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WINDHUNDPODCAST EPISODE 05

In der heutigen Episode geht es um die häufigen Fehler im Umgang mit Windhunden, die ich aus meinen Erfahrungen mit Windhunden für Dich in dieser Episode gebündelt habe.

Außerdem haben mich eure Fragen erreicht und wie versprochen gibt es Antworten.

Vielleicht ist es dir aufgefallen, dass sich seit der letzten Episode das Hörerlebnis etwas verbessert hat. Nicht nur der Umgang mit dem Windhund will verstanden sein, auch die Technik hat manchmal ihre Tücken. Ich wünsche dir auf jeden Fall jetzt viel Spaß beim Zuhören und vor allen Dingen beim Verstehen.


Die häufigen Fehler im Umgang mit Windhunden

Der moderne Mensch des 21. Jahrhunderts liebt Anleitung schnell und auf den Punkt müssen sie sein. Und vor allem effizient. Erkennbar an der sich einstellenden Verbesserung. Das Internet und damit die schnelle Verfügbarkeit von Informationen macht es uns leicht, alles zu recherchieren. Sie ersetzt allerdings nicht die fach und sachgerechte Bewertung der Informationen und der vielen guten Ratschläge. Schon gar nicht ersetzt es unser Bauchgefühl, wenn es um den Umgang mit Lebewesen geht.

Du kannst gewiss sein, dass du keine universale Lösung für dein Problem finden wirst, keine allgemeingültige Anleitung, wie „man nehme“.

Du musst bereit sein zu verstehen, zu erkennen und zu fühlen, wenn sich die Spannung in deinem Windhund verändert. Dann wird sich auch nachhaltig etwas verändern.

Der Windhündin aus dem Tierschutz, über die ich in meiner letzten Podcast Episode berichtete, kann man keine Vorwürfe machen, denn sie hat lediglich eins versucht, nämlich sich selbst zu schützen.

Ein bestimmtes Verhalten kann sich selbstverständlich immer wieder zeigen. Da wir es natürlich mit Lebewesen zu tun haben und nicht mit einem Computer, der mit einem Betriebssystem oder einer neuen Software ausgestattet wird.

Dein Windhund wird sich so wie wir Menschen auch im Laufe seines Lebens entwickeln. Sicherlich ist die Entwicklung des Verhaltens abhängig vom jeweiligen Hunde Charakter und der formt sich aus dem genetisch vorgegebenen Temperament und den Umwelterfahrungen, die ein Lebewesen so macht.

Aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich allerdings sagen, dass, sobald sich der Besitzer auf den Windhund einstellt, versteht und die Bereitschaft zeigt zu lernen und dass, wenn nötig auch 24/7, dass sich ein vermeintliches Verhalten bei der entsprechenden Achtsamkeit durchaus in Luft auflösen kann.

Unsere Windhunde sind anmutig, feinsinnig und vor allem intelligent. Und es gibt viele Gründe, warum du dich im Umgang mit deinem Windhund ganz unabhängig von Trainingsmethoden vielleicht etwas mehr anstrengen musst als so manch anderer Hundebesitzer.

Ich für mich folge dem Grundsatz die Antwort darauf, ob etwas richtig oder falsch ist, die gibt dir immer dein Windhund.

Mit liebevoller Konsequenz und gegenseitiger Verbindlichkeit kannst du sehr viel erreichen.

Und damit komme ich auch gleich zu Fehler Nummer 1.

Der Mensch verlangt eine verlässliche Verbindlichkeit von seinem Windhund, ist es aber meistens selbst nicht. Es gibt Dinge, die kann man nicht nur ein oder zweimal machen und dann denken, das bleibt so! Gerade im Umgang mit dem Windhund musst du dranbleiben und reagieren, wenn möglich mit liebevoller Konsequenz. Denn erst dadurch entsteht Verbindlichkeit.

Ein Lebewesen verändert sich stetig in seinen Verhaltensweisen. Es wird sich neu arrangieren, justieren, einordnen und verändern. Eine Veränderung ist unter anderem abhängig natürlich von den Umwelt, Erfahrungen, dem Alter oder dem Geschlecht. Veränderungen entstehen aber auch durch Lernen. Du als Besitzer musst wachsam und achtsam sein und die kleinen Dinge wahrnehmen, die das Verhalten deines Windhundes beeinflussen.

