logo

logo Fachberatung, Ausbildung, Coaching und Training für den privaten Windhundbesitzer.

WINDHUNDPODCAST EPISODE 04

In der heutigen Episode möchte ich über ein klassisches Beispiel aus meiner Praxis berichten. Es geht um einen weiblichen Tierschutz-Windhund, der mir mit einem großen Paket an Problemen vorgestellt wurde. Darunter auch der Klassiker: Die Hündin ist ein Angsthund.

Die Liebe zum Windhund allein reicht oftmals nicht aus, daher kontaktieren mich Windhundhalter aus dem In- und Ausland, wenn es zu unerwünschtem Verhalten ihrer Windhunde kommt. Die Vielfalt dieser Verhaltensweisen ist dabei breit gefächert. Sobald aber der Halter verstanden hat und die Unklarheiten aus dem Weg geräumt sind, steht einer glücklichen Mensch-Windhund-Beziehung mit Humor, Liebe und ganz viel Spaß nichts mehr im Weg.

Ich arbeite Deinen Windhund in den meisten Fällen vor. Das heißt, ich erkläre ihm, wie er mit der Umwelt und der Situation, in die Du ihn hinein adoptiert oder gekauft hast, umgehen kann, ohne dass er dabei immensen Stress hat. Die feinen Hilfen mit der notwendigen Konsequenz sorgen für ein authentisches Miteinander. Mein klares Handling im Umgang vermittelt die notwendige Sicherheit und erst wenn der Windhund verstanden hat, was ich von ihm möchte, ist der Besitzer an der Reihe.

Dass ich den Besitzer verstehe, ist natürlich sehr, sehr wichtig und ich kann durchaus nachvollziehen, wenn die Halter Ängste oder große Furcht vor bestimmten Situationen haben. Denn diese so zart und anmutig wirkenden Wesen sind nicht nur kraftvoll, sondern auch blitzschnell in ihren Reaktionen und äußerst hartnäckig, wenn es aus ihrer Sicht darauf ankommt.

Der jüngste Fall führt mich zu einer 3-jährigen Windhündin aus dem Tierschutz und die Besitzerin beschreibt ihr Problem wie folgt:

Meine Galga ist ängstlich, allerdings hat sie von Anfang an Spaß an neuen Strecken gehabt. Doch letztens muss. Irgendetwas passiert sein. Auf einem Spaziergang in einem ihr bekannten Wald bekam sie plötzlich panische Angst und wollte nach circa 100 Metern partout nicht mehr weiter und zog mich Richtung Auto zurück. Seitdem geht sie egal wo nur noch so 50 bis 100 Meter mit mir. Und sperrt sich dann vor Angst und ist dabei panisch und will wieder zurück nach Hause oder ins Auto. Was ist da nur los? Ich verstehe es nicht und weiß nicht mehr, was ich tun soll. Ach so, Panik bekam sie sonst nur, wenn von allen Seiten zum Beispiel Kinder, Autos, Fahrradfahrer etc. ankamen und sie damit total überfordert war. In den Wald und auch den anderen Orten habe ich allerdings bisher nichts wahrnehmen können. Kommen andere Hunde, diese werden natürlich massiv verbellt und sie flippt richtig an der Leine aus.

Die Ursache aller Probleme hatte die Halterin in ihrer Beschreibung bereits selbst benannt. Das kommt in der Praxis ganz häufig vor. Allerdings fehlt es bei vielen Menschen an Empathie und Kreativität, um die Probleme selbst zu lösen. Verunsichert sucht der Mensch nach Hilfe und Lösungen. Und so kommt er zu mir oder geht zu einem Trainerkollegen.

Die Besitzerin buchte einen Ersttermin „Alltag“. Dieser findet in der Regel bei den Besitzern zu Hause statt und so auch in meinem Beispiel.

Die Problematik, die sich mir zeigte, war eigentlich ganz einfach und auf den ersten Blick erkennbar. Die Hündin tut etwas und die Besitzerin stimmt dem Verhalten zu. Sei es stillschweigend, lächelnd, wohlwollend, verständnisvoll oder auch ignorierend. Letztendlich stimmt die Reaktion der Halterin nicht, sie kommuniziert nicht mit ihrer Hündin und die Hündin hat herausgefunden, dass sie die Besitzerin natürlich auch so steuern kann.

Meine Wahrnehmung war die folgende: Die Hündin zeigt klares Meideverhalten und vertraut dabei nur sich und ihrer Möglichkeit, sich allen ihr unbekannten und nicht einschätzbar Situationen durch Flucht, Verweigerung oder Panik zu entziehen. In meinen Augen fehlt es in dieser Beziehung grundsätzlich an Führung und der wohlwollenden Konsequenz im Umgang mit der Hündin.

Ich wollte mehr über das Verhalten der Hündin herausbekommen. Damit ich das von der Halterin geschilderte Verhalten weiter analysieren konnte, schlug ich vor, nach draußen zu gehen.

Nachdem ich das Geschirr und die viel zu kurze Leine gegen ein Halsband und eine lange Leine getauscht hatte, wagte ich mich respektvoll und schrittweise vor.

