Geduld, Genetik und Verantwortung – Teil 3

Geduld, Genetik und Verantwortung – Teil 3

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PFC – unbedenklich ist kein Freifahrtschein

PFC – unbedenklich ist kein Freifahrtschein

Ich schreibe diesen Artikel nicht, weil ich plötzlich Lust auf Chemie hatte.
Sondern weil Begriffe wie „PFC-frei“ inzwischen auch bei Windhundmänteln und -pullovern auftauchen –
gerne in Kombination mit dem Versprechen: „wasserabweisend“.

Wenn Du grundsätzlich wissen willst, wann Bekleidung überhaupt Sinn macht, dann lies hier:

Frieren – wann ist es Zeit für Pullover/Mäntelchen

Klingt gut.
Klingt sicher.
Klingt nach: Kann man kaufen.

Und genau da lohnt es sich, kurz stehen zu bleiben.
Nicht misstrauisch.
Aber aufmerksam.

Einordnung aus meiner Arbeit:
Ich lese Studien gern – aber ich übersetze sie immer zurück in die Praxis. Auf dieser Seite verbinde ich beides: was untersucht wurde, und was sich im Alltag mit Windhunden tatsächlich zeigt.

Was ist PFC – und warum betrifft das Windhund-Bekleidung?

PFC ist die Kurzform für PFAS
(per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen).

Diese Stoffgruppe sorgt dafür, dass Materialien:

  • Wasser abperlen lassen
  • Schmutz keine Chance hat
  • alles irgendwie „pflegeleicht“ wirkt

Technisch brillant.
Chemisch extrem stabil.
Ökologisch… nun ja.

PFAS bauen sich kaum ab, bleiben sehr lange in der Umwelt
und sind genau deshalb seit Jahren in der Kritik.

Wenn heute also „PFC-frei“ auf einem Etikett steht, heißt das:
Diese Stoffgruppe ist nicht enthalten.

Das ist gut.
Aber es ist kein Zauberspruch.

„PFC-frei“ – und was dann?

„PFC-frei“ sagt nur eines:
was nicht drin ist.

Es sagt nicht:

  • womit ersetzt wurde
  • wie langlebig diese Alternative ist
  • oder wie sie sich langfristig verhält

Gerade bei Windhund-Bekleidung –
also Dingen, die nah am Körper getragen
und nicht nach zwei Spaziergängen entsorgt werden –
ist das keine akademische Spitzfindigkeit.

Sondern schlicht relevant.

Silikon – die häufigste Alternative

Sehr häufig kommen heute silikonbasierte Beschichtungen zum Einsatz.

Silikon ist:

  • chemisch stabil
  • wasserabweisend
  • nicht hormonell wirksam
  • nicht bioakkumulativ wie PFAS

Kurze Klarstellung, weil der Begriff gern wild herumgeworfen wird:
PFAS und Silikon sind keine Geschwister, nicht mal Cousins.

PFAS sind fluorierte Chemikalien mit bekannter Umweltproblematik.
Silikone gehören zu einer ganz anderen Stoffgruppe auf Siliziumbasis.

Ist Silikon abbaubar?

Kurzfassung: Nein.
Langfassung: Es verschwindet nicht einfach, aber es verwandelt sich.

Silikon wird nicht biologisch abgebaut.
Es zerfällt über sehr lange Zeiträume durch:

  • UV-Strahlung
  • mechanische Belastung
  • Witterung

am Ende zu Siliziumdioxid – vereinfacht gesagt: Sand.

Jetzt die zwei wichtigen Punkte:

  • Das passiert nicht schnell. Eher in Zeiträumen, die kein Kalender mag.
  • Es entstehen dabei keine bekannten giftigen Zwischenprodukte.

Und nein:
Sand ist nicht gleich Sand.
Aber Siliziumdioxid ist ein natürlicher, sehr weit verbreiteter Stoff.

Heißt übersetzt:
kein Öko-Heiligenschein
aber auch kein Umwelt-Drama.

Warum „biologisch abbaubar“ kein Zeitwort ist

Viele Menschen verstehen unter „biologisch abbaubar“:

Es dauert halt länger – aber am Ende ist es weg.

Das ist falsch.

Biologisch abbaubar bedeutet nicht:

  • langsam
  • irgendwann
  • über Jahrzehnte oder Jahrhunderte

Biologisch abbaubar heißt:
Ein Stoff kann durch Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Enzyme)
in überschaubarer Zeit
in natürliche, unproblematische Bestandteile zerlegt werden.

Ohne Spezialbedingungen.
Ohne UV-Gewalt.
Ohne mechanische Zerstörung.

Warum Silikon nicht biologisch abbaubar ist

Silikon ist chemisch extrem stabil.
Das ist ja genau der Grund, warum es so gern eingesetzt wird.

Aber:

  • Mikroorganismen können Silikon nicht verstoffwechseln
  • es gibt keinen biologischen Abbauprozess
  • es wird nicht Teil natürlicher Kreisläufe

Was stattdessen passiert:
Silikon zerfällt physikalisch über sehr lange Zeiträume –
durch Sonne, Reibung, Witterung –
und endet irgendwann als Siliziumdioxid (mineralischer Reststoff).