Das klingt vielleicht mühsam und schwierig, aber tatsächlich ist es gar nicht so schwierig, sondern kann sogar großen Spaß machen.

Fehler Nummer 2.

Der eigene Anspruch, alles richtig machen zu wollen, hemmt viele Menschen in ihrem Handeln und Tun. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und auch ich lerne täglich dazu. Und unsere sensiblen Windhunde spüren sofort, dass da etwas nicht stimmt, denn sein Mensch ist nicht authentisch.

Fehler Nummer 3.

Der größte Fehler ist meiner Meinung nach die Vermenschlichung des Tieres. Beflügelt von der positiven und romantischen Vorstellung, weil man seinen Windhund liebt, er uns automatisch auch liebt und deswegen alles für uns tut. Das ist leider ein ganz großer Irrweg.

Fehler Nummer 4.

Das ist die Erwartungshaltung, die aus der menschlichen Fürsorge heraus entsteht. Die klingt zum Beispiel so: „Ich tue so viel für dich, jetzt pöbel doch bitte nicht an der Leine. Das ist der Grund, warum der Mensch das Verhalten persönlich nimmt und in den meisten Fällen falsch reagiert. Er wird wütend, frustriert oder gar zornig. Eine bewusste, klare und souveräne Reaktion ist in einer emotionalen Stimmungslage nicht möglich.

Fehler Nummer 5.

Das Problem oder den Konflikt, den Dein Windhund gerade hat, den darfst du nicht zu deinem Problem machen. Falls du das doch tust, entschuldigst oder rechtfertigst du damit quasi jedes Verhalten? Die Liste der Entschuldigungen oder Rechtfertigungen der Halter ist in vielen Fällen enorm lang. Der Mensch neigt dazu, das Verhalten zu entschuldigen, sich selbst zu erklären und damit entschuldigt, warum der Hund gerade nicht das macht, was von ihm verlangt wird. Das Problem liegt hierbei in der Kommunikation, da der Mensch nicht hinterfragt, was der Hund mit seinem Verhalten ausdrücken will und in der Folge dem Hund meistens keine Antwort gibt. Es gibt immer einen Grund dafür, warum der Hund tut, was er tut.

Fehler Nummer 6.

Die Unterschätzung der Macht der Genetik. Der Mensch hat oftmals eine ganz bestimmte Motivation, warum er sich ausgerechnet einen Windhund anschafft. Die Begründung für die Entscheidung für seinen Windhund geht oftmals nicht über das Argument: „die sind so schön ruhig im Haus“ oder „die sind so verschmust“ hinaus. Dazu kommt aber dann der Anspruch, dass das Tier draußen tun müsse, was wir von ihm verlangen.

Selten wird verstanden, dass es sich bei den Windhunde nicht um Gesellschafts und Begleitung handelt. Mittlerweile hat es sich zwar herumgesprochen, dass Windhunde Jagdhunde sind und ihr Jagdtrieb durchaus ganz gewaltig sein kann. Dass aber dieser Jagdtrieb hypertroph ist und sie ernsthafte, knallharte Jäger sind, ist leider vielen nicht ganz so bewusst. So wird die Jagd Leidenschaft von den Besitzern oftmals nur in einem Nebensatz erwähnt. Ein paar weitere Gründe für die Anschaffung sind auch die folgenden: „Weil ich diese Hunde so toll finde, deren Charakter, den Sanftmut, die Unabhängigkeit, ihre große Freiheitsliebe, die Sensibilität und vor allem die Eigenständigkeit. Sie sind eigentlich so wie Katzen“  … und so weiter. Viele Halter können auf Nachfrage ihre Aussagen nicht konkretisieren oder tiefer begründen. Die Liste wird allerdings angeführt von: „die sind so schön ruhig zu Hause“.

Wer meinen Windhund Podcast aufmerksam zugehört hat oder gar meine Webinar Reihe Teil 1 bis 4 kennt, wird sofort verstehen, warum das nicht das Argument für die Rasse Windhund sein sollte. Der Mensch nimmt für die Ruhe zu Hause in Kauf, dass der Windhund draußen unbändig und nicht regulierbar ist.