Ich forderte nur so viel Nähe oder Beschränkung ein wie nötig, und zwar noch bevor die Hündin auf mein Verhalten reagierte. Sobald sie merkte, ich komme näher und ihre Haltung und ihr Gesichtsausdruck veränderte sich nur ganz fein, kaum sichtbar, reagierte ich sofort mit Entspannung. Nur wenn der Mensch diese feinen Signale wahrnehmen kann, dann entsteht Vertrauen. Die Hündin merkte schnell, dass von mir keine Bedrohung ausgeht. So konnte ich mich ganz entspannt und fein aus ihrem Nahbereich entfernen und auch wieder annähern.

Bis zu der Stelle, an der die Hündin bisher keinen Schritt weiter ging. Bestand meine Aufgabe darin, für Vertrauen und Entspannung in Verbindung mit dem Menschen zu sorgen. Über das Zwangsmittel Halsband und Leine kannst du das sehr gut aufbauen, sofern du diese Hilfsmittel nicht als Lenkstange benutzt und ständig am Hund ziehst und kehrst. Kleinschrittig und respektvoll ganz ohne Ziehen und Zerren.

Die Radfahrer auf dem Gehsteig ließen wir ganz einfach vorbei, indem wir seitlich warteten, jedoch ohne der Situation übermäßig Beachtung zu schenken. Als der Weg breiter wurde, blieben wir nicht mehr stehen, sondern gingen einfach weiter.

Mein klarer Umgang und meine souveräne Haltung brachten letztendlich den Durchbruch. Auch bei der ersten Hundebegegnung. Ich hörte, wie die Hündin Luft holte, um zum Pöbeln anzusetzen und konnte ihr mit einer entsprechenden Haltung meinerseits und einer ganz kleinen Parade deutlich vermitteln, dass es keinen Grund gibt, den anderen Hund zu vertreiben. Dies konnte dann ohne meine Einwirkung bei den weiteren Hundebegegnungen aufrechterhalten werden. Der Gesichtsausdruck der Hündin veränderte sich und sie wurde immer weicher und entspannter in ihrer Mimik.

Letztendlich klingt das einfach und sieht oftmals leichter aus als selbst getan. Ich gebe der Halterin folgende Ratschläge mit auf den Weg Beim Loben ist es wichtig, dass nicht die hohe Erregungsslage genutzt wird. Eine tiefe, ruhige Stimme dabei ausatmen ist in meinen Augen wichtiger als das berühmte „Party“ machen. Denn das Ausatmen mach etwas mit unserer Körperhaltung, mit der Anspannung und unserer Muskulatur.

Die Spannung zwischen der Hündin und ihrem Menschen sind deutlich, es wurde bisher kein Vertrauen hergestellt. Dabei solltest Du Vertrauen nicht gleichsetzen mit Beziehung oder Bindung.

Etwas Raum schaffen zwischen sich und dem Windhund bedeutet nicht, dass du abweisend bist, sondern hat sehr viel mit gegenseitigem Respekt zu tun.

Die Entspannungsphasen des Hundes erkennen und nicht einfach stur weitergehen, zu hektisch sein, zu schnell sein… Diese Phasen der Entspannung des Stehenbleibens werden je nach Fortschritt immer kürzer. Das heißt, sobald der Hund dem Menschen vertraut.

Wahrnehmen, was der Hund wahrnimmt

Dabei schaue ich auf den ganzen Körper des Windhund. Ich schaue dem Windhund niemals direkt in die Augen oder direkt in sein Gesicht, denn ich möchte den Windhund nicht provozieren oder gar bedrohen. Ich beachte dabei seine Achsverschiebung und genau in allen Situationen, die auf so einem Spaziergang eintreten können. Beobachten und lernen, wahrnehmen, was der Hund wahrnimmt.

Die Besitzerin konnte sehen, wie sich die Hündin in den 45 Minuten des Spaziergangs mehr und mehr entspannte. Das Hilfsmittel Halsband und Leine war wirklich nur noch ein Hilfsmittel und diente lediglich dazu, gegenseitig Vertrauen und Respekt herzustellen, ohne das Halsband und Leine zur Lenkstange werden.

Ob und wie ich die verunsicherte Besitzerin aufbauen kann und wir gemeinsam einen Weg finden, um die Beziehung auf den Säulen von vertrauen und Respekt aufzubauen, ist sicherlich ein spannendes Thema.

Abschließend kann ich sagen, dass es sich bei der Hündin nicht um einen Angsthund handelt, mit Führung und Klarheit kann die Besitzerin sehr viel erreichen. Voraussetzung hierfür ist der Wille, etwas verändern zu wollen.

Wir, die vermeintlich intelligenteren Lebewesen, dürfen nicht erwarten,

dass das Tier uns versteht.

Fazit

Mein Fazit der heutigen Episode bedeutet hinschauen und analysieren. Den Windhund oder den Hund nicht einfach in die Schublade Angst stecken, nur weil er bestimmte Dinge bisher noch nie erlebt hatte oder gar nicht kennt. Mit Leidenschaft, Kreativität und vielleicht auch ein bisschen mehr Mut deinerseits, solltest du deinen Windhund die Welt erklären. Dann kannst du gewiss sein, dass die Emotionen deines Windhundes nicht täglich strapaziert werden.


Mehr zu meinem Windhundpodcast und die Themenvorschau findest Du hier.

Post Details

Posted: 09/09/2022

By:

Post Categories

Podcast