Das ist kein biologischer Abbau,
sondern chemisch-physikalische Zersetzung.

Warum das trotzdem kein Drama ist –
aber auch kein Freispruch

Und jetzt kommt die Einordnung, die oft fehlt:

  • Silikon ist nicht biologisch abbaubar
  • aber es ist auch nicht bioakkumulativ
  • nicht hormonell wirksam
  • und bildet keine bekannten toxischen Abbauprodukte

Das unterscheidet es fundamental von PFAS.

Nicht abbaubar heißt hier: langlebig.
Nicht: giftig.

Und genau dieser Unterschied ist wichtig.

Einordnung statt Heilsversprechen

Silikon ist nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Forschung
kein perfekter Stoff.
Aber sehr wahrscheinlich ein vertretbarer Kompromiss.

Und vor allem gilt:
Deutlich gesünder als PFAS.

Deshalb mein Appell – ganz ohne Alarmglocken:

  • Frag nach
  • lass Dir erklären, was „wasserabweisend“ konkret bedeutet
  • und gib Dich nicht mit Schlagworten zufrieden

Nicht aus Misstrauen.
Sondern aus Neugier mit Rückgrat.

Nachfragen ist keine Nervigkeit – es ist Orientierung

und ja: Regeln können Freiheit bedeuten

Fazit

„Unbedenklich“ ist kein ewiger Ritterschlag.
Es ist eine Momentaufnahme dessen, was wir heute wissen und messen können.

PFC-frei ist ein Schritt.
Silikon ist – nach heutigem Kenntnisstand –
kein Ideal, aber eine deutlich vernünftigere Wahl als PFAS.

Perfekt wird es dadurch nicht.
Aber bewusster.

Und manchmal ist genau das der Punkt:
Nicht alles muss glänzen.
Manches reicht, wenn es gedacht ist.

Was bedeutet „PFC-frei“ bei Windhund-Bekleidung wirklich?

„PFC-frei“ bedeutet, dass keine per- und polyfluorierten Chemikalien (PFAS) eingesetzt wurden, die Materialien wasser-, fett- und schmutzabweisend machen. Der Begriff sagt jedoch nichts darüber aus, womit diese Stoffe ersetzt wurden oder wie sich die verwendeten Alternativen langfristig verhalten.

Ist Silikon eine sichere Alternative zu PFC/PFAS?

Nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Forschung gilt Silikon im Vergleich zu PFAS als deutlich weniger problematisch. Es ist nicht hormonell wirksam und reichert sich nicht im Körper an. Biologisch abbaubar ist Silikon jedoch nicht, da Mikroorganismen es nicht abbauen können.

Was bedeutet „biologisch abbaubar“ – und warum ist das wichtig?

„Biologisch abbaubar“ ist kein Zeitversprechen, sondern ein Prozessbegriff. Er beschreibt Materialien, die durch Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze in überschaubarer Zeit in unproblematische Bestandteile zerlegt und in natürliche Kreisläufe eingebunden werden. Materialien, die lediglich durch Sonne, Reibung oder Witterung sehr langsam zerfallen, gelten nicht als biologisch abbaubar.

Windhunde verstehen. Dein Windhund, Deine Verantwortung.

Wenn Du bis hier gelesen hast, suchst Du vermutlich Orientierung.
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Denken in Beziehung – Teil 2

Denken in Beziehung – Teil 2

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Wenn Riesenkatzen Termine absagen

Wenn Riesenkatzen Termine absagen

Warum Schnee manchmal die bessere Entscheidungshilfe ist.

Die Riesenkatze aus Schnee.
Ruhig. Massiv. Unverrückbar.
Mit diesem Blick, der sagt:
„Du kannst Pläne haben. Ich habe Winter.“

Und genau da war klar:
Heute entscheidet nicht der Kalender.
Heute entscheidet die Realität.

Schnee ist kein Drama. Aber ein Hinweis.

Wenn Hamburg schneit, schneit es selten leise.
Es ist kein romantischer Filmwinter.
Es ist rutschig, unberechenbar, nasskalt –
und für Windhunde ungefähr so attraktiv wie ein nasser Pullover im Gegenwind.

Ich habe deshalb meine Termine abgesagt.
Nicht aus Bequemlichkeit.
Nicht aus Panik.
Sondern aus Verantwortung.

Denn draußen entscheidet nicht, was geplant war –
sondern, was machbar ist.

Führung heißt manchmal: absagen.

Viele verwechseln Führung mit Durchziehen.
Mit „Wir machen das jetzt trotzdem“.
Mit Zähnezusammenbeißen und hoffen, dass schon nichts passiert.

Ich sehe das anders.

Führung heißt, Situationen lesen zu können.
Nicht erst dann, wenn etwas schiefgeht –
sondern vorher.

Schnee, Eis, glatte Wege, angespannte Körper, kalte Muskulatur:
Das sind keine Trainingsbedingungen.
Das sind Hinweise.