Daraus resultiert im schlimmsten Fall, dass er sein restliches Leben auf dem Sofa und Garten sowie dem eingezäunten Auslauf verbringt und natürlich den Rest seines Lebens auch an der Leine. Auf meiner Webseite findest du seit vielen Jahren meine Aussage: „Ein Windhund, der immer an der Leine sein muss, ist wie ein Himmel ohne Sterne“.

Kannst du dir beantworten, warum du dir deinen Windhund angeschafft hast?

Kommen wir zu Fehler Nummer 7.

Die negative Einstellung für die Begrifflichkeit Konsequenz oder konsequent sein. Ein feines Gespür für die Vorgehensweise und Geduld beim Training ist unbedingt vonnöten, um nachhaltigen Lernerfolg zu ermöglichen. Dabei ist es ganz einfach, Regeln aufzustellen, Grenzen zu setzen, verbindlich und konsequent zu sein. Leider steht sich der Mensch dabei oftmals selbst im Weg. Er weiß einfach nicht, wie er das umsetzen soll und assoziiert durch die Begrifflichkeiten nur Negatives. Was viele Besitzer nicht sehen oder wahrnehmen dabei ist der eigene Umgang mit dem Windhund an der Leine. Sie zerren, ziehen und schubsen ihren Windhund herum, ohne eine Vorstellung davon zu haben, was das mit dem Partner Windhund am Ende des Tages macht.

Ein Windhund lernt grundsätzlich sehr schnell und will dem Menschen dabei nie etwas Böses. Agiert niemals heimtückisch oder gar berechnend. Verspannungen, Stress, Flucht oder Abwehr können oftmals die Folgen eines falschen und unfairen Umgangs sein.

Und damit komme ich zu Fehler Nummer 8.

Es mangelt vielen Halter an der Wahrnehmung der feinen Anzeichen, bevor der Windhund förmlich explodiert. Kannst du die Grundspannung deines Windhund erkennen? Die feinen, kleinen Zeichen, die auf Spannung, Anspannung oder gar Schmerzen hindeuten. Überprüft dich einfach mal selbst auf deinem nächsten Spaziergang. Und achte darauf, ob du die Grundhaltung deines Windhunds erkennst, denn sie zeigt dir seine Orientierung in der Umwelt und erst wenn du sie erkennen kannst, beantwortet sie dir auch die Frage „Warum tut der Hund, was er tut?“ Wenn du die Grundspannung erst dann erkennst, wenn dein Windhund völlig außer Rand und Band auf zwei Beinen in der Leine steht und regelrecht wild wird, dann hast du die feinen Anzeichen nicht erkannt. Viele Halter beantworten dieses Verhalten oftmals mit einer unfairen Härte, die lediglich darauf abzielt, den Windhund festzuhalten. Zur Not auch mit einem körperlichen Ankerwurf.

Das ist kein Training, kein Management und auch keine Maßnahme, um zum Beispiel die jagdliche Motivation zu kontrollieren. Der Mensch hat am Ende des Tages für sich keine Lösung für diese Situation und er wird in der Folge unnötig hart und vor allem unfair. Dabei möchte er doch nur lieb sein und das Beste für seinen Hund.

Die Abhängigkeit vom Menschen

Der Windhund ist in allen Dingen abhängig vom Menschen und wir haben die Verantwortung nicht nur für die Toilettengänge, die artgerechte Bewegung oder die Fütterung. Nebst der Fürsorge, Pflege und artgerechten Haltung solltest du ein feines Gespür und die notwendige Geduld beim Training haben. Das ist so wichtig und vor allem notwendig, damit dein Windhund Erlerntes durch Verstehen festigen kann.

Sein gesamter Organismus und Stoffwechsel ist nicht darauf ausgerichtet, ausschließlich ein Couch Potato zu sein. Dass diese Eigenschaft des Couch Potato früher durchaus erwünscht war und heute auch noch immer erwünscht ist, bedeutet nicht, dass der Windhund auf diese Eigenschaft reduziert werden darf.

An erster Stelle ist er ein intelligenter und sehr effizienter Jäger. Viele der Windhund Halter verspielen leider viel Potenzial, das die Windhunde bereits in ihrer Genetik mitbringen.

