Immunsystem und für Nierenversagen verantwortlich sein. Da Taurin entzündungshemmend wirkt, sind alle Geweberegionen auf Taurin angewiesen.

Dass Taurin die Leistung, Ausdauer und Konzentration steigern kann, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Wenn die maximale Tagesdosis eingehalten wird, ist eine zusätzliche Einnahme von Taurin relativ unbedenklich. Allerdings gilt das nur für den gesunden Organismus. So können Nieren- oder Kreislaufbeschwerden und auch Leberschäden durch Taurin verstärkt werden.

Taurin ist als Infusionslösung, als Pulver oder Kapsel erhältlich. Die für Menschen erhältlichen Energy-Drinks enthalten meist auch Koffein und oftmals viel Zucker und sollten deshalb nicht den Hunden zum Trinken angeboten werden. Nebenwirkungen können erst bei einer Überdosierung auftreten.

Dosierung: Bei großen Hunden scheint die Fähigkeit zur Taurinsynthese eingeschränkt. Eine Taurinkonzentration von 40nmol/ml Plasma dient als Hinweis für eine Unterversorgung. Beim Menschen gilt die Empfehlung für die tägliche Einnahme von bis zu 1000 mg / pro Kilogramm an Körpergewicht als unbedenklich. 12Taurin Hunde sind von exogener Taurinzufuhr unabhängig, da sie in der Lage sind, diese Aminosulfonsäure endogen aus schwefelhaltigen Aminosäuren zu synthetisieren. In klinischen Studien zeigte sich allerdings ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten dilatativer Kardiomyopathien und niedrigen Tauringehalten im Blut. Diese Beobachtungen konnten bei Neufundländern, Amerikanischen Cocker Spaniels und bei Golden Retrievern gemacht werden. Nach Supplementierung mit Taurin waren klinische Verbesserungen der Herztätigkeit sowie höhere Tauringehalte im Blut festzustellen. Aus diesen Beobachtungen leitet sich die Empfehlung ab, bei Patienten mit dilatativen Kardiomyopathien eine Supplementierung mit Taurin vorzunehmen. Als Praxisempfehlung wird eine Dosierung von 2 x 500–1000mg Taurin für Hunde unter 25 kg Körpermasse und 2 x 1–2g Taurin für größere Hunde gegeben. Taurinkonzentrationen von unter 40 nmol/ml Plasma können als Hinweis auf eine Unterversorgung gelten. Neben möglichen Rasseeinflüssen können auch bestimmte diätetische Faktoren zu einer marginalen Versorgung mit Taurin führen. Entsprechende Probleme traten nach Fütterung von Diäten auf der Basis von Soja sowie von Futtermischungen mit höheren Gehalten an Tiermehl von Lämmern auf. Quelle: Begründet von H. Meyer, Überarbeitete Auflage J. Zentek, Ernährung des Hundes, Grundlagen – Fütterung – Diätetik ISBN 978-3-13-220461-4. 8. Auflage, vollst. überarb. 2016, S. 270-271

Die Dosierungsempfehlungen für Hunde, die an DCM leiden, liegt bei 2 x 500-1000mg Taurin für Hunde unter 25kg und 2x 1-2 g Taurin für größere Hunde.

In der oben erwähnten Studie aus Japan, wurde nahe gelegt, dass eine zusätzliche Taurinzufuhr von 6 g Taurin pro Tag, über den Zeitraum von einer Woche, die Kapazität bei sportlicher Belastung erhöhen kann.

Und damit befinden wir uns mitten im Thema BIOHACK

Was ist Biohacking

Biohacking, in den USA bereits ein Trend bei Sportlern und den Achtsamen. Allgemeingültig ist die folgende Definition: „Biohacking ist der biologische, chemische oder technische Eingriff in einen Organismus mit dem Ziel der Veränderung und Verbesserung. Biohacking ist die do-it-yourself Biologie, eine biotechnische, gesellschaftliche Bewegung, in der sich Individuen und Organisationen die Errungenschaften der Biologie und Umweltwissenschaften zu eigenen Zwecken zu nutze machen.“ 13Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Do-it-yourself-Biologie

Das Hacking des Körpers und Geist durch Ernährung, Routinen und Verhaltensweisen ist der bekannteste Bereich der Selbstoptimierung.

Es geht darum den Organismus biochemisch zu verstehen, die ablaufenden Prozesse zu analysieren, um z. B. das Immunsystem oder die Konzentrationsfähigkeit zu verstehen, um sie dann auf der Basis dieser Informationen zu verbessern.

Das Thema Taurin fällt für mich eindeutig unter Biohacking. Eigentlich produziert der Organismus von Mensch oder Hund eigenständig Taurin. Doch nun haben Studien an Ratten und sportlichen jungen Männern bewiesen, dass etwas Extra-Taurin doch etwas bewirkt. Weiterhin macht es mich nachdenklich, dass der Taurin-Mangel bei Hunden entweder auf eine Getreide-freie Ernährung zurück zu führen ist, oder eventuell doch die Genetik daran Schuld hat, dass die erkrankten Hunde nicht über eine ausreichende Taurinsynthese verfügen. Durch die Gabe von Taurin konnten bei einigen Hunden die Herzprobleme verbessert oder sogar geheilt werden. Mich regt das zum Nachdenken an. Wenig oder kaum besprochen oder untersucht wurde der Taurin-Bedarf bei Hunden mit erhöhtem Stress, wie zum Beispiel bei Hunden, die im Hundesport aktiv sind.

Quellen:

4 Taurine in health and diseases: consistent evidence from experimental and epidemiological studies

5 Tetanische und sub-Tetanische Kontraktionen

6 Taurine supplementation increases skeletal muscle force production and protects muscle function during and after high-frequency in vitro stimulation

9 Role of taurine supplementation to prevent exercise-induced oxidative stress in healthy young men

11 https://www.fda.gov/animal-veterinary/news-events/fda-investigation-potential-link-between-certain-diets-and-canine-dilated-cardiomyopathy

Handbuch: „Fit für Rennbahn & Coursing“ Kapitel 09 – Ernährung, Biochemie und Stoffwechselvorgänge.

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