Und Windhunde sind sehr ehrlich mit Hinweisen.
Man muss nur hinschauen.

Die Riesenkatze hat nichts erklärt. Sie war einfach da.

Das Schöne an dieser Schneekatze:
Sie hält keinen Vortrag.
Sie diskutiert nicht.
Sie rechtfertigt sich nicht.

Sie sitzt da.
Und alles andere ordnet sich.

Vielleicht ist genau das der Punkt:
Nicht alles braucht eine lange Erklärung.
Manches braucht nur eine klare Haltung.

Von Woche zu Woche ist kein Zögern – sondern Klarheit.

Ich entscheide im Moment von Woche zu Woche.
Nicht, weil ich unsicher bin.
Sondern weil ich wach bin.

Wetter, Wege, Boden, Tagesform –
das alles gehört zur Realität von Training und Begegnung.

Wer mit Windhunden lebt, weiß:
Flexibilität ist kein Plan B.
Sie ist Teil der Arbeit.

Und bis dahin?

Bis Hamburg wieder mehr Gehweg als Eisbahn bietet,
gibt es Zeit zum Lesen, Nachdenken, Sortieren.

Das Windhund-Magazin ist genau dafür da:
Orientierung ohne Lärm.
Gedanken ohne Druck.
Haltung ohne Show.

Und draußen?
Da passt die Riesenkatze auf.
Still. Souverän. Unbestechlich.

Manche Entscheidungen trifft man selbst.
Andere übernimmt der Winter.

Beide können sehr klug sein.

Windhunde verstehen. Dein Windhund, Deine Verantwortung.

Haltung zeigt sich nicht im Plan, sondern im Moment.
Auch dann, wenn Absagen die bessere Führung sind.

Warum ich von Erklären spreche – Teil 1

Warum ich von Erklären spreche – Teil 1

Dieser Text ist Teil einer Auseinandersetzung mit Sprache, Beziehung und Verantwortung im Umgang mit Windhunden.

„Aber das habe ich ihm doch schon hundertmal gesagt!“

Diesen Satz höre ich oft.
Nicht spöttisch. Nicht vorwurfsvoll.
Meist ratlos. Manchmal müde.
Und häufig begleitet von diesen feinen Fragezeichen in den Augen.

Einordnung aus meiner Arbeit:
Ich arbeite seit vielen Jahren ausschließlich mit Windhunden. Was ich hier beschreibe, basiert auf Beobachtungen aus Alltag, Training und Zusammenleben – nicht auf Theorie, die am Schreibtisch gut klingt.

Und genau hier beginnt das Missverständnis.

Denn hundertmal sagen heißt nicht automatisch: verstanden werden.

Worte sind erst einmal nur Worte.
Sie haben Lautstärke, Reihenfolge, vielleicht sogar eine gute Absicht.
Aber Bedeutung entsteht nicht durch Wiederholung.
Bedeutung entsteht dort, wo mein Gegenüber sie einordnen kann.

Wenn ich von Erklären spreche, meine ich ausdrücklich nicht:

  • lauter sprechen
  • öfter dasselbe sagen
  • mehr Druck
  • mehr Konsequenz im Sinne von Härte

Ich meine:

Ich übernehme Verantwortung dafür, dass mein Gegenüber mich verstehen kann.

Nicht: verstehen muss.
Nicht: sich anpassen soll.
Sondern: verstehen kann.

Wenn Du bis hier gelesen hast, gehörst Du nicht zur Durchscroll-Fraktion.
Dann lohnt sich ein Blick in die FAQs.

Zur FAQ-Seite

Warum erklären wichtig ist

Der Anspruch bleibt gleich.
Der Rahmen bleibt klar.
Aber der Weg dorthin darf sich verändern.

Erklären ist kein Nettsein.
Erklären ist kein Nachgeben.
Erklären ist auch keine Endlosdiskussion.

Ich erwarte Orientierung, nicht Gehorsam.
Ich erwarte Aufmerksamkeit, nicht Unterwerfung.
Und ich bin bereit, meinen Blickwinkel zu ändern,
wenn ich merke: Das kommt nicht an oder wird nicht verstanden.

Das gilt für Windhunde.
Und es gilt genauso für Menschen.

Bei Windhunden nennen das manche Geduld.
Ich meine etwas anderes: Erklären.

Windhunde, Podencos, mediterrane Rassen machen nicht mit,

weil man nett ist.

Sie lassen sich nicht kaufen, nicht überreden
und
nicht mit Methoden beeindrucken.

Abkürzungen entlarven sie sofort.
Still. Präzise. Und endgültig.


Windhunde verstehen. Dein Windhund, Deine Verantwortung.

Die Kunst besteht darin, die Fragen zu hören, bevor sie laut werden.

Mehr erfahren über den Windhund-Podcast

Für alle, die lieber verstehen als sammeln. Hier findest Du den Podcast „Windhunde verstehen“ – mit Folgen, Themen und Einstieg.

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