Ursprünglich als Jagdwaffe konzipiert, hält die Genetik immer noch dieses ursprüngliche Potenzial vor. So ist es zum Beispiel nicht erwünscht, dass der Windhund die Beute frisst oder er sich vor Beginn der Jagd durch Bellen, Jaulen oder Winseln lautstark bemerkbar macht.

Mein Fazit zum heutigen Thema

Wünschst du dir Verbindlichkeit von deinem Windhund, dann solltest du auch gleichermaßen verbindlich für ihn sein. Bleib ehrlich mit dir und allem, was du am Hund tust. Verzeihe dir deine Fehler, wichtiger als alles richtig zu machen, ist die Erkenntnis, etwas falsch gemacht zu haben.

Konsequentes Verhalten schließt Liebe und Spaß nicht aus. Bleib immer fair, angemessen und gerecht, vermenschliche sein Verhalten nicht. Überprüfe deine Entschuldigungen oder Ausreden, warum dies oder jenes gerade nicht klappt. Und hör niemals auf zu hinterfragen „warum tut der Windhund das, was er tut?“, meistens gibt es einen guten Grund.

Wie versprochen kommt jetzt zum Ende der Episode eure Frage:

Was ist der Unterschied zwischen Training und Grundgehorsam?

Das Wort Training wird in den meisten Fällen benutzt, wenn wir Bezug nehmen auf die Hundeschule, die Beschäftigung, die Dressur oder den Hundesport.

Ich benutze den Begriff Training meistens für den Menschen dann, wenn es um die klassischen Erziehungsthemen geht. Jedoch gibt es einen Unterschied zwischen Training und Grundgehorsam? Meiner Meinung nach ja. Denn Training bezieht sich in der Regel auf ein ganz bestimmtes Ziel und hört bis zum Erreichen des Ziels niemals auf. Es sei denn, du gibst es natürlich auf.

Training ist temporärer Art, orientiert sich in der Regel an bestimmten Zeiten oder auch an Plänen. Hierunter fallen alle sportlichen Betätigung, wie zum Beispiel der Hundesport.

Grundgehorsam

Am Thema Grundgehorsam verzweifeln sehr viele Halter. Da in der Hundeschule viele Dinge vermittelt werden, die im eigenen Leben gar keine Relevanz haben und daher an den tatsächlichen Bedürfnissen sehr vorbeigehen. Gut beraten ist natürlich derjenige, der frühzeitig erkennt, welche Themen für den eigenen Alltag wichtig sind. Beim Grundgehorsam geht es um die wesentlichen Dinge im täglichen Miteinander und dort beginnt in der Regel meine Arbeit.

Auch wenn das Wort Grundgehorsam nicht ziemlich gut klingt, beinhaltet es für mich in erster Linie den gegenseitigen Respekt. Dazu gehört unter anderem die Achtung vor den jeweiligen Individuen. Bedeutet natürlich den Mitgliedern deiner Hausgemeinschaft bzw deiner Gruppe. Dazu gehört auch der Respekt vor dem Eigentum des Anderen und natürlich vor seinem individuellen Raum. Die Akzeptanz von räumlichen Restriktionen sowie Rücksichtnahme auf alle Bedürfnisse, die ein Partner oder die Gruppe hat. Das bedeutet der Grundgehorsam sichert das geordnete Zusammenleben von Hund und Halter.

Regeln bringen in der Regel Ordnung ins Chaos und sorgen für Sicherheit.

So, das wars schon wieder für heute „Windhunde verstehen“ Episode fünf. Ich danke dir fürs Zuhören und nächste Woche, Freitag in Episode sechs, möchte ich darüber sprechen, warum Windhundhaltung maximal anspruchsvoll ist. Gast in meinem Podcast wird die Tierärztin Sonja Schirmer aus Hamburg sein. Und ich kann dir jetzt schon versprechen, dass es spannend wird. Hör rein und finde heraus, was Sonja aus ihrer Fachpraxis und der Erfahrung als Rennbahn-Tierärztin zum Thema zu sagen hat. Mit einem Klick kannst du ganz einfach meinen Kanal abonnieren und ihn auf deiner bevorzugten Plattform anhören. Ich sage für heute Tschüss und bis nächste Woche.


Mehr zu meinem Windhundpodcast und die Themenvorschau findest Du hier.

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Posted: 16/09/2